Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Andreas Adler: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Andreas Adler. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

B_0105_Fujinon_AdlerAndreas Adler ist General Manager der Optical Division von Fujinon in Deutschland. Fujinon gehört im Broadcast-Bereich zu den führenden Objektiv-Anbietern.

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer Sicht ändern?

Mit mehr als dreißig Jahren Erfahrung in der Entwicklung von Optiken und optischen Systemen für Fernsehen, Foto, Satelliten- Technik sowie weitere Hochtechnologie-Bereiche hat sich Fujinon als führender Anbieter optischer Technologien entwickelt.
Mit der Einführung von HD-Kameras für Film-, Fernseh- und Werbeproduktionen wurde der Bedarf nach Objektiven mit höchster optischer Qualität geweckt. Fujinon hat seit Jahren wesentlich an der Entwicklung dieses sich ständig entwickelnden Marktes beigetragen. Das erste Fujinon HD-Objektiv R14x12.5 wurde schon 1979 auf Anfrage von NHK entwickelt.
Wie wir alle wissen, wird in Japan schon seit Jahren in HD ausgestrahlt. Die USA haben in den vergangenen Jahren teilweise nachgezogen. In Europa jedoch steckt HDTV noch in den Kinderschuhen.
Die Keimzellen für das hochauflösende Fernsehen existieren schon und werden sich in den nächsten zwei Jahren schnell entwickeln. Wie schon in Japan und den USA geht die Signalwirkung auch in Europa von Kinoproduktionen, Dokumentationen und Sportübertragungen aus.
Die zunehmende Verwendung digitaler Kameras für Kinofilme hat ihre Ursachen in der kostengünstigen Produktion von Spezialeffekten und in Vorteilen bei der späteren Verwendung des Materials für DVD-Herstellung und Fernsehübertragung.
Waren hier zunächst große Vorbehalte zu spüren, so wurden diese durch zahlreiche, qualitativ hochwertige, erfolgreiche und bekannte Kinofilme beseitigt. In Filmen wie »Star Wars Episode II und III«, »Sin City«, »Once Upon a Time in Mexico«, »Ghosts of the Abyss«, »Sky Captain and the World of Tomorrow«, »Spy Kids 3D« und anderen kamen Fujinon-Objektive zum Einsatz. Diese Produktionen haben bewiesen, dass digitale HD-Qualität für Kinoproduktionen Verwendung finden kann. Fujinon ist der einzige Hersteller, der die komplette Produktpalette, von kompakten Zoom-Objektiven, über festbrennweitigen »Primes«, bis hin zu großen Zoom-Objektiven anbieten kann.
Alle Produzenten von Dokumentationen, seien es Tier-, Naturaufnahmen oder historisch oder kulturell wertvolle Dokumente, stellen sich heute die berechtigte Frage, ob das Material auch in Zukunft noch für wiederholte Fernsehausstrahlungen geeignet ist. Wenn solche Aufnahmen in HD-Qualität vorliegen, können sie mit Sicherheit auch in kommenden Jahren noch wiederholt vermarktet werden. Das ist der Grund, aus dem schon heute die meisten Tierfilmer und Dokumentaristen HD-Kameras verwenden, oder sich eine HD-Ausrüstung zulegen wollen.
Das Gleiche gilt für TV-Serien. Eine wiederholte Ausstrahlung wird nicht in Frage gestellt sein, wenn in HD produziert wurde– vorausgesetzt der Inhalt ist entsprechend gut. Sollte die Serie jedoch nur in SD vorliegen, könnte es in Zukunft durchaus Bedenken geben, ob eine solche, dann »minderwertige« Auflösung dem Zuschauer zuzumuten ist.
Große Sportübertragungen werden in Kürze nur noch in HD produziert werden. Amerikanische und japanische Fernsehanstalten wollen Sportübertragungen in SD nicht mehr akzeptieren. Die bekanntesten Produzenten, die Übertragungswagen im Fuhrpark haben, stellen diese folgerichtig auf HD um oder geben HD-Ü-Wagen in Auftrag, um auf diesem Gebiet wettbewerbsfähig zu bleiben. Nur so kann das Material weltweit angeboten werden. Fujinon hat die entsprechenden Schlußfolgerungen gezogen. Es gibt praktisch kaum noch große SD-Objektive in der Produktlinie. Alle neuen Box-Objektive werden schon seit Jahren nur noch in HD-Qualität entwickelt.
Wenn Sie sich den Fujinon Katalog anschauen, werden Sie feststellen, dass die Palette an HD-Objektiven schon heute wesentlich größer ist, als das Angebot an SD-Objektiven. Das gilt für ENG– wie für Box-Objektive. Die Entwicklung neuer Objektive geht bei Fujinon jetzt immer vom HD-Standard aus. Erst danach wird daraus sozusagendas SD-Objektiv abgeleitet.
Mein Tätigkeitsbereich hat sich also schon geändert. Mehr und mehr HD-Objektive werden angefragt und von Fujinon verkauft. Der Markt ändert sich merklich in Richtung HD. Das gilt natürlich nicht für alle Länder in gleichem Maße, aber es ist unaufhaltsam.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen werde. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Wir haben ein Datum und eine Veranstaltung: Fußball-WM 2006 in Deutschland. Sport war schon immer ein wichtiger, treibender Moment für HD und Fußball ist sehr populär auf der ganzen Welt.
Die Fußball-WM muss in HD aufgezeichnet werden, da sonst die weltweite Übertragung nicht möglich wäre. 2006 werden auch in Europa verschiedene Pay-TV- und Kabelanbieter die WM in HD ausstrahlen wollen. Ich denke schon, dass der Beschluss, die Fußball- WM in HD aufzuzeichnen, eine große Signalwirkung hatte.
Europas Fernsehanstalten planen HD oder ziehen es ernsthaft in Erwägung. Es entbrennt zur Zeit regelrecht ein Wettbewerb, wer den nächsten HD-Ü-Wagen baut. Schlagartig ist der Bedarf an HD-Objektiven für Übertragungswagen gestiegen.
Leider wird wohl die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die WM in SD sehen, da Standard Definition dann in Deutschland noch der Normalfall sein wird.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD im Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

Das ist ein bisschen wie die Frage nach dem Kücken und dem Ei. Erst der Fernseher oder erst das Programm?
Der Verbraucher wird erst dann ein HD-Gerät erwerben, wenn er HD-Sendungen empfangen kann, HD erlebt hat, begeistert ist und auch das nötige Geld ausgeben will.
Europa hat schon einen HD-Kanal, Euro 1080, jetzt umbenannt in HD1. Er bietet Dokumentarfilme, Drama, Sport- und Konzertübertragungen. Die Zuschauer benötigen passende Empfänger, aber das Signal steht zur Verfügung.
Nur 4.000 bis 5.000 Europäer haben sich bislang den notwendigen, HD-kompatiblen Satelliten-Empfänger für HD1 gekauft – eine vergleichsweise kleine Zahl. Darunter sind kleine Kinos, Bars und Veranstaltungsorte, in denen große Bildschirme und Projektoren Publikum anlocken. HD1 erwartet im Jahre 2006 schon 400.000 bis 500.000 Zuschauer.
BSkyB gab im Juni 2004 bekannt, dass man mit der Übertragung der ersten Gruppe von HD-Kanälen im Jahre 2006 starten werde. Aber Sky war nicht der erste Sender, der einen derartigen Plan verkündete.
Das französische Netzwerk TF1/TPS versprach einen solchen Service schon für 2005. Man darf nicht vergessen, dass TF1 immerhin den Kanal Eurosport kontrolliert. Die französische Pay-TV-Plattform TPS will HD-Versionen des Sport- und des Film-Kanals in 2005 ausstrahlen.
Helsinki Televisin Oy (HTV) ist der größte finnische Kabelanbieter und macht zur Zeit erste Probesendungen in HD.
Am 1. November 2005 will Premiere mit der Ausstrahlung von drei spezialisierten HD-Kanälen via Astra beginnen. Als Inhalt werden Sport, Dokumentationen und Film angegeben. Die Einführung von HDTV bei Premiere wird – ganz sicher nicht nur aus meiner Sicht – einen spürbaren Impuls auf den digitalen Fernsehmarkt in Deutschland ausüben. Premiere möchte gerne die Fußball-WM in HDTV senden, machte aber auch klar, dass man das nur tun würde, wenn man die Genehmigung erhalten würde, die gesamte WM live zu übertragen.
Die BBC hat verkündet, dass sie schon im Jahre 2010 ihr gesamtes Produktionsvolumen in HD fahren will. Jedoch hat sie noch keine genauen Pläne bekanntgegeben, wann die HD-Übertragung starten soll.
Nicht zuletzt haben SES Astra und ihre Partner die technischen Spezifikationen für die HD-
Übertragung vereinbart.
Es gibt in Europa schon jetzt und in Zukunft rasch wachsend Möglichkeiten, HD zu empfangen. Das Angebot geht meist von Pay-TV und Kabelsendern aus.
Das HD-Bild sieht bekannterweise sehr viel brillanter und besser aus als das »alte« PAL-Bild. Über dieses Erlebnis wird das Interesse geweckt und dann hängt es davon ab, ob das benötigte Empfangsgerät erschwinglich ist. Wide-Screen-Bildschirme sind schon Realität, jedoch eignen sich nicht alle 16:9-Wiedergabegeräte für HD. Es sind aber schon High-End-Produkte im Handel, die HD wiedergeben können, zudem fallen Plasma- und LCD-Bildschirme im Preis.
Spätestens wenn die öffentlich-rechtlichen Anbieter HDTV ausstrahlen, ist HD in Deutschland Realität.

**Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können? Spielt das für Ihren Tätigkeitsbereich eine Rolle? Was erwarten Sie beim Thema HDTV von den öffentlich-rechtlichen Anbietern, was von den privaten?

Die ersten Übertragungen in deutscher Sprache werden wohl von HD1 und Premiere kommen – bei langsam wachsenden Zuschauerzahlen. Ab wann andere Sender zu HD übergehen, kann ich nicht sagen. Auf alle Fälle wird der Erwartungsdruck auf die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender steigen.
Diese beobachten sehr genau die Entwicklung, halten sich aber noch recht bedeckt. Offiziell will man abwarten, bis eine genügend große Zahl von Haushalten mit High-End-Empfängern ausgestattet ist. Außerdem ist die Gebührenerhöhung nicht wie gewünscht vor sich gegangen.
Analytiker habe vorausgesagt, dass 2008 in Europa in mehr als 17 Millionen Haushalten HD-Empfänger zur Verfügung stehen werden. Andere sagen, dass es 2010 schon 48 Millionen sein werden. Für Deutschland kenne ich keine Prognosen.
Wie dem auch sei, je mehr HD gesendet wird, desto mehr muss in HD produziert werden. Folgerichtig werden dann mehr HD-Ausrüstungen und entsprechende Objektive benötigt. Der Umsatz mit HD-Objektiven wächst schon jetzt an und ich erwarte weitere Steigerungen in den nächsten Jahren.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plasma- und LC-Displays?

Die DVD hat schnell VHS und andere Systeme verdrängt. Dafür gab es drei Gründe: DVDs haben eine höhere Bildqualität, waren im Handel erhältlich und der Preis für DVD-Abspielgeräte wurde erschwinglich. Mit ähnlichen Mechanismen wird die Einführung von HDTV vor sich gehen.
Wide-Screen-Bildschirme sind schon Realität und DVDs setzen den Standard für digitale Qualität. Das Interesse bei den Fersehzuschauern, Heimkino zu erleben, ist geweckt. Plasma- und LCD-Bildschirme fallen im Preis. Die Unterschiede in der Qualität von SD und HD sind auf großen Plasma- und LCD Bildschirmen besser sichtbar. Die Sehgewohnheiten der Zuschauer erhöhen die Erwartungen an das Fernsehbild.
HDTV wird eingeführt. Wie schnell das vor sich geht, hängt am Ende von der Verfügbarkeit von HD-Sendungen und dem Preis für die Consumer-Produkte ab.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen? Nennen Sie uns bitte die Eckwerte und ergänzen Sie diese mit einer kurzen Begründung.

Wie Sie wissen, komme ich aus der Optik. Fujinon-Objektive stehen am Anfang der Signalkette und garantieren, dass das Bild in bester Qualität auf den Sensor der Kamera projiziert wird. Ich bin nicht der Fachmann, der zum HD-Standard Auskunft geben sollte.

**Was wollen Sie uns noch zum Thema HD mitteilen?

HDTV ist der natürliche, nächste Schritt in der audio-visuellen Unterhaltung. Die kürzliche Einführung des Präzisions-Fokus-Systems von Fujinon zeigte wieder einmal, wie intensiv wir an der Entwicklung neuester Technologien für HDTV arbeiten. Das hochauflösende Fernsehen entwickelt sich rasant und Fujinon wird basierend auf seiner jahrzehntelangen Erfahrung die dazu nötigen Optiken liefern.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_Fujinon_Adler.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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