Editorial, Kommentar, Top-Story: 03.04.2007

Lauter Hits

In zwei Wochen wird die NAB2007 schon in vollem Gang sein, und wenn es nach den Vorankündigungen des Veranstalters und der Marketingexperten auf der Ausstellerseite geht, dann jagt zu diesem Zeitpunkt bereits ein Höhepunkt den anderen: Die Besucher werden während dieser größten Broadcast-Messe der Welt aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, die gesamte Branche wird völlig neu erfunden, es wird technische Revolutionen und Sensationen in reicher Zahl geben.

Kurz: Es herrscht dann ganz normaler Messebetrieb und im Grunde genommen ist alles so wie immer. Keine Sorge: Auch die NAB2007 wird ganz sicher nicht langweiliger als andere Messen, denn in Las Vegas versuchen die Hersteller immer, »Big News« zu verkünden, um im PR-Wahnsinn dieser Messe nicht völlig unter zu gehen. Und es deuten sich tatsächlich schon zahlreiche interessante, berichtenswerte Neuheiten an. Aber die Übertreibungen im Vorfeld und während der Messe sind eben immer die gleichen.

Das grelle Werbegeschrei hat es jedoch in vielen Bereichen schon längst in den normalen Sprach- und Verhaltenskodex geschafft. So wird es zunehmend als unzureichend empfunden, wenn man nicht permanent mit Superlativen um sich wirft. Positive Eindrücke sollen bitteschön direkt in Hymnen, Lobpreisungen und Jubel-Arien münden. Werden im Radio neue Musikstücke gespielt, dann werden diese automatisch als »neueste Hits« angekündigt, obwohl sie den Status eines Hits im Wortsinn ja erst noch erreichen müssen. »Hit« ist hier zum Synonym für »Musikstück«, »Lied« oder »Song« mutiert. Um diese neue Form des Hits von einem echten Hit zu unterscheiden, wird letzterer automatisch zum Riesen- oder Megahit.

Freuen Sie sich also auf die Megahits von morgen, die während der NAB2007 präsentiert werden, während die leichte konjunkturelle Besserung in Deutschland schon zum neuen Wirtschaftswunder hochgeschrieben wird. Die Zukunft sieht mal wieder absolut glänzend aus.

Es sei denn, Sie geraten in den Strudel der negativen Superlative: Dann werden Sie nämlich im Zuge der Klimakatastrophe ruckzuck von Monsterstürmen überrollt, falls Sie die unmittelbar bevorstehende, verheerendste Pandemie aller Zeiten überleben. Sollten Sie all das überstehen, bleiben noch der demografische Super-Gau oder mindestens die Armutsfalle Alter und der Pflegenotstand.

Aber bleiben Sie stark: Zumindest in puncto NAB2007 wird Ihnen film-tv-video.de beistehen.

Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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