Kamera, Test, Top-Story: 05.09.2016

Praxistest: Panasonic Varicam LT

Die Varicam LT von Panasonic bietet weitgehend die Funktionalität einer Varicam 35, ist aber deutlich kompakter. Wie eignet sie sich für Solodrehs? Ein Praxistest.

Erster Eindruck

Die Kamera wird linksseitig an einem Kippschalter eingeschaltet. Es dauert dann satte 17 Sekunden, bis man aufnehmen kann: Wer es eilig hat, sollte die Kamera also möglichst selten abschalten. Dagegen spricht aber die relativ stattliche Leistungsaufnahme der Kamera, über die später noch zu reden sein wird.

Mit dem Einschalten der Kamera springt auch sofort deutlich hörbar der eingebaute Ventilator an. Ein Blick ins Settings-Menü zeigt aber, dass es für den Lüfterbetrieb unterschiedliche Modi gibt: Wählt man »Rec Auto«, fährt der Lüfter herunter, sobald man den Record-Button drückt. So kann man aufzeichnen, ohne dass der Lüfter stört. Im Modus »Match Codec« passt sich die Leistung des Lüfters dem ausgewählten Codec an. Bei HD-Aufnahmen im ProRes444-Codec etwa läuft der Lüfter dann deutlich leiser, bleibt aber durchgehend an, läuft also auch während der Aufnahme. Die dritte Einstellmöglichkeit »Always Full« ergibt nur Sinn, wenn kein Ton aufgezeichnet wird, denn in diesem Modus läuft der Lüfter erwartungsgemäß durchgehend auf Hochtouren.

Die Zahl der Bedienknöpfe ist recht übersichtlich, neben dem Einschalter sind es nur neun weitere Bedienelemente auf der rechten Kameraseite: drei User-Drucktaster 1-3, ein Record-Knopf, ein Kippschalter mit Toggle-Funktion für den Weißabgleich, je ein Taster für Menü und System Status sowie ein Drehrad mit Dial-Funktion. Mit einem Schiebeschalter lassen sich alle Taster verriegeln, was in bestimmten Situationen nützlich sein kann.

Sucher

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Die Kamera in Würfelform mit Sucher.

Der Sucher ist und bleibt das wichtigste Arbeitsinstrument für den Kameramann. Die Varicam LT ist so konzipiert, dass man Panasonic-Sucher anschließen kann, aber auch eine Vielzahl anderer elektronischer Sucher.

Wählt man den optionalen Oled-Sucher, den Panasonic für die Kamera anbietet, dann zeigt der Blick ins Okular ein klares, gut aufgelöstes Farbbild — auch wenn das eingebaute 0,7-Zoll-OLED-Display mit 1.280 x 720 Pixeln keine volle HD-Auflösung bietet.

Das Okular des Panasonic-Suchers lässt sich nicht aufklappen. Der Drehring für die Dioptrien-Einstellung ist mit einer Zahlenmarkierung von 1 bis 9 versehen und hat mittig bei der 4 einen eingelassenen Druckknopf, den man betätigen muss, um die Dioptrien zu verstellen. Ein vergleichsweise großer Bereich von Fehlsichtigkeit lässt sich somit ausgleichen. Am zweiten Drehring kann man die Vergrößerung durch eine Zoomlinse einstellen, d. h. das Sucherbild erscheint mehr oder weniger weit weg. Ist es zu groß, verzerren die seitlichen Ränder trapezförmig. Wer Brillenträger ist, kann mit Brille gut das Bildfeld überschauen und dank der zwei Drehringe das Sucherbild schnell nach seinen Bedürfnissen einrichten. Ein Wechsel zwischen Brille und Einblick ohne Brille ist unproblematisch: So schnell wie beim Panasonic-Sucher kann man nur selten bei einer Kamera die Fehlsichtigkeit ausgleichen.

Die Sucheranzeigen tauchen ober- oder unterhalb des eigentlichen Bildinhalts auf, so dass der Bildeindruck nicht gestört wird. Ganze 29 Parameter sind darstellbar. Welche davon angezeigt werden sollen, bestimmt man unter dem Menüpunkt »Output Settings« im »Viewfinder SDI Indicator«. Mit Clean View lassen sich bei Bedarf auch alle Sucheranzeigen rasch ausschalten.

Panasonic hat auf einen eigenen proprietären Sucheranschluss wie bei der Varicam 35 verzichtetet und bedient den AU-VCVF10G mit einem VF-SDI Signal und einer 12V Stromquelle. Dadurch lassen sich an der Varicam LT auch Sucher von anderen Herstellern verwenden und mit zwei Kabeln anschließen.

Am Sucher-Bracket kann man über ein XY-Gestänge den Sucher nach vorne und zur Seite hin verschieben, zusätzlich ist er mit seiner Schwalbenschwanz-Aufnahme in einer Halterung drehbar mit Exzenter gelagert und erlaubt so noch eine Verstellmöglichkeit in der Höhe und vor, sowie zurück. Der Sucher ist sehr gut verarbeitet, leicht zu bedienen und insgesamt von guter Qualität. Die Verstellmöglichkeiten entsprechen den Anforderungen des rauen Produktionsalltags.

Betriebs-Anzeigen im Sucher

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Einblendungen im Sucherbild von links nach rechts: Format 4.096 x 2.160;  Main Slot  Aufnahmezeit; Main Codec; Akkuspannung, Timecode. Untere Zeile: 50 fps; ISO 800; Weißabgleich 5.600 K; Filterrad mit ND 0.6.

Unter dem Punkt »Output Settings« im Menü kann man den VF SDI Output auf Surround View einstellen (Software 3.0). Dann sieht man im Sucher etwas mehr Bildfeld, als tatsächlich aufgezeichnet wird. Das Surroundview-Feld ist von optischen Suchern bekannt und hilft in kritischen Situationen, Objekte außerhalb des Bildes zu halten. Auf Wunsch zeigt bei der Varicam LT eine farbige Linie die Bildbegrenzung an, zudem lässt sich die Helligkeit des Surroundview-Feldes bestimmen (25%/50%/75%). Surroundview ist entweder nach oben oder nach unten möglich, seitlich gehen links und rechts gleichzeitig.

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Sucher mit Waveform und Tonkanalanzeige.

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Suchermenü der Varicam LT.

Oberhalb des Okulars ist im Sucher ein Sensor eingebaut, der dafür sorgt, dass sich der Sucher einschaltet, sobald man sich dem Okular nähert. Der Sucher schaltet selbsttätig eine Sekunde, eine Minute oder fünf Minuten nach dem letzten Augenkontakt wieder ab. Das lässt sich im Detail im Suchermenü einstellen.

Auf der linken Suchergehäuseseite gibt es zwei User-Tasten und zwei weitere Taster für Camera und Sucher (EVF). Darunter befindet sich ein Dial-/Jograd. Um ins Suchermenü zu gelangen, muss man den Taster »EVF« und gleichzeitig einen der Taster 1 oder 2 drücken. Im Suchermenü lassen sich Tally anschalten, die Bildgröße festlegen, das Bild umdrehen und die beiden User-Taster 1 und 2 mit Funktionen belegen, wie beispielsweise Expand zur Schärfenkontrolle und Waveform zur Belichtungskontrolle.

Die Grundeinstellungen des Suchers für Farbe, Kontrast, Helligkeit und Peaking erledigt man über den EVF-Taster. Auf Tastendruck erscheinen über dem Sucher vier Verstellmöglichkeiten mit entsprechenden Zahlenwerten dahinter. Per Dial-/Jograd ist es möglich, die Werte zu verändern.

Menüknöpfe am Sucher

CAM-Auswahl
Am unteren Bildrand erscheinen die Anzeigen für: Bildrate (fps), Verschlusszeiten (Shutter), Empfindlichkeit (ISO), Farbtemperatur (Kelvin). Zurück gelangt man aus diesem Menüpunkt durch nochmaliges Drücken der Taste CAM. Die eingestellten Werte lassen sich per Drehregler verstellen. Der jeweils ausgewählte, zu verstellende Menüpunkt wird in seiner Schriftdarstellung größer. Die jeweilig wählbaren Auswahlpunkte sind gelb unterlegt.

EVF-Auswahl
Einstellbar sind folgende Parameter: Color, Contrast, Bright, Peaking. Auch hier sind die jeweils aktiven, veränderbaren Größen hervorgehoben. Von der Auswahl kommt man zurück, wenn man noch mal EVF drückt.

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Sucher-Bedienmöglichkeiten.

Am Sucher selbst gibt es seitlich vier Drucktaster: Mit Taste 1 kann man das Sucherbild vergrößern, durch nochmaliges Drücken springt es zurück, andernfalls stellt es sich zehn Sekunden automatisch um. Im »Output Menü« im Bereich Focus Assist kann man die Stärke der Vergrößerung zwischen 2x, 3x oder 4x wählen.

Taste 2 ist mit der Waveform-Darstellung belegt. Welche Funktionen man auf 1 und 2 haben will, lässt sich im Menü einstellen.

Filterrad

Die Kamera hat ein Filterrad mit vier Positionen und drei ND-Filtern der Stärke 0.6, 1.2 und 1.8. Der IR-Sperrfilter vor dem Sensor kann vom Benutzer selbst entfernt werden, wenn man darauf verzichten möchte.

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Autor
Hans-Albrecht Lusznat
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