Kamera, Test, Top-Story: 05.09.2016

Praxistest: Panasonic Varicam LT

Die Varicam LT von Panasonic bietet weitgehend die Funktionalität einer Varicam 35, ist aber deutlich kompakter. Wie eignet sie sich für Solodrehs? Ein Praxistest.

Handkamera

Das nackte Kameragehäuse wiegt nur 2,7 kg. Mit Handgriff, Sucher, Tragegriff, Bedienpanel, V-Mount-Akku, Schulterstütze und Basisplatte, Objektiv und Kompendium — also in drehfertiger Ausstattung wie abgebildet — kommt man allerdings auf rund 9 kg.

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Die Varicam LT Basisplatte.

Die Basisplatte mit Schulterstütze ist massiv gearbeitet und bietet mit einer integrierten Verschiebeplatte die Möglichkeit, die Gewichtskombination mit schweren Objektiven gut zu balancieren. Vorne und hinten an der Platte befinden sich Klemmungen für 15-mm-Rohre. Die Verschiebemöglichkeit wird rechts von der Kamera geklemmt und ist zusätzlich auf der linken Seite mit einem Druckknopf gesichert. Die Kamera liegt gut und stabil auf der Schulter, man braucht den ganzen seitlichen Sucherauszug zum Gehäuse, um bequem in den Sucher schauen zu können.

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Panasonic verwendet für den Anschluss des Handgriffs Hirose-Objektivstecker.

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So kann man ein B4-Objektiv an der Kamera anschließen.

Handgriff

Der Handgriff ist ähnlich wie bei der FS7 von Sony gestaltet und nutzt ebenfalls eine Arri-Rosette zur Befestigung. Der obere Teil lässt sich problemlos gegen einen Shape-Griff wechseln, was wegen der schnellen Arm-Winkelverstellung per Knopfdruck unbedingt anzuraten ist, denn sonst lässt sich die Kamera kaum irgendwo abstellen.

Panasonic selbst hat beim Handgriff auf eine Winkelverstellung per Knopfdruck verzichtet. Man muss dazu eine Schraube lösen, was ziemlich lästig ist: Vor allem wenn man von Schulterkamera auf eine tiefere Postion wechselt und das Gerät unter den Arm klemmen will, kommt der Single-User sehr ins Schwitzen.

Mit drei Drucktastern und einem Drehregler sind die Steuerungsmöglichkeiten am Handgriff bescheiden. Der Rec-Knopf wird mit dem Daumen gedrückt und es bleiben zwei frei belegbare Drucktaster übrig: einer für den Zeigefinger, der andere an der Handgriffinnenseite für den Mittelfinger.

Einen Mini-Joystick gibt es nicht. Der ist bei Mitbewerberprodukten vor allem dann sehr hilfreich, wenn man das Expand-Fenster im Bild zur Schärfenkontrolle bewegen will, weil der Darsteller nicht zentrisch im Bild steht. Das Verschieben des Expand-Fensters ist bei der Varicam LT nur über das Menü (aktuelle Software 3.0) möglich und nur in dafür vorgesehene Ecken, die nicht unbedingt dem Wunsch des Kameramanns und der Situation entsprechen. Hier hat Panasonic nicht von den Mitbewerbern Canon und Sony gelernt, die dieses Feature in ihren Modellen FS7 und C300 bieten.

Panasonic verwendet zum Anschluss des Handgriffs die normalen Hirose-Objektiv-Stecker aus der Broadcast-Welt und die entsprechenden Protokolle. So kann man ein B4-Objektiv an der Kamera montieren und die entsprechenden Fernsteuer-Funktionen vom Objektiv aus an den Handgriff leiten. Das Protokoll erlaubt aber scheinbar keine weiteren Funktionen, wie beispielsweise die Menüsteuerung.

Die wenigen Bedienknöpfe an der Kamera bieten auch einen Handling-Vorteil gegenüber den Modellen der Mitbewerber: Klemmt man die Varicam unter den Arm, dann verstellt sich nichts. Sowohl bei der Canon C300 wie auch beim Sony FS7 kommt das hingegen immer wieder mal vor.

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Autor
Hans-Albrecht Lusznat
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