Broadcast, IP, Newsroom, Remote, Top-Story: 26.10.2021

WELT in Berlin

Die WeltN24 GmbH hat im Axel-Springer-Neubau zwei neue Studios errichtet. film-tv-video.de sprach mit WELT und dem technischen Projektpartner und Generalunternehmer Qvest über das ambitionierte Projekt.




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Ein zentrales Gestaltungselement im Studio 1 sind fahrbare LED-Wände im Hintergrund.
Zwei Studios für (fast) alles

Zwei neue Studios sind im Axel-Springer-Neubau eingebaut. Zum einen das Studio 1 oder auch Welt-Nachrichtenstudio, in dem werktäglich 14 Stunden live produziert wird. Und zum anderen das Studio 2, wo aktuell die Produktion von Nachrichten für ProSieben, Sat.1 und Kabel1 erfolgt und auch für Bild TV produziert wird.

Studio 1: real und flexibel mit LED und Cyclorama

Das 175 Quadratmeter große Studio 1 ist ein reales Studio – und schon deshalb eine Besonderheit, weil derzeit viele Studios eher mit virtueller Technik arbeiten.

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Blaues Wunder statt grüner Hölle: Das neue Studio ist real.

Ein großer Moderationstisch steht in der Mitte des Studios. Je nach Sendung lässt sich dieser Tisch auch in verschiedene Segmente aufteilen, was etwa für Gesprächsrunden sehr hilfreich ist.

Ein zentrales Gestaltungselement im Studio 1 sind fahrbare LED-Wände im Hintergrund, von denen es neun Segmente gibt. Diese Elemente des Herstellers Aoto lieferten die Event-Spezialisten von AVE und Lang AG. Die je 2 x 1,2 m großen LEDs lassen sich motorisiert bewegen und einzeln oder in beliebigen Kombinationen nutzen. Es ist sogar möglich, die neun Segmente nahtlos zu einer großen Fläche zusammenzufügen – was eine große technische Herausforderung war. Stage Kinetik entwickelte hierfür eine Schienenkonstruktion, die eine Fahrt fast vollständig um das Studio ermöglicht.

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Ein 30 m langes Cyclorama ist hinter den fahrbaren LED-Panels rund ums Studio installiert.

Ein 30 m langes Cyclorama ist hinter den fahrbaren LED-Panels rund ums Studio installiert. Es weist eine geringere Auflösung auf als die LED-Panels und ist mit Operafolie überzogen. Das Cyclorama von ETC-Europe lässt sich mit unterschiedlichsten Inhalten und Bildern atmosphärisch bespielen – beispielsweise mit einer Skyline, was so wirkt, als blicke man aus dem Studio auf die Dächer einer Stadt.

Studio 2: real und Greenscreen

Studio 2 ist als Hybridstudio ausgelegt, es besteht also aus einer Greenscreen-Hohlkehlenkonstruktion und einem Real-Set. Beides lässt sich gemeinsam nutzen, es ist aber auch möglich, die beiden Bereiche zu teilen und getrennt zu nutzen.

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Hier soll für »Bild« produziert werden.
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Studio 2 ist als Hybridstudio ausgelegt.
Kameratechnik und Robotic von Shotoku, MRMC und RTLeaders
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An der Decke ist ein Roboter von MRMC installiert.

Vier Grass-Valley-Kameras im Studio 1 bewegen sich mit Robotic von Shotoku schienenlos am Boden. Ein fünfter Remote-Kopf (ebenfalls Shotoku) wurde auf ein vorhandenes Stativ mit einer fernsteuerbaren Y-Achse montiert. An der Decke ist eine weitere Grass-Valley-Kamera mit einem Roboter von MRMC im Einsatz. Hierfür installierte MRMC eine spezielle Präzisionsschiene. Der Studiobot an der Decke ermöglicht viel Dynamik bei Kamerafahrten, eine schöne Totale von oben und Effektfahrten.

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MRMC installierte eine spezielle Präzisionsschiene.

RT Leaders steuert die eingebauten Kameraroboter, und auch die Steuerung der LED-Wand ist an diese Steuerung angebunden. »So gibt es ein gemeinsames System, das alle selbstfahrenden Elemente im Raum vereinigt. Damit können wir Sicherheit und Kollisionsschutz gewährleisten«, erklärt Thorsten Prohm.

Mixerless Workflow mit Vizrt

Welt produziert ohne einen klassischen Bildmischer. Das liest sich einfach, ist aber eine große Herausforderung, denn man muss von der Software her denken, um alle Produktionsaufgaben umsetzen zu können. Soll heißen, dass all die Arbeitsschritte, die normalerweise mit dem Bildmischer angestoßen werden, nun weitgehend automatisiert per Software umgesetzt und in Templates, also Vorlagen für die Sendung, abgebildet werden.

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Als übergeordnete Automation steuert Mosart auch die Roboter-Controller von RTLeaders, die wiederum die LED-Wände und Kameraroboter steuern.

Um diesen innovativen Ansatz überhaupt realisieren zu können, arbeiteten WELT und Systemintegrator Qvest eng mit dem Software-Hersteller Vizrt zusammen. Konkret sind bei Welt diverse Produkte von Vizrt im Einsatz: Viz Mosart für die Automatisierung, Viz One für die Asset-Verwaltung, Viz Pilot Edge für Journalisten-Workflows, Viz Multiplay für die Steuerung von Videowand-Inhalten und Viz Engine für die Processing-Power.

Gerhard Lang, CTO Vizrt.

Gerhard Lang, CTO bei Vizrt, urteilt: »Eine technische Herausforderung wie diese erfordert nicht nur das Funktionieren der Module, sondern auch eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Parteien.«

Diese Zusammenarbeit ist gelungen, das Team entwickelte hoch automatisierte Arbeitsabläufe, die man zuvor in dieser Form nicht für möglich gehalten hatte. Obwohl alle Sendungen einem bestimmten Verlauf folgen, lassen sich die einzelnen Bestandteile der Sendung variieren und aus unterschiedlichsten Templates zusammenstellen.

»Wir haben hier ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen unserem Redaktionssystem Octopus und der Vizrt Mosart Automation erreicht«, bilanziert Thorsten Prohm.

Eine weitere Besonderheit: Die zentral vernetzte IP-basierte Infrastruktur ermöglicht es, die Studios von den drei angegliederten Regien aus frei zuzuordnen und zu bedienen.

Zentrale Steueraufgaben übernehmen Videoipath von Nevion …
… und Lawo VSM.

Zentrale Steueraufgaben innerhalb dieser IP-Infrastruktur übernehmen der Nevion-Orchestrator VideoiPath und der Lawo Broadcast-Controller VSM. Das Pooling von Eingängen für den schnellen Zugriff und für die Zuweisung spielt eine wichtige Rolle, um das Setup schlank und wendig zu halten, und stellt sicher, dass für maximale Leistung jeweils nur die benötigte und keine fest definierte Bandbreite auf dem gesamten Weg durch die verbundene IP-Infrastruktur verwendet wird. NMOS ist in dieser ST2110 Umgebung eine wichtige Grundlage für die einfache Integration von Endgeräten.

Ein KVM-Router von Black Box ermöglicht einen direkten Zugriff auf die Bedienoberflächen der zugewiesenen Ressourcen.

Die in der Installation eingesetzten, vollständig SMPTE 2110-kompatiblen Viz Engines sorgen für die Wiedergabe der Clips und für sämtliche Grafikaufgaben, was eine perfekte Synchronisation garantiert, die Kosten auf ein Minimum reduziert.

Seite 1: Hintergründe und Planung
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Seite 4: Arri-Licht, Octopus-Redaktion und Resümee

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