Interview, Top-Story: 27.02.2001

24P im gesamten Produktionszusammenhang beurteilen

Mit Gerhard Bergfried, dem Geschäftsführer von Studio Babelsberg, sprach Peter Dehn über 24P im allgemeinen und die 24P-Strategie der Babelsberger Studios im besonderen.

B_0201_BergfriedGerhard Bergfried, 54, ist Geschäftsführer bei Studio Babelsberg. Frühere Stationen seines beruflichen Werdegangs: BUFA, Geyer, Wagi Studio Berlin, Taunus-Film, Ifage/ABC, Arri Contrast. Bergfried ist zudem Vorstandsmitglied der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft.

Gerhard Bergfried, CEO von Studio Babelsberg, sieht sich nicht unter dem Zwang, mit 24P/1080 als erster am Markt sein zu müssen: »Vielmehr kommt es beim Einsatz von 24P in der heutigen Einführungsphase vor allem darauf an, den Kameraleuten die Beratung und das Knowhow zu den vielfältigen Möglichkeiten der Kamera an die Hand zu geben, damit sie den gewünschten Look erreichen. Das Knowhow und die damit verbundene Philosophie müssen wir aber erst entwickeln.« Bei den bislang realisierten Werbeprojekten ist laut Bergfried deutlich geworden: »Wir brauchen ein System, das die digitalen Aufnahmen in die Struktur der Postproduktion integriert.«

So zählt für Bergfried nicht nur der Einsatz von 24P am Set, sondern der gesamte Herstellungsprozess vom Dreh bis zum Abspiel. »Mit 24P drehen, heißt drehen wie mit Umkehrfilm – am Set werden wegen der gegenüber Negativfilm steileren Gradation die Grundlagen für die Bildgestaltung gelegt. Die eigentliche Gestaltung entsteht in der Postproduktion. Das beinhaltet nicht nur künstlerische und technische Aspekte und Probleme, sondern auch wirtschaftliche Gesichtspunkte. Denn die Technik darf nicht soweit nach vorne kommen, dass sich die Dreharbeit verlängert. Das wäre ökonomischer Wahnsinn.«

Letztlich fehle es, so Bergfried, in allen Phasen der Produktion an Erfahrungen mit der Technik, was sich wiederum auch auf die Kalkulation eines Projektes auswirkt. Ein 24P-tauglicher Klasse-1-Monitor kostet laut Bergfried heute etwa 60.000 Mark, ein konventioneller nur 15.000 Mark. Schon die Gerätekosten setzen also dem zeitaufwendigen Experimentieren am Set mit den umfangreichen Möglichkeiten der Kamera Grenzen. Dennoch muss das Ergebnis so sein, dass auch die Postproduktion im Rahmen vertretbarer und vergleichbarer Kosten bleibt, obwohl die Digitaltechnik Farbkorrektur und Farbgestaltung und die Integration von Spezialeffekten erleichtern kann.

Nicht vergessen darf man, so Gerhard Bergfried, die Kosten einer guten Ausbelichtung auf 35-mm-Film. 100.000 Mark für 90 Minuten sind da einzuplanen und auch dieser Posten darf bei der Entscheidung über das Drehformat nicht außer acht gelassen werden. »Wir brauchen also nicht nur mehr praktische Erfahrungen mit dem gesamten System, sondern auch ein wirtschaftlich vertretbares und umfangreiches Angebot an Geräten. Erst dann können wir vernünftig kalkulieren.«

Wird Studio Babelsberg in 24P investieren? »Es hat keinen Sinn für uns, alles selbst machen zu wollen. Dafür muss man viel zu viel Geld anfassen«, kommentiert Gerhard Bergfried. Er setzt auf die Babelsberger Synergien und peilt eine Kooperation mit der Media! AG (Aufnahmetechnik) und der VCC Perfect Pictures AG (Postproduktion) an. »In diese Kooperation bringen wir uns als Partner vor Ort mit unseren Studios, der Tonbearbeitung, unserem Filmkopierwerk ein.«

Solche Kooperationsprojekte sollen den gesamten Produktionsablauf integrieren. Studio Babelsberg will folgerichtig vorhandene Kapazitäten ausweiten: Im Juni soll nach einem Investment von rund 3 Millionen Mark eine zweite digitale Tonmischung im Studiokino in Betrieb gehen, die für die Bearbeitung aller aktueller Kino-Tonformate ausgelegt ist und die Anforderungen der 24P-Technik berücksichtigt.

»Die digitale Bildakquisition wird den Markt erobern. Sie ist ein Tool, mit dem man sehr gut arbeiten kann,« resümiert Bergfried. Geringe Tiefenschärfe und Farbtiefe und die wegen der 2/3-Zoll-Chips auf 2K begrenzte Auflösung benennt der Studiochef als Schwächen des Systems. »Diese kleinen Chips bringen für das Fernsehen eine Verbesserung der Qualität und 24P lässt sich in die vorhandenen Studiostrukturen integrieren. 24P wird in Deutschland also zunächst das Fernsehen erobern. Die Qualität einer 35-mm-Produktion für die Kinoleinwand wird gegenwärtig nicht erreicht. 35 mm wird noch mindestens 10 Jahre leben.«

Wenn Sie weitere Informationen zu diesem Thema lesen wollen, steht für Sie innerhalb von www.film-tv-video.de ein Report zu 24P zum Download als PDF-Datei bereit.

Autor
Peter Dehn
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