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Das gallische Dorf

Über etliche Jahre wurde die Entwicklung bei digitalen Fotoapparaten mehr oder weniger auf eine einzige Frage reduziert: Wie viele Megapixel? Je mehr, desto besser — so wurde es den Endkunden eingehämmert und es hat erstaunlich lang funktioniert. Mit plakativen, simplen Kriterien erleichtert man eben Kaufentscheidungen.

Erst im Lauf der Zeit rückten dann auch wieder andere Faktoren stärker in den Fokus der Kunden und schließlich ging es — neben dem Preis — doch wieder stärker um das Gesamtpaket aus Qualität und Funktionalität, das die Kamera bieten kann. Vielleicht auch deshalb, weil mittlerweile Smartphones zum »heißen Scheiß« geworden waren, der unter anderem auch den Fotobereich beeinflusst.

Die zunehmende »Consumerisation« von Wirtschaft und Industrie führt unter anderem dazu, dass man seit einiger Zeit auch im professionellen Umfeld zunehmend ähnliche Entwicklungen beobachten kann. Die Verkürzung von komplexen Zusammenhängen auf wenige Schlagworte wird dadurch zusätzlich befeuert, dass sich in vielen Bereichen der Gesellschaft die Taktzahl erhöht hat — oder das zumindest so empfunden wird. Hektik und Zeitdruck lassen — tatsächlich oder gefühlt — in vielen Fällen keine Zeit mehr, genauer hinzuschauen und intensiver nachzufragen. Unter diesem Aspekt sollte und muss man vielleicht auch die K-Frage unserer Branche betrachten.

Als Red Digital Cinema bei der Epic von 8K- und noch höheren Auflösungen sprach, rieben sich viele noch verwundert die Augen, doch zwischenzeitlich ist die K-Diskussion in vollem Gang. Hersteller wie Sony (8K), Canon, Panasonic und JVC (4K) und etliche andere sind schon längst auf den Zug aufgesprungen, und auch TV-Sender wie Sky stürzen sich auf neue Technologien wie Ultra HD. Der Hintergrund ist klar: Hersteller wie TV-Sender müssen und wollen sich vom Durchschnitt abheben und Zukunft verkaufen.

Mit der Realität habe das wenig zu tun, reklamiert angesichts dieser Entwicklung etwa der Kamerahersteller Arri und wiederholt immer wieder, dass Bildqualität nicht nur eine Frage der Auflösung sei, sondern auch und vor allem der Kombination aus Dynamikumfang, Auflösung, Kontrast- und Farbwiedergabe sowie noch etlicher anderer Faktoren. Lauter berechtigte, fundierte Einwände. Aber fallen sie auf fruchtbaren Boden? Erreicht man den Endkunden noch mit dieser Form der »Market Education«?

»Meine Meinung steht fest. Versuchen Sie nicht, mich mit Fakten zu verwirren.« Das scheint eben auch immer öfter ein gültiges Motto zu sein. Mal ehrlich und ganz unabhängig von der Frage, ob man die 4K-Entwicklung für sinnvoll hält oder nicht: Ließe sich der aktuelle Trend hin zu 4K überhaupt noch aufhalten, wenn man das denn wollte? Oder hat der Zug längst schon so viel Fahrt aufgenommen, dass er ohnehin nicht mehr gestoppt werden kann?

Dass im Jahr 2013 die 4K-NAB stattfinden wird, ist vorgezeichnet. Ob es da sinnvoll ist, sich sozusagen in ein gallisches Dorf zurückzuziehen, hängt vielleicht auch davon ab, welcher Zaubertrank einem dort zur Verfügung steht.

Sie werden sehen.

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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