Kamera, Top-Story: 02.12.2015

Nokia: Kugelkamera Ozo ab Q1/2016 verfügbar

Nokia hat eine Kugelpanorama-Kamera namens Ozo entwickelt, die ab dem ersten Quartal 2016 zum Nettopreis von 60.000 US-Dollar verfügbar werden soll.

Schon bei der diesjährigen IBC zeigte sich ein kleiner Trend zum Themenkomplex Kugelpanorama und Virtual Reality (siehe Artikel). Nun steigt Nokia in dieses Marktsegment mit einer Profi-Videokamera ein, ist dabei zwar nicht allein (siehe Artikel), aber sattelt gleich noch ein paar zusätzliche Features drauf.

Ozo ist eine Virtual-Reality-Kamera, die es erlauben soll, Kugelpanorama-Videos aufzuzeichnen und in Echtzeit zu übertragen. Ab dem ersten Quartal 2016 soll die Kamera verfügbar werden, als Nettopreis nennt der Hersteller 60.000 US-Dollar. Bei einem Launch-Event am gestrigen 30. November 2015 wurde ein Live-Auftritt der Band Best Coast vom Capitol-Records-Hochhaus in Hollywood per IP-Übertragung nach Downtown Los Angeles gesendet — als 360-Grad-Video in Stereo-3D.

Der avisierte Kaufpreis macht klar, dass Nokia die Kamera und die damit verbundene Technologie nicht als Technikspielzeug vermarkten will, sondern damit auf professionelle Anwender zielt. Ozo soll nach Unternehmensangaben das erste Element eines ganzen Portfolio von Medienlösungen aus dem Hause Nokia sein.

Entwickelt wurde Ozo im finnischen Tampere und zunächst hatte Nokia einen Lieferstart im vierten Quartal 2015 angestrebt. Nun nennt das Unternehmen das erste Quartal 2016 als Lieferbeginn. Die Produktion der Ozo-Kamera soll in Finnland erfolgen.

Ozo erfasst stereoskopische Videosignale über acht im Augenabstand angeordnete Kameramodule. In den Kameramodulen regeln synchronisierte Global Shutter die Belichtung der Sensoren. Für den Raumklang-Ton sind acht eingebaute Mikrofone zuständig. Mithilfe einer Betrachtungs-Software ist die Echtzeit-3D-Vorführung von Ozo-Aufnahmen möglich — ohne dass das Panoramabild zuerst zusammengerechnet werden müsste, so der Hersteller. Dadurch werden auch Live-Lösungen möglich.

Mit Ozo aufgenommenes Material kann mit Virtual-Reality-Brillen wie Oculus Rift betrachtet werden und kombiniert laut Nokia volle 360-Grad-Kugelpanoramen mit räumlich korrekter Klangwiedergabe. Ozo soll von Beginn an im Zusammenspiel mit vorhandenen professionellen Workflows und Thrid-Party-Tools verwendbar sein. Einer der ersten Partner von Nokia ist die VR-Produktionsfirma Jaunt mit Sitz in Palo Alto, in deren gleichnamigen Studios man die Kamera schon jetzt nutzen und ausprobieren kann.

Technische Details

Ozo ähnelt einem Kugelfisch, der Kugelteil hat einen Durchmesser von etwa 17 cm, die Länge beträgt rund 26 cm. Die betriebsbereite Kamera wiegt etwas mehr als 4 kg. Der Body besteht aus einer Aluminium-Legierung.

Im Kugelteil sind die acht synchronisierten Kameramodule sphärisch montiert — aber nicht vollkommen gleichmäßig über die Kugeloberfläche verteilt, es gibt sozusagen eine Vorzugsrichtung. Jeder der acht Sensoren hat laut Hersteller eine Auflösung von 2K x 2K. Die vor den Sensoren montierten Festbrennweiten erreichen jeweils einen Bildwinkel von 195 Grad. Ein volles Kugelpanorama steht ab einem Abstand von rund 0,5 m von der Kamera zur Verfügung. Die Empfindlichkeit der Kameramodule gibt Nokia mit 400 ISO an, die Grundfarbtemperatur mit 5.000 K, die Öffnung mit f/2.

Die von den acht einzelnen Modulen erfassten Teilbilder werden schon in der Kamera zu einem 360-Grad-Kugelpanorama kombiniert und als wavelet-komprimierte Raw-Daten gespeichert, zusammen mit dem Raumkang-Ton in einem gemeinsamen File, so Nokia (MOV wrapped OZO Virtual Reality 8 Ch Raw Video and 8 Ch PCM Audio). Dabei schafft Ozo laut Hersteller eine Bildrate  von 30 fps.

Die Kamera läuft mit 12 V Gleichstrom, hat eine Leistungsaufnahme von 30 W und kommt ohne Lüfter aus, so der Hersteller.

Im »Schwanz« des Kugelfischs stecken Akku und Speichermedium, die gemeinsam entnommen und eingelegt werden, die sich aber außerhalb der Kamera separieren lassen. Gespeichert wird auf einer SSD, ein 500-GB-Medium wird mitgeliefert, das soll für 45 Minuten Aufnahmedauer reichen. Weitere Speichermodule sollen jeweils rund 5.000 US-Dollar kosten.

Neben der internen Speicherung in hoher Qualität streamt Ozo auch kabellos ein Signal in Preview-Qualität. In der Gegenrichtung kann die Kamera via W-LAN gesteuert werden, derzeit nur von einem Mac mit entsprechender Software (Ozo Remote App) aus. Für die Bearbeitung und Ausgabe von Ozo-Aufnahmen gibt es ebenfalls eine Mac-Software — mit der Bezeichnung Ozo Creator App.

Unten eingefügt: Ein Nokia-Firmenvideo mit ersten Kommentaren von Ted Schilowitz, Sid Ganis und Steve Schklair zur Ozo und ein Video zur Entwicklung und Prototypen-Produktion.

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Autor
red

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