Sonstiges, Test, Top-Story: 06.09.2011

Kranaufnahmen mit der DSLR: Test des Light-Jibs von ABC

Viele Hersteller haben Zubehör für DSLR-Filmer und deren besondere Bedürfnisse im Angebot: Kompakte Bauweise, geringes Gewicht und relativ niedriger Anschaffungspreis dieser Kameras sollen sich auch beim Zubehör widerspiegeln. ABC Products und Movietech bieten nun einen DSLR-Jib-Arm für einfache Hoch- und Parallelfahrten an, der im folgenden Kurztest vorgestellt wird.

Ziel beim Einsatz eines Jibs ist es, die jeweilige Filmproduktion mit zusätzlichen Perspektiven und Kamerabewegungen aufzuwerten und flexibel auf die jeweiligen Aufnahmebedingungen reagieren zu können. Der DSLR Light-Jib eignet sich für DSLRs, Systemkameras, aber auch für leichte Camcorder. Der Jib lässt sich auf jedem Stativ mit 75- oder 100-mm Halbschale montieren. Zerlegt passt er in einen mitgelieferten Tragesack, ohne Gegengewichte wiegt er nur rund 4 kg. Der Jib kann problemos von nur einer Person transportiert, aufgebaut und genutzt werden. Im Test wurde er mit einer Systemkamera des Typs GH-2 von Panasonic (Test) eingesetzt.

Kompakt, leicht, effektiv

Der schwarzen Tragesack, mit dem sich der zerlegte DSLR Light-Jib transportieran lässt, misst gerade mal 155 x 25 x 15 cm, das Gewicht liegt bei 3,9 kg. Damit lässt sich der Jib-Arm locker von nur einer Person transportieren. Auf dem Leichtkran können Kameras mit einem Eigengewicht von bis zu 4,5 kg montiert werden, es sollte sich also auch die relativ schwere Canon 5D mit Zubehör auf dem Jib-Arm verwenden lassen.

Die maximale Hubhöhe beträgt 2,35 m, der Aktionsradius des Auslegers liegt bei 1,55 m: Perspektivische Höhenwunder und schier endlos lange Parallelfahrten darf man also von diesem Leichtkran nicht unbedingt erwarten. Dennoch verleihen selbst die somit relativ beschränkten Möglichkeiten für Parallel- oder Hochfahrten, den Aufnahmen einen sichtbaren Mehrwert mit Perspektiv- und Bildwinkelwechsel: Man kann wertiger wirkende Aufnahmen erzielen, also einen höheren »Production Value«. Besonders in der Kombination mit der bei Large-Single-Sensor-Kameras möglichen, geringen Schärfentiefe lassen sich die Aufnahmen so aufpeppen und interessanter gestalten.

Aufbau und Betrieb

Ein nicht mitgeliefertes Stativ mit 75- oder 100-mm-Halbschale bildet die Basis des Jib-Arms. Natürlich sollte dieses Stativ nicht zu leicht sein, sowie verwindungssteif und stabil genug konstruiert, um den Arm, die Kamera und die Gegengewichte zu tragen: Schließlich darf das Stativ nicht wackeln und gar umkippen, wenn man den Jib-Arm nutzt.

Die Kamera — im Test eine Panasonic GH2 — wird mit einer 1/4- oder 3/8-Zoll-Schraube am vorderen Ende des Arms auf einer Schiene befestigt. Den vertikalen Blickwinkel der Kamera kann man hier einstellen und die Kamera so nach unten oder oben blicken lassen.

Im Kranmittelteil lässt sich die Parallelogrammstellung der Carbonrohre verändern. Je nach nach Einstellung der Rohre führt die Kamera während der vertikalen Bewegung des Arms eine positive oder negative Neigebewegung aus. Sind die Rohre parallel eingestellt, ändert sich die Neigung der Kamera während vertikaler Armbewegungen nicht, die Kamera bleibt dann in jeder Höhe gleich ausgerichtet. Je spitzer man aber den Winkel der beiden Carbonrohre zueinander einstellt, umso mehr Neigeeffekt der Kamera bei Vertikalschwenks wird man erzielen. Beim Hochschwenken des Arms erhält man dann eine gegenläufige Neigebewegung (Tilt-Effekt) des Krankopfes, die je nach abzubildendem Motiv interessante Bildwirkungen erbringt.

Die Mechanik des Drehgelenks ist so konzipiert, dass ein Nachwippen bei Schwenkstopps verhindert werden soll. Das ist konstruktionstechnisch gut umgesetzt und funktioniert sehr gut, im Test zeigte sich das als klarer Vorteil. Auch die eingebaute Wasserwaage für die Nivellierung und die horizonale und vertikale Bremse konnten überzeugen.

Der mitgelieferter Monitorhalter kann je nach Einsatzzweck wahlweise am Krankopf oder am hinteren Ende des Jib-Arms schnell und einfach eingehängt werden. Lästiges Schrauben ist hier nicht notwendig.

Wirklich schnell geht das Austarieren mit den Gegengewichten. Die werden zwar nicht mitgeliefert, aber es können Standard-Hantelscheiben verwendet werden. Einfach in der Anleitung nachlesen, welches Gegengewicht für die jeweilige Kamera notwendig ist, und dieses mit einer Klemme an der teleskopierbaren Gegengewichtsstange anbringen. Für die Feinjustierung kann man nun die Gegengewichtsstange noch ein- und ausfahren, bis kein eigenständiges Auf- oder Abwippen des DSLR Jib-Arms mehr erfolgt — fertig.

Nach kurzem Studium der sehr gut verständlichen Bedienungsanleitung schafft man den gesamten Aufbau innerhalb von etwa 10 Minuten.

Ein nicht zu unterschätzender Praxisvorteil ist das geringe Gewicht des Gesamt-Setups von Jibarm, Stativ und eingesetzter Kamera: Will man schnell mal einen Ortswechsel vornehmen, so kann auch eine einzelne Person relativ mühelos den kompletten Kran mit Kamera hochheben und zum nächsten Standort tragen.

Fazit

Insgesamt hinterlässt der DSLR Light-Jib einen sehr positiven Gesamteindruck. Das geringe Gewicht ist beim Transport und beim Handling ein großer Vorteil. Im kompakten Tragesack einfach mal einen kleinen Kamerakran im Auto zu haben, falls man ihn braucht — und ihn dann bei Bedarf rasch aufbauen zu können — das bringt Flexibilität und lässt den Jib-Arm als ideale Ergänzung für ambitionierte DSLR-Filmer erscheinen.

Auch wenn die erreichbaren Hoch- und Parallelfahrten wegen der vergleichsweise geringen Auslegerlänge manchen Kranprofi etwas enttäuschen mögen, kann man mit dem DSLR Light-Jib dennoch interessante neue Perspektiven bei seinen Aufnahmen erreichen.

Auch macht der Jibarm einen recht wertigen und durchdachten Eindruck. Mit einem Netto-Listenpreis von 1.190 Euro ist der DSLR Light-Jib zwar nicht gerade ein Mitnahmeartikel, aber die neuen Möglichkeiten der Bildgestaltung, die der Jib-Arm eröffnet, dürften etlichen anspruchsvolleren DSLR-Filmern diesen Preis wert sein.

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Autor
Robert Stöger
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