Broadcast, Top-Story: 24.04.2002

DVCPRO beim ZDF

Mehr als 3.500 Mitarbeiter beschäftigt das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) in Mainz. Neben dem eigenen Hauptprogramm verantworten die ZDF-Mitarbeiter auch einen großen Teil des Programms von 3sat, Arte, Phoenix und dem Kinderkanal. Das erfordert auch eine leistungsfähige Technik und hier setzt das ZDF verstärkt auf DVCPRO.

Der jährliche Haushalt des öffentlich-rechtlichen Senders weist stets einen hohen Betrag für neues und zusätzliches Equipment aus: Von den mehr als 37 Millionen Euro für produktionstechnische Investitionen im vergangenen Jahr entfielen rund 17 Millionen auf Investitionen und Reinvestionen im Sendezentrum. Ein Teil dieser Summe wurde in DVCPRO-Equipment von Panasonic investiert, mit dem das veraltete Betacam-Format ersetzt wird. Schon jetzt sind die Sendeabwicklungen des ZDF-Hauptprogramms und von 3sat mit DVCPRO-MAZen ausgerüstet.

Waldemar Lanninger, Geschäftsfeldleiter Studioproduktion, sieht sich in der konsequenten Verwendung von DVCPRO im Sendebetrieb bestätigt: »Die Bildqualität von DVCPRO und DVCPRO50 ist teilweise sogar besser als die von vergleichbaren Halbzoll-Bandformaten.« So wird mittlerweile sogar Fremdmaterial, das in anderen Formaten vorliegt, zunächst auf DVCPRO oder DVCPRO50 umkopiert und geht erst danach zur weiteren Verwendung in die Bearbeitung. »Selbst in den Studios 2 und 4 auf dem Mainzer Lerchenberg sind zur autarken Produktion nur die Studiorecorder AJ-D950 zu finden,« betont Lanninger.

Auch bei der kritischen Beitragsprüfung, -abnahme und Farbkorrektur verlässt sich das ZDF auf DVCPRO. »Dafür steht uns eine eigenständige Einheit mit zehn Studiomaschinen und dem leistungsfähigen Farbkorrektursystem DaVinci zur Verfügung«, erläutert Lanninger. »Generell spielen wir DVCPRO rein und auch DVCPRO wieder raus.« Wie kaum ein anderer Sender rüstet das ZDF bereits seit geraumer Zeit seine Technik mit dem digitalen Viertelzoll-Format aus. Mittlerweile sind 415 Einheiten im Einsatz. Im tagesaktuellen Geschäft ist DVCPRO bereits Standard.

Gisela Loew, Geschäftsfeldleiterin Kamera beim ZDF in der Zentrale in Mainz, und neben weiteren Aufgaben auch für den Einsatz von EB-Kameras verantwortlich, äußert sich zufrieden über die bisherigen Erfahrungen. Freilich gab es zu Beginn – wie bei jeder neuen Kamera – »Kinderkrankheiten«. Aber diese konnten nicht zuletzt wegen der räumlichen Nähe zu Panasonic in Wiesbaden schnell behoben werden. »Generell positiv wurden die kleinen Kassetten aufgenommen«, berichtet Frau Loew. Passend zu den Kassetten hat das ZDF eigene MAZ-Karten entwickelt, die Informationen über den Beitrag und Timecode-Werte enthalten. »Unsere Kameramänner sind mittlerweile alle durch die Trainingsabteilung von Panasonic und die SRT in Nürnberg geschult worden«, berichtet Gisela Loew.

Auch wenn DVCPRO-Camcorder bei der aufwendigen und anspruchsvollen Außenübertragung (AÜ) nur eine untergeordnete Rolle spielen, sind DVCPRO50-Studiomaschinen auf den Ü-Wagen des ZDF zu finden. Für dieses Geschäftsfeld ist Berthold Tritschler zuständig. Sein Bereich umfasst drei große digitale Ü-Wagen mit bis zu zwölf Kameras, einen analogen Ü-Wagen, einen analogen Reportagewagen und ein DSNG-Fahrzeug mit drei DVCPRO50-Camcordern. Diese Camcorder werden über Camplex-Systeme von der Kameraregie aus gesteuert. Zum Schnitt steht ein Laptop-Editor zur Verfügung und eine weitere DVCPRO50-MAZ übernimmt das Abspielen, Aufzeichnen und Absetzen der Beiträge.

»In den Übertragungswagen setzen wir neben anderen Formaten DVCPRO und DVCPRO50 zur Aufzeichnung oder als Zuspieler ein – ganz wie’s gebraucht wird«, erläutert Tritschler. »Natürlich gehört auf den digitalen Ü-Wagen zur weiteren Bearbeitung von EB-Material DVCPRO50 zum Standard-Equipment. Das fordern wir mittlerweile auch von den Fremdfirmen, bei denen wir zusätzliches Material und Fahrzeuge anmieten.« Ebenfalls zum AÜ-Bereich zählt das Börsenstudio in Frankfurt, wo für die täglichen Aktien-News in den »Heute«-Nachrichten zwei DVCPRO-Kamerazüge in Studioversion im Einsatz sind.

Was für die Zentrale in Mainz gilt, setzt sich nahtlos in den 14 Inlands- und 18 Auslandsstudios fort. Dafür ist Michael Hepp verantwortlich: »Zuletzt haben wir die Studios in Rio de Janeiro und Singapur mit DVCPRO ausgestattet.« In der Regel verfügt jedes Studio über mindestens zwei Camcorder, das Hauptstadtstudio des ZDF in Berlin kann auf einen Pool von 18 und die Studios in Hamburg, Düsseldorf und München können auf je fünf Camcorder zugreifen. »Insbesondere zum Einsatz in Krisengebieten, wie etwa in Afghanistan, stehen zusätzlich Mini-DV-Camcorder zur Verfügung. Das DV-Material wird dann unmittelbar auf dem Laptop-Editor AJ-LT85 geschnitten.«
Seine Feuertaufe im harten Auslandseinsatz erlebte DVCPRO im Studio Nairobi, wo sich die Geräte klaglos in tropischer Hitze und afrikanischem Wüstenstaub bewährt haben. »Auch aus Afghanistan wurden bislang keine Ausfälle gemeldet«, betont Michael Hepp.

Stationär verfügt jedes Studio über mindestens eine DVCPRO50-MAZ je Schnittplatz, von der das Originalmaterial meist in Avid-Systeme eingespielt und nach dem nonlinearen Schnitt wieder auf Band ausgegeben wird. Zudem stehen den Teams bis zu zwei Laptop-Editoren für das netzunabhängige Editing zur Verfügung. Es wird weitgehend im PAL-Standard, also mit 625 Zeilen, gedreht und produziert. Eine Ausnahme bilden lediglich die US-Studios in Washington und New York sowie in Tokio und Rio de Janeiro.

Um im schnellen News-Geschäft auch weiterhin die Nase vorne zu haben, arbeitet das ZDF mit SDTI-Interfaces, um den DVCPRO-nativen Datenstrom aus dem Videorecorder direkt in den NewsCutter von Avid zu überspielen. »Damit legen wir auch den Grundstein für den verlustfreien Transfer der DV-Files über ATM-Vernetzungen, die auch direkt archiviert werden können«, sagt Hepp.

Emanuel Bellendir, Geschäftsbereichsleitung Design und Post-Produktion beim ZDF: »Es ist ja der besondere Charme des DVCPRO-Formates, von der Aufzeichnung über die Wiedergabe bis zur Archivierung in einem Format bleiben zu können. Es war immer unser Ziel, in der Produktions-Prozesskette ausnahmslos mit einem digitalen Signalstandard auf der nativen Ebene zu arbeiten. Mit DVCPRO werden wir in Kürze in der Lage sein, dieses Ziel durchgängig zu erreichen, denn nativ bedeutet ja, Signale immer im selben Kompressionsstandard zu bearbeiten.«

Im Bereich Design und Post-Produktion werden Media Composer von Avid eingesetzt, die vernetzt werden und ebenfalls für die durchgängige DV-native Bearbeitung vorbereitet sind. Als Ein- und Ausspiel-VTRs werden an allen NLE-Schnittplätzen auch DVCPRO50-Recorder des Typs AJ-D960 eingesetzt. Wegen seiner Vorteile bescheinigen Emanuel Bellendir und seine Kollegen dem DVCPRO-Format mit seiner Datenstruktur eine lange Lebensdauer.
Nicht zuletzt deswegen hat sich das ZDF auch für die Archivierung von Beiträgen im DVCPRO50-Format entschieden. Zur Bestandssicherung wird in einem Großprojekt ab Sommer 2002 das komplette 1“-Bandarchiv auf das DVCPRO50-Format umgespielt. Die nackten Zahlen sind überwältigend: In den Archivräumen auf dem Mainzer Lerchenberg lagern 93.000 umspielwürdige 1“-Bänder mit rund 72.000 Programmstunden.

Downloads zum Artikel:

T_0402_ZDF_DVCPRO.pdf

Autor
Günter Flenner
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