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MTHCon 2026 startet mit Souveränitäts-Weckruf
Felix Briegel und Peter Effenberg vom MediaTech Hub Potsdam eröffneten die Konferenz in Potsdam-Babelsberg. Es folgten Grußworte aus Politik und Wirtschaft: Es sprachen Martina Klement, Ministerin für Wirtschaft, Energie, Klimaschutz und Europa des Landes Brandenburg, David Wallace, stellvertretender Botschafter der Britischen Botschaft Berlin, Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel sowie Jörg Bachmaier, CEO der Studio Babelsberg AG.
Bis Mittwochabend öffnet das Studio seine Hallen für die Konferenz.
Bachmaier: Das Echte gewinnt an Wert
Wer frage, ob KI klassische Filmproduktion überflüssig mache, stelle womöglich die falsche Frage, so Jörg Bachmaier. Sein Gegenentwurf:
Je grenzenloser synthetische Inhalte verfügbar werden, desto wertvoller werde das Echte – reale Menschen, reale Drehorte, reale menschliche Fehler. KI könne den Werkzeugkasten erweitern, Kreativität, Zusammenarbeit und menschliche Präsenz müssten aber im Zentrum bleiben. »Effizienz ist nicht Kreativität«, so Bachmaier. Sein Appell an die Teilnehmer: neue Kontakte knüpfen, Kooperationen starten – »und lassen Sie nicht die KI den ganzen Spaß haben«.
Ranchet: Europa besitzt das Vertrauen, mietet aber die Infrastruktur
Die Expert Stage eröffnete Marion Ranchet, Gründerin der Beratung Streaming Made Easy, mit ihrer Keynote »You Own the Trust, You Rent the Rails«.
Ihre Diagnose: Europäische Medien erzählen starke Geschichten, doch die Infrastruktur, über die sie Zuschauer erreichen, gehört größtenteils anderen. Gehostet wird in der US-Cloud, entdeckt auf Instagram und TikTok, geschaut auf YouTube und Netflix – und auch die Betriebssysteme von Smartphones und Smart-TVs stammen überwiegend von US-amerikanischen oder asiatischen Konzernen.
Besonders deutlich zeigt sich das im Werbemarkt: Vier Unternehmen kontrollieren laut Ranchet rund 70 Prozent. Der TV-Anteil an den Werbeumsätzen schrumpfte von 19 Prozent im Jahr 2020 auf heute 10 bis 12 Prozent und dürfte bis 2030 auf etwa 8 Prozent fallen, während Social Media auf rund 33 Prozent wächst. Das Modell von YouTube, das inzwischen gezielt TV-Budgets angreift, hält Ranchet für problematisch: Die Plattform trage kein Risiko, das liege vollständig beim Creator.
Selektive Souveränität
Volle Souveränität hält Ranchet für unrealistisch, und auch beim Wettrennen um die großen KI-Basismodelle glaubt sie nicht mehr an einen europäischen Erfolg. Ihr Gegenmodell ist eine »Selective Sovereignty«: gezielt dort Stärke aufbauen, wo es für Europas Medienwirtschaft entscheidend ist. Wo sie eine Gefahr sieht: Aus einer Ära des Überangebots werde eine Ära der Unsichtbarkeit, wenn Nutzer nur noch eine Frage stellen und genau eine Antwort erhalten.
Die Ausgangslage sei dennoch besser als ihr Ruf. Laut RTL AdAlliance Living Room Survey 2026 entdecken Europäer Inhalte zu 61 Prozent über lineares TV, nur zu 33 Prozent über Social Media. Auch junge Zielgruppen schätzten das gemeinsame Fernseherlebnis – gerade weil soziale Netzwerke kaum noch sozial seien. Und selbst Netflix öffne sich inzwischen für die linearen Angebote europäischer Sender, weil die Produktion lokaler Live-Inhalte aus eigener Kraft zu teuer sei.
Sichtbar sein, skalieren, kooperieren
Ranchets Empfehlungen an die Branche: Produkte auf dem Niveau der globalen Plattformen bauen, Prominenz nicht nur per Regulierung einfordern, sondern selbst erkämpfen – auf der Fernbedienung, dem Homescreen, in der Sprachsuche.
»Seid überall, wo der Fan hinschaut, und hört auf, euch darüber zu ärgern, nicht zu kontrollieren, wie Zuschauer Inhalte konsumieren«, so Ranchet. Dazu gehöre auch eine Strategie für vertikale Formate, wie sie etwa NRK bereits umsetzt.
Ein wichtiger Hebel sei Skalierung – über gemeinsame Technologieplattformen, wie sie britische Sender bereits betreiben, oder Kooperationen mit Nachbarn und Partnern außerhalb der Medienbranche.
Zudem müssten europäische Konzerne mehr in Start-ups investieren. Ihr Fazit: Man müsse Geld ausgeben, um Geld zu verdienen – auch wenn das sehr amerikanisch klinge.














