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5 gleich 1: Gut gemeint, nicht gut gemacht

Das kennen die meisten: Manchmal will jemand aus besten Intentionen heraus etwas Gutes tun, vermasselt es aber in der Art und Weise, wie er es tut.

Wenn etwa die Erbtante an Weihnachten die Familie um sich versammelt, Geschenke verteilt und einen der Anwesenden besonders üppig beschenken will, das aber mit so ungeschickten Formulierungen begleitet, dass sich der Beschenkte als bedürftiger Loser fühlt. Alle anderen sind dann vielleicht einerseits peinlich berührt, fühlen sich aber andererseits auch irgendwie ungerecht behandelt.

Oder wenn die Jury des Bayerischen Filmpreises ein Zeichen für die Gleichberechtigung setzen will. In der Umsetzung kam dabei heraus, dass der diesjährige Regiepreis an fünf Frauen verliehen wurde: an Maren Ade, Nicolette Krebitz, Maria Schrader, Marie Noëlle und Franziska Meletzky.

Allem Anschein nach haben es Frauen in verschiedenen Gewerken der Filmbranche schwerer als Männer — etwa auch als Regisseurinnen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ungefähr gleich viele Frauen wie Männer Regie studieren, aber später in der Praxis nur rund 15 % der Regiearbeiten von Frauen umgesetzt werden?

Eine gute Sache also, hier ein Zeichen zu setzen und die Arbeit von Regisseurinnen zu würdigen. Das tat der Bayerische Filmpreis und wollte es dabei offenbar ganz richtig machen, als die Jury gleich fünf Frauen mit einem Regiepreis auszeichnete.

Kann man das machen? Die Regisseurinnen zeigten sich erfreut, wenngleich Maria Schrader, eine der Preisträgerinnen, in ihrer Dankesrede anmerkte: »Niemand käme auf die Idee, einen Preis für die beste Regie an fünf Männer zu verteilen«.

Damit benennt sie den Kern der Sache, denn so kann man diese Entscheidung eben auch lesen: Es braucht fünf Frauen, um etwas vergleichbar Preiswürdiges zu schaffen, wie es ein einzelner Mann – ein echter Regietitan – bewerkstelligen kann: 5 gleich 1.

Kleine Randbemerkung noch zum Thema gleicher Lohn: Das Preisgeld wurde dabei keineswegs verfünffacht, stattdessen erhalten die fünf Regisseurinnen einfach weniger Preisgeld als die Sieger anderer Kategorien, nämlich 4.000 statt 10.000 Euro. Ja, insgesamt ist das Preisgeld somit doppelt so hoch, aber nicht für die einzelne Preisträgerin.

Nominiert für den Oscar: »Toni Erdmann«.

Ist das nicht allzu pingelig? Geht es nicht um die Geste an sich? Immerhin wurde das Thema damit mal aufs Tapet gebracht. Immerhin wird nun darüber diskutiert. Immerhin wurde die Arbeit von Regisseurinnen gewürdigt.

Immerhin. In diesem Wörtchen kristallisiert das Problem. Es klingt nach Trostpreis. Und so läuft die gut gemeinte Geste ins Leere, sie schafft nicht, was möglich gewesen wäre. Sie weist einmal mehr den zweiten Platz zu, wo ein erster drin und verdient gewesen wäre.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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