Branche: 13.09.2003

IBC2003: Sony stellt Optical-Disc-Strategie ins Zentrum

Natürlich spielt bei Sony die Professional Optical Disc auf der Produktseite die größte Rolle während der IBC2003. Aber der Hersteller betonte in seiner Pressekonferenz auch andere, weniger produktzentrische Fragen.

Auf der Produktseite stehen bei Sony die erstmals offiziell in Europa vorgestellten Disc-Camcorder und -Recorder im Zentrum. Für das Medium und die Produktlinie präsentierte das Unternehmen nun neue Namen: Sony redet von der »Professional Disc« und den Geräten der XDCAM-Familie. Auch die Produkte tragen nun der Sony-Terminologie entsprechende Bezeichnungen, wobei alle XDCAM-Produkte mit den Buchstaben »PDW« beginnen.

Wichtiger noch als die Produkte selbst, die dann im Rahmen der Ausstellung eher im Vordergrund stehen, war es den verschiedenen Rednern bei der Sony-Pressekonferenz aber, auf größere Zusammenhänge hin zu weisen. So betonte Media Business Director David Bush, dass es Sony generell um Workflow-Innovationen gehe und dass Technologie nie zum Selbstzweck werden dürfe. »Die AV/IT-Produktion erfordert offene Standards«, fasst Bush weiter zusammen und nannte Zeit- und Kosteneinsparungen als höchste Prioritäten der Anwender, denen Sony in verschiedenen Bereichen Rechnung trage. Nur in enger Zusammenarbeit mit den Kunden, aber auch mit anderen Herstellern und Dienstleistern könnten diese Anforderungen gemeistert werden. Bush nannte in diesem Zusammenhang unter anderem Blue Order, Oracle und Cisco als Partner.

Beim Thema HD wagte Bush sich vor und äußerte im Gegensatz zum weit verbreiteten Schweigen unter Sonys Broadcast-Kunden eine klare Ansage: »Die HD-Übertragung kann auch in Europa nicht weiter ingnoriert werden.« Während die HD-Produktion sich mittlerweile auch in Europa recht weit verbreitet habe, liege das Feld HDTV brach. »Sony will gemeinsam mit seinen Kunden den Übergang von SD zu HD gestalten«, ergänzte Bush und sprach damit indirekt das Thema Investitionssicherheit an, das besonders die Broadcaster in Europa bewegt.

Als President Sony Business Europe konstatierte Miles Flint, dass die Nachwirkungen der Ereignisse, die sich am 11. September 2001, also exakt zwei Jahre vor der IBC2003-Pressekonferenz zugetragen haben, nun in der Wirtschaft langsam überwunden seien. Jetzt seien die meisten Unternehmen wieder bereit, durch zu starten. Wie David Bush sieht auch Flint im Thema Workflow, also in der Innovation bei den Arbeitsabläufen in der Medienproduktion, die größten Chancen. Das, was Sony als »Anycast«-Szenario schon vor Jahren prognostiziert hat, sieht Flint nun als weitgehend Realität geworden und rasch weiter voranschreitend an: Die Produktion von Content für unterschiedlichste Plattformen und dessen optimierte Mehrfachverwertung. Trotz aller in die Zukunft gerichteten Ausblicke erinnerte Miles Flint nebenbei auch daran, dass Sony Broadcast Europe in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen feiert.

Schließlich präsentierte Sony noch drei Kunden in einer Kombination aus Zuspielung und Live-Redebeiträgen. Aus deutscher Sicht am interessantesten: die Aussagen von Reinhard Bialke und Heinz-Joachim Weber vom WDR. Ersterer wirkt dort als Leiter der Hauptabteilung Produktion Köln, zweiterer als Produktionsdirektor. Thema der WDR-Ausführungen war die Investition des in Köln beheimateten ARD-Senders in XDCAM-Equipment.

Der WDR nutzt derzeit immer noch rund 100 Betacam-SP- und 10 Digital-Betacam-Camcorder. Die meisten dieser Geräte wurden in den Jahren 1989 und 1990 angeschafft, es besteht also beim WDR dringender Bedarf, diese Geräte zu ersetzen, weshalb man schon zur NAB2003 100 Camcorder bei Sony orderte (siehe auch frühere Meldung hierzu). Reinhard Bialke führte in einem aufgezeichneten Interview aus, dass man nun beim WDR beginnen werde, auf Professsional Disc zu migrieren und das Ziel eine komplett bandlose Produktion sei. Dabei führte Bialke auch aus, dass dies positive Auswirkungen für die redaktionelle Arbeit bringen werde. An den Workflows muss allerdings aus Bialkes Sicht noch intensiv gearbeitet und optimiert werden, bevor es so weit ist. Der WDR hat sich schon 1999 für IMX entschieden und darauf gesetzt, dabei auch gleich auf eine Disk-Technologie umsteigen zu können (siehe auch früherer Artikel hierzu). Diese Rechnung scheint nun auf zu gehen.

Heinz-Joachim Weber erläuterte dann in seinem Redebeitrag, dass der WDR hohe Erwartungen an offene Standards für den File-Austausch auf MXF-Basis hege. Gleichzeitig machte Weber aber klar, dass man beim WDR hier noch etlichen Entwicklungs- und Optimierungsbedarf sieht und dass das Investment in XDCAM davon erst einmal abgekoppelt gesehen werden müsse. Doch die Investition in Optical Disc halte alle Optionen und Möglichkeiten offen und ermögliche zudem viele neue Workflow-Modelle. Der WDR hat laut Produktionsdirektor den ersten XDCAM-Camcorder in der ersten Serienversion vor rund zwei Wochen erhalten und schon intensiv messtechnisch und im Labor unter die Lupe genommen. Dabei wurde das Gerät unter anderem in einer Klimakammer auf -30 Grad Celsius abgekühlt und auf +50 Grad aufgeheizt, ohne dass es Probleme mit der Aufzeichnung gegeben hätte.

Weitere Informationen zur WDR-Strategie in Bezug auf XDCAM finden Sie in der separaten Zusammenfassung eines Gesprächs, das Produktionsdirektor Weber in Amsterdam mit film-tv-video.de führte.

Weitere Kunden, die Sony präsentierte, waren Edwin van Huis, der Generaldirektor des staatlichen niederländischen Unternehmens Beeld en Geluid (des früheren NAA, eines nationalen niederländischen Archivs für Bild und Tondokumente). Beeld und Geluid war mit Sony überein gekommen, das geplante Archiv gemeinsam zu realisieren (siehe auch frühere Meldung hierzu). Ziel war es, ein »kreatives Archiv« zu schaffen, wie van Huis es nannte. Es gehe darum, die »zweite digitale Revolution« um zu setzen, die das Archiv für viel mehr Nutzer und bei Beeld en Geluid letztlich für die allgemeine Öffentlichkeit öffnen. Zwar gibt es aus Sicht von Edwin van Huis immer noch eine klare Lücke zwischen Broadcast und IT, in der sowohl sein Unternehmen, wie auch Sony steckten, auch habe Sony den Zeitplan nicht einhalten können, aber mit dem erreichten sei man sehr zufrieden.

Als weiterer Sony-Kunde trat Dan Tschernia von TV2/Lorry auf. Sein Unternehmen ist eine von acht regionalen dänischen TV-Stationen und sendet im Gebiet von Kopenhagen. Tschernias Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter seiner Station innerhalb eines gemeinsamen Workflows arbeiten und nicht mehr mit getrennten Systemen operieren. Um das letztlich zu realsieren besuchten Mitarbeiter von TV2/Lorry etliche andere Sender, die mit digitalen Sendeabläufen und -systemen arbeiten. Bei allen stieß man aus Sicht von Tschernia aber auf technische Probleme, die sich auch auf die reaktionelle Arbeit auswirkten. In der Zusammenarbeit mit Sony konnten nach Angaben von Tschernia dagegen einfachere und kreativere Workflows erarbeitet werden.

Autor
red
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