Report, Top-Story: 08.12.2003

Vom Film in die digitale Welt

Im November 2002 zog die Volker Rodde Film- und Videotechnik e. K. in neue, sehr stilvoll umgebaute Räume in einem historischen Industriegebäude auf dem Kölner Vulkan-Gelände. Aber nicht nur damit begann eine neue Ära für den vom Kameramann Volker Rodde geleiteten, renommierten Equipment-Verleih. Etwa ein Jahr später schaffte sich das Unternehmen einen HD-Camcorder und weiteres, damit verbundenes HD-Equipment an. Warum investierte Rodde jetzt in die Varicam von Panasonic? Welche Chancen und Entwicklungen sieht er im HD-Markt? www.film -tv-video.de fragte nach.

Es herrscht eine nüchterne, aufgeräumte Stimmung in den Räumen der Volker Rodde Film und Videotechnik. Dennoch spürt man, dass hier nicht die Technik als Selbstzweck und Kultobjekt im Vordergrund steht, sondern dass es um Werkzeuge für kreative Aufgaben geht. Spätestens wenn man bei einem Rundgang durch die Räume erfahren und gesehen hat, wie hier gearbeitet wird und Abläufe organisiert sind, wird klar: Hier sind Profis am Werk, die nach Perfektion streben. Ein Blick in den Service und besonders in die Testräume bestätigt diesen Eindruck. So verfügt Volker Rodde etwa über einen Objektiv-Testraum, wie man ihn in dieser Qualität in Deutschland sehr selten finden dürfte.

»Unsere Kunden sind professionelle Kameraleute, und denen wollen wir optimales, perfektes Werkzeug in die Hände geben, damit sie ihren Job so erledigen können, wie sie sich das wünschen,« fasst Volker Rodde seine Firmenphilosophie zusammen. Der umtriebige Unternehmer kann dabei auf langjährige eigene Erfahrungen zurückblicken, woran auch seine mittlerweile eher zur Dekoration aufgebauten, persönlichen 35-mm-Arri-Kameras erinnern, mit denen er in der ganzen Welt gearbeitet hat. Auch heute ist Rodde neben seinen Aufgaben als Geschäftsführer noch als Kameramann aktiv und er gibt zudem sein umfangreiches, praxisbewährtes Wissen in Lichtseminaren weiter.

Nun steigt Volker Rodde mit seinem Unternehmen also in die HD-Technik ein. Warum? Was war der Beweggrund, mit der Varicam von Panasonic jetzt einen HD-Camcorder zu kaufen? »Die Kundennachfrage war für uns ganz konkret erkennbar, das Interesse an HD ist sehr stark gewachsen. Zudem war es für uns logisch, dass sich das Unternehmen vom Film in Richtung Digitaltechnik bewegen soll und muss. Für uns war es deshalb nur folgerichtig, dass wir eine HD-Kamera und die entsprechende Peripherie kaufen wollten. Wir haben uns angeschaut, was am Markt verfügbar ist: HDCAM-Camcorder von Sony, die Viper von Thomson und eben auch die Varicam von Panasonic. Was mich letztlich von der Varicam überzeugte, war die relativ einfache Bedienung und die Möglichkeit mit unterschiedlichen Bildraten von 4 bis 60 Bildern zu drehen, also nicht nur mit 24 und 25 Bildern pro Sekunde. Das bin ich, wie viele andere Kameraleute eben auch, vom Arbeiten mit Film her gewohnt und auf diese Möglichkeiten wollte ich nicht verzichten.«

Volker Rodde sieht die Anschaffung des DVCPROHD-Camcorders als Einstieg in die HD-Welt. Trotzdem steht der Camcorder nicht isoliert da, alles, was man für den Betrieb braucht, ist vorhanden. Zusätzliches Equipment, etwa auch weitere HD-Monitore, sind schon bestellt. Große Teile des bei Volker Rodde vorhandenen Equipments können ja ohnehin problemlos auch an der Varicam verwendet werden. Auch hierbei geht man bei Volker Rodde umsichtig und gewissenhaft vor. So werden derzeit alle vorhandenen Objektive erneut geprüft, gemessen und bewertet, um ganz sicher zu gehen, dass mit der Varicam auch nur solche Objektive eingesetzt werden, die sich dafür optimal eignen, denn rein mechanisch gesehen würden ja sehr viele der im Leihpark vorhandenen Objektive passen. Andererseits kann man keineswegs nur die speziell als HD-Objektive spezifizierten Linsen mit der Varicam verwenden, sondern es kommen im einen oder anderen Fall auch andere sehr gute Objektive in Frage.

Nach knapp zwei Monaten mit der eigenen Varicam zieht Volker Rodde erste Bilanz: »Unsere Kunden zeigen großes Interesse an der Kamera. Wenn sie nicht verliehen ist, bauen wir sie daher immer gleich für Demos auf: Die Kameraleute sind sehr neugierig auf die Kamera. Ausgeliehen wird die Varicam von Agenturen, direkt von Kameraleuten, von Produktionsfirmen und auch von TV-Sendern. HD ersetzt dabei momentan noch in der Mehrzahl der Fälle Super-16, ich gehe aber davon aus, dass sich das ändern wird: HD ist aus meiner Sicht ein eigenständiges Format und nicht nur der Ersatz für etwas anderes«, führt Volker Rodde aus. Angefragt und eingesetzt wurde die Varicam bislang für Doku-Soaps, »Hochglanz«-Dokus und Werbung. »Was den breiteren Einsatz von HD derzeit am stärksten bremst, ist die fehlende Bereitschaft der Sender, mehr für die Produktion auf HD zu bezahlen. Aber clevere Produzenten finden trotzdem Wege, auf HD drehen zu können, etwa über die Zweitverwertung der Produktionen.«

Insgesamt geht Rodde davon aus, dass die digitale Aufzeichnung den Film ersetzen wird: »Die Frage ist eigentlich nicht ob, sondern wann. Das kann noch lange dauern, vielleicht geht es aber auch deutlich schneller, als manch einer glaubt.« Zum Thema HDTV, also der Ausstrahlung von hoch auflösendem Fernsehen, hat Volker Rodde ebenfalls eine klare Sicht der Dinge: »Es gibt derzeit nur zwei Kontinente ohne nennenswerte HDTV-Aktivitäten: Afrika und Europa. Das kann nicht so bleiben.« Dabei setzt Rodde, wie viele andere in der Branche auch, auf die nächste Fußball-WM in Deutschland: »Das wird zumindest für die Produktion, vielleicht auch für die Ausstrahlung deutlichen Schub bringen. Ich glaube nicht, dass die ganze Branche zuschauen will, wie ausländische Firmen die WM in Deutschland in HD produzieren.«

Zur Ästhetik von HD, die derzeit meist im Vergleich und in der möglichst großen Ähnlichkeit zum Film betrachtet wird, vertritt Volker Rodde eine vielleicht Weg weisende Sicht: »Die Bilder der Varicam können dank Film-Gamma so aussehen wie Film. Es ist dann bei der Aufnahme praktisch alles an Detail, Kontrast und Grauabstufungen da, was auf Film auch vorhanden ist. Aber die eigentliche Stärke von HD liegt gar nicht in der Nachahmung von Film. HD wird, je weiter es sich verbreitet, auch eine eigene, neue Bildästhetik und auch andere Sehgewohnheiten nach sich ziehen. Die könnten auf lange Sicht vielleicht sogar die klassische Filmästhetik und den dominierenden »Filmlook« verdrängen.«

Die Varicam ist aus der Sicht von Volker Rodde optimal für die TV-Auswertung geeignet: »Ich sehe bei der Varicam ganz klar Produktionen für den Fernsehbereich im Vordergrund.« Aber auch im Kinobereich sieht Rodde den Wechsel ins digitale Zeitalter kommen: »Das D20-Projekt von Arri zielt doch ganz klar in diesen Bereich, auch die Viper von Thomson.« Der Speicherproblematik bei diesen Kameras, die momentan noch Probleme bereitet, kann Kameramann Rodde auch Positives abgewinnen und führt mit einem Augenzwinkern aus: »Mit der Viper kann man derzeit kabellos ungefähr vier Minuten drehen, dann ist der andockbare Speicher voll. Das entspricht ziemlich genau den Verhältnissen beim 35-mm-Film, wo man dann eben die Filmkassette wechseln muss. Vielleicht führt das wieder zu stärker filmischem Arbeiten: Jeder Kameramann sollte immer zuerst sein Gehirn und dann erst die Kamera einschalten. Lieber vorher überlegen, planen und proben, anstatt einfach drauf los zu drehen und dann in der Postproduktion Berge von Material sichten zu müssen.«

Die größten Vorteile von HD sieht der Praktiker Rodde in der vollen Bildkontrolle von der Aufnahme bis zur Postproduction. »Das ist für die Produktion, aber auch für die Kameraleute gut, denn man sieht gleich, was man hat. Es hilft doch auch mir als Kameramann, wenn ich gleich am Set auf einem großen Farbmonitor sehen kann, was ich auf dem Band oder auf der Disk habe, was da ist und was man in der Postproduktion dann auch eventuell noch verändern kann. Außerdem fallen die Unwägbarkeiten von Transport und Entwicklung im Kopierwerk weg.«

Die Materialkosten spielen bei HD im Vergleich zum Film eine absolut untergeordnete Rolle. »Das ist enorm wichtig: Die Filmkamera produziert bei jedem Einsatz enorm hohe Materialkosten, das ist bei der HD-Kamera nicht so. Dies spielt natürlich auch bei der Entwicklung der Produktionskosten eine große Rolle: Wenn sich die Kamera erst einmal amortisiert hat, also die Investitionskosten drin sind, wirkt sich das massiv auf die Produktionskosten aus, ganz anders als bei der Filmkamera, wo ja die Materialkosten weiterhin um ein Vielfaches höher bleiben.« Neben Vorteilen in der Postproduktion nennt Rodde auch noch den Umweltaspekt in Bezug auf die Kopierwerkchemie, aber auch, dass man beliebig viele Kopien in gleicher Qualität ziehen kann und die Möglichkeit hat, Daten zu übertragen, anstatt Filmrollen zu verschicken. Aber Rodde verschweigt auch nicht die Nachteile der HD-Technik: »Filmkameraleute müssen sich umgewöhnen: Der Schwarzweißsucher, das Body-Design, die schlechtere Ergonomie, das sind klare Nachteile, die aber aus meiner Sicht durch die Vorteile ausgeglichen werden und mit denen man sich auch arrangieren kann.« Die Varicam ist zudem, trotz ihrer vielen Möglichkeiten, aus der Sicht von Volker Rodde relativ simpel zu bedienen.

Wie schaut man bei Volker Rodde Film- und Videotechnik in die Zukunft? »Positiv. Der Markt zieht wieder deutlich spürbar an. Wir sind sicher noch nicht da, wo wir im Jahr 2000 mal waren, was das Produktionsvolumen und die Umsätze betrifft, aber es geht klar aufwärts. Bei uns ergänzen sich die neuen Räume, unsere topaktuelle Technik und die wieder besser werdenden Marktbedingungen zu einem recht positiven Bild.«

Downloads zum Artikel:

T_1103_Volker_Rodde_HD.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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