Kamera, Test, Top-Story: 10.10.2019

Praxistest: Ursa Mini Pro G2

Äußerlich ist die zweite Generation der Usa Mini Pro nicht vom Vorgänger zu unterscheiden. Sie bietet einen S35-4,6K-Sensor mit hoher Dynamik und kann mit 300 fps in »Windowed HD« und mit 120 fps in 4K aufzeichnen. film-tv-video.de hat die Kamera ausführlich ausprobiert.





Bildqualität und Low-Light-Fähigkeiten
Die Metadaten im Raw-Format zeigen auch das B4-Objektiv korrekt an.

Die zweite Generation der Ursa Mini Pro hat zwar die gleiche Auflösung von 4,6K wie die erste Generation, doch wurde die Lichtstärke verdoppelt bis zu einem maximalem ISO von 3200. Im Umfeld heutiger Kameras ist das zwar immer noch vergleichsweise wenig, aber gerade für dokumentarische Aufgaben eine wichtige Verbesserung. Im Handbuch wird ISO 800 als optimale Lichtempfindlichkeit angegeben. Im Handbuch des Vorgängermodells waren ISO 200 als 0dB-Gain angegeben, was ja eigentlich der Basis-ISO entsprechen sollte. Dazu findet man jetzt nichts mehr im Handbuch. Alle ISO-Werte werden dort mit einer Dynamik von 14,7 Blendenstufen angeben (im Cinema-Modus). Wie üblich verändert sich lediglich die Blendenverteilung über und unter dem 18% Grau.

Die Blendenverteilung für alle ISO um das 18% Grau.

Wie bisher ist das Bildrauschen bei ISO 1600 im Cinema-Modus moderat sichtbar. Bei ISO 2000 sind die Aufnahmen noch gut zu verwenden. Selbst ISO 2500 kann für dokumentarische Zwecke noch als ausreichend bezeichnet werden. Bei ISO 3200 wird das Bildrauschen dann schlagartig stärker und zeigt ein sehr regelmäßiges vertikales Rauschmuster. Zeichnet man mit Blackmagic Raw auf, kann man das ISO auch nachträglich in den Raw-Einstellungen verändern. Die Optionen, den Raw-Modus einzustellen, ähneln denen bei Cinema DNG.

Im Clip-Modus können alle Parameter wie Weißabgleich, ISO, Gamma, Belichtung und einige Gamma-Werte nachträglich eingestellt werden. Über das starke vertikale Rauschmuster lässt sich in DaVinci Resolve nur mit dem Spatial Denoiser entscheiden, der meist dem ganzen Bild mehr Schärfe nimmt als der Temporal Denoiser. Im Video-Modus (Rec.709) verschwindet das Rauschen bis ISO 2000 fast vollkommen in den Schwärzen.

Hat man Zeit für die etwas intensivere Nachbearbeitung, empfiehlt sich immer die Aufnahme im Film-Modus. Der »Extended Video Modus« bietet aber jetzt einen guten Kompromiss aus Blendendynamik und natürlichen Farben. Der Video-Modus (Rec.709) liefert immer recht knallige Farben.

Die Einstellungen für BM RAW in DaVinci Resolve.

Zwar steht DNG nicht mehr zur Verfügung, aber das Blackmagic Raw-Format bietet mit der 3:1-Kompression Eigenschaften, die ziemlich nah an DNG dran sind, beansprucht aber wesentlich weniger Platz. Blackmagic Raw 3:1 kann in der Bildschärfe ziemlich gut mit ProRex XQ verglichen werden, bietet sogar teilweise noch eine minimal höhere Bildschärfe und mehr Farben und Kontrast durch die 12-Bit-Quantisierung. Der Unterschied zwischen 3:1 bis zu 12:1 ist minimal in feinen Bilddetails oder Bewegungsunschärfen sichtbar, allerdings nur, wenn man 400% weit in das Bild hineinzoomt.

Im Film-Modus (oben) gab es noch keine überstrahlten Wolken, extended video (darunter) zeigt ganz leichtes Überstrahlen in wenigen Wolken. Das dritte Bild im Video Modus hat dagegen schon einen deutlich reduzierten Kontrast. Um den Himmel wieder vollkommen zu sehen, musste von F2.8 auf F23.8 geschlossen werden (unten).

Auf einem 4K-Monitor war dieser Unterschied mit dem bloßen Auge nicht sichtbar, auf einer großen Leinwand könnte das vielleicht einen Unterschied machen. Allerdings zeigte das Raw-Format gelegentlich bei sehr feinen Details stärkere Farb-Artefakte, die fast wie eine sehr feine Struktur anmuten, in ProRes aber so nicht sichtbar waren. Für die meisten Anwender bietet das Blackmagic Raw-Format eine gute Alternative, um Raw-Funktionalität in relativ kleinen Dateigrößen zu verpacken, und das auch sehr viel effektiver komprimiert als in ProRes.

Der Rolling-Shutter-Effekt ist schwächer als beim Vorgänger. Bei schnellen Schwenkbewegungen ist er zwar immer noch sichtbar, aber auf ein sehr erträgliches Maß reduziert.

Ton

Eine Schwäche der Ursa Mini Pro G2 bleibt die Ausstattung für Tonaufnahmen. Zwar gibt es zwei XLR-Eingänge mit Line, MIC und Phantomspeisung, die mit den Schaltelementen für jeden Kanal getrennt eingestellt werden können, doch auch nicht mehr. Von einem Schulter-Camcorder kann man schon vier Kanäle und die entsprechenden Eingänge erwarten.

Die Waveform zeigt ziemlich deutlich, dass jede Bedienung erhebliche Störgeräusche über internes Mic überträgt.

Zudem gibt es keinen Limiter im klassischen Sinn. Es scheint jetzt aber intern eine Form von Limiter zu arbeiten. Denn mit extrem lauten Geräuschen kann man kurze Übersteuerungen und Knacks-Geräusche produzieren, die aber nicht anhalten, und binnen Millisekunden wird wieder ein brauchbares Signal hergestellt. Das gibt einem gerade bei der Atmo zwar die zusätzliche Sicherheit, dass diese nicht komplett unbrauchbar wird; es ist aber auch ein Eingriff in das Signal, das man nicht unter Kontrolle hat.

Ursa Mini Pro G2, @Nonkonform
Die beiden XLR-Eingänge der URSA Mini Pro G2 sind geschützt unter Abdeckkappen untergebracht.

Das eingebaute Mikrofon klingt  dünn, und jede noch so kleine Handhabung der Kamera und jeder betätigter Schalter ist sehr deutlich auf den Aufnahmen zu hören. Somit reicht dieses Mikro gerade mal für Synchronisationszwecke externer Ton-Aufnahmen, nicht aber für einen atmosphärischen Ton. Hier sollte also auf jeden Fall extern ein entkoppeltes Atmo-Mikrofon angeschlossen werden. Ist mehr als eine Atmo gefragt, ist ein externes Tonaufnahmegerät oder ein EB-Mischer fast schon Pflicht.

Das Audio Menü der URSA Mini Pro G2.

Auch der interne Kopfhörer-Ausgang weist ein hörbares Delay auf und klingt wie aus dem „Hinterband“ eines EB-Mischers. Das ist irritierend und erschwert eine Beurteilung des Tons, was sich bei Einsatz einer externen Mischers noch verschlimmert. Die XLR-Eingänge bieten aber sowohl bei Mic-Betrieb als auch bei Phantomspeisung ein gutes und rauscharmes Signal.

Gelegentlich kam es in DaVinci Resolve 16 zu kleinen Artefakten wenn man schnell über das BM RAW Bild scrubbt (Nvidia 1080 Grafikkarte).

Die Ursa Mini Pro G2 bietet zwar immer noch einen Dip-Schalter, um beim Abhören zwischen Kanal 1/2 und 3/4 zu wechseln, doch laut Handbuch wird diese Funktion erst in zukünftigen Updates unterstützt, wenn dann auch vier Audiokanäle zur Verfügung stehen. Ein wirklicher Vorteil bei den Zeitlupenaufnahmen mit Blackmagic ist, dass dabei die Audiodateien in Normalgeschwindigkeit mit aufgenommen werden, sei es, um diese später als Atmo zu loopen oder tatsächlich als Effekt in der Aufnahme nutzen zu können.

Fazit

Die Ursa Mini Pro G2 ist ein kleine, aber sinnvolle Weiterentwicklung und liegt preislich sogar mehr am oberen Ende der Alternativen Sony FS7, Canon C200 und Panasonic EVA1. Allerdings bietet sie als einzige interne 12-Bit-Aufnahme mit Raw-Funktionalität und 10 Bit ProRes. Entsprechend bekommt man ohne den Einsatz eines zusätzliche Recorders eine sehr hohe Bildqualität, zumindest bei kontrollierten Lichtbedingungen. Trotz erhöhter ISO ist sie definitiv noch kein Lowlight-Spezialist und wird hier auch von der Konkurrenz aus dem eigenen Hause, der Pocket Cinema 4K, noch weit in den Schatten gestellt. Für klassische EB-Aufgaben ist die Lichtempfindlichkeit dennoch ausreichend. Momentan einzigartig in diesem Preissegment sind die 120-Bilder-Zeitlupe in 4,6K und 300 Bilder pro Sekunde in HD mit »Windowed«-Sensor. Insgesamt betrachtet ist das auch die beste Neuerung der zweiten Generation der Ursa Mini Pro.

Ursa Mini Pro G2, @Nonkonform
Laut Blackmagic Design biete die Kamera einen Dynamikumfang von 14,7 Blendenstufen.

Zudem sind die unterschiedlichen und vor allem bezahlbaren Mount-Optionen und der einfache Einsatz von B4-Mount Objektiven, gerade für dokumentarische Aufgaben, ein gewichtiges Argument für die Kamera. Ein Regenschutz ist dann aber Pflicht, da Wasser sehr leicht in die Kamera eindringen kann.

Außerdem muss man die Kamera für einen rückenschonenden Dreh von der Schulter genau austarieren und eventuell zu einer Schulterstütze und einem Auslagearm von einem anderer Hersteller greifen, besonders ergonomisch sind die Varianten von Blackmagic Design nämlich nicht. Als Studiokamera ist Ursa Mini Pro G2 aufgrund der einfachen Bedienung mit dem Touchscreen vom Stativ und der guten Bildqualität aber eine sehr interessante Option.

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Seite 2: Sensor, Auflösung, Formate // HFR Clips
Seite 3: Ergonomie und Bedienung
Seite 4: Menü, Belichtung, Mounts
Seite 5: Bildqualität, Ton, Fazit

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