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IBC2013: IP statt SDI?

Jeder, der dort war, kann ja für sich entscheiden, ob sich eine bestimmte Messe für ihn gelohnt hat — als Aussteller, wie als Besucher. Das kann ganz spontan geschehen, etwa wenn man dieses eine interessante Produkt gefunden hat, das man schon lange suchte. Oder wenn einem ganz unerwartet etwas begegnete, das einen sofort in seinen Bann zog — und entweder schon vorhandene kreative Ideen beflügelte, oder ganz neue hervorrief.

Manchmal dauert es aber auch länger, bis man wirklich beurteilen kann, ob die Messe etwas gebracht hat. So konnte man etwa beim Besuch der IBC2013 auch diverse Themen entdecken, die momentan noch keine große, konkrete Marktwirkung haben, aber das Potenzial aufweisen, diese zu entfalten.

Über einige davon berichteten wir schon in vorangegangenen Newsletter-Ausgaben, aber es gibt noch mehr: Als Sony vor zwei Jahren einen ersten Prototypen seines IP-basierten Live-Produktionssystems vorstellte, drehte sich vielen Branchen-Veteranen der Magen um: Ein IP-basiertes Produktionssystem statt einer klassischen Umgebung, die auf SDI-Vernetzung basiert? Das erschien so manchem doch recht voreilig.

Mittlerweile ist die Technik aber schon ein gutes Stück weiter, und aus der Idee sind erste konkrete Produkte geworden, die in der Praxis eingesetzt werden. Das Potenzial ist mächtig: Über ein einziges Ethernet-Kabel Live-Video in 4K zu transportieren, zusätzlich noch Metadaten mitzuschicken und die Tally-Signalisierung abzuwickeln, ist wesentlich mehr, als nur ein vielversprechender Start. Und wenn man dafür noch Standard-IT-Komponenten verwenden kann, wie etwa Standard-Level-3-Switches, statt einer 3G-SDI-Kreuzschiene, dann kann das den Markt massiv beeinflussen.

Etliche Hersteller präsentierten in Amsterdam erste Systeme und Produktionsmodule, bei denen klassische SDI-Technik von IP-Technik abgelöst wird. Darunter etwa auch Axon, wo es erste Produkte zu sehen gab, die unter Einsatz von »Audio Video Bridging« Live-Signale via Ethernet übertragen. Damit werden Live-Produktionen mit geringer Laufzeit über Standard-IT-Strukturen realisierbar — inklusive Monitoring, Signalmanagement und Sicherheitsfunktionen.

Selbst Live-Videomischer, bislang immer noch Bastionen spezialisierter Hardware, die mit Videosignalen gefüttert werden muss — im Broadcast-Bereich im Normalfall via SDI-Verbindung — sind vielleicht schon bald nicht mehr alternativlos. So kommt etwa von Scalable Video Systems (SVS) aus Weiterstadt ein ganz neues Mischerkonzept, das verteilte, per IT-Netzwerk verbundene Installationen von Mischermodulen erlaubt.

Hier macht sich eine neue Signaltechnik für den Broadcast-Bereich in den Startblöcken fertig, um unter dem Slogan »IP statt SDI« loszusprinten und etablierte Techniken zu überholen.

Sie werden sehen.

Empfehlungen der Redaktion:

18.04.2013 – NAB2013: Kleine Sony-Platine mit Potenzial
25.09.2013 – IBC2013: IT-basiertes Mischerkonzept der Zukunft von SVS?

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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