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IBC2005: SD ist tot, es lebe Multiformat!

Wenn man früher einen Camcorder erwarb, dann legte man sich damit auch gleichzeitig auf ein bestimmtes Format fest - was Vor- und Nachteile hatte.

Mit dem Aufkommen der digitalen Videoformate veränderte sich das zunehmend – plötzlich konnte man am gleichen Camcorder zwischen verschiedenen Formate auswählen: DV oder DVCAM, DVCPRO oder DVCPRO50. Aber damit nicht genug: Heute gibt es Camcorder, bei denen man zwischen Voll- und Halbbildbetrieb umschalten, zwischen mehreren Datenraten und Kodierverfahren wählen und diverse Bildraten einstellen kann. Zusätzlich zur eigentlichen Aufnahme können auch noch Low-Res-Varianten (Proxies) erzeugt und auf einem von mehreren Speichermedien, die zur Auswahl stehen, abgelegt werden.

Das darf man ganz zweifellos zumindest als etwas unübersichtlich bezeichnen und in den meisten Anwendungsfällen ist es schlichtweg technischer Overkill. Letztlich vollzieht sich hier aber lediglich eine Entwicklung, die in anderen Bereichen schon erfolgreich vorexerziert wurde: Niemand benötigt alle Funktionen, die eine Text-Software wie »Word« bietet. Wer intensiv mit dem Programm arbeitet, nutzt vielleicht 30 % der Funktionalität. Aber weil es eben jeweils andere Funktionen sind, die der Einzelne benötigt und anwendet, würde garantiert irgendeine Nutzergruppe aufschreien, wenn die Software abgestrippt würde. Also bleibt alles drin und es wird immer noch mehr draufgepackt, die Software wird immer weiter aufgebläht.

Insofern ist die Verschmelzung von Broadcast und IT schon weiter gediehen, als man beim ersten Blick glauben würde.

Die traurige Nachricht ist: Es gibt keinen Weg zurück. Der Wunsch nach der »BNC-Buchse des IT-Zeitalters« wird unerfüllt bleiben. Manch einer hatte hierbei auf MXF gehofft, ein Dateiformat, das sicher einen Fortschritt darstellt, aber eben doch kein Allheilmittel ist. Also muss man sich arrangieren, den Markt beobachten und hoffen, dass man nicht aufs falsche Pferd setzt. Diese Gefahr bestand aber immer und vielleicht zeigt sich das Positive der Multiformat-Entwicklung in diesem Aspekt: Wenn ein Gerät viele Formate unterstützt, wachsen die Chancen, dass auch eins dabei ist, das man tatsächlich eine Weile nutzen kann, das sich vielleicht sogar längerfristig bewährt und sich etablieren kann.

Sie werden sehen.

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Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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