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Kann man mit Prosumer-Kameras Greenscreen-Produktionen umsetzen?

film-tv-video.de hat praktisch ausprobiert, ob man mit Kameras für 2.000 bis 5.000 Euro eine Greenscreen-Produktion umsetzen kann. Das Ergebnis barg durchaus Überraschungen.






Die Kameras zeigten, dass die Balance der einzelnen Parameter sehr wichtig ist.

Die Balance ist wichtig

Gerade in Anbetracht dessen, dass viele Prosumer-Kameras Ihre Raw-Funktion mit Einschränkungen bei anderen Parametern wie Bitrate oder Bildrate zur Verfügung stellen, heißt es, die richtige Kombination zu wählen. Einen Aspekt auf Kosten aller anderen zu betonen, ergibt hier meistens keinen Sinn.

Farbabtastung

4:4:4, 4:2:2, 4:2:0, 4:1:1: Alle wissen letztlich, was »besser« ist, und es leuchtet sicher jedem ein, dass das bei Greenscreen-Aufnahmen eine besonders wichtige Rolle spielt.

Deshalb nochmal ein kurzer Exkurs, die Farbabtastung einfach zu erklären.

Unter Chroma-Subsampling versteht man eine Encoding-Technik. Damit zerlegt man zuerst mal Bildsignale in Helligkeits- und Farbinformationen. Dabei kann man Datenvolumen sparen und dennoch noch zu ganz ordentlichen Ergebnissen kommen, wenn man mehr Informationen für die Helligkeit und etwas weniger Informationen für die Farbe verwendet. Das kann man deshalb machen, weil die visuelle Wahrnehmung des Menschen — kombiniert aus Auge und Gehirn — für Helligkeitswerte und Kontraste empfindlicher ist und diese feiner wahrnehmen kann als Farben und Farbunterschiede.

Die oben genannten Zahlenkombinationen geben ein Verhältnis zwischen einem Helligkeitswert (erste Zahl) und den Farbinformationen (zweite und dritte Zahl) an.

4:4:4: Jeder der drei Komponenten wird damit mit der gleichen Sampling-Rate erfasst. Dementsprechend besteht kein Chroma-Subsampling. Für Greenscreen-Aufnahmen ist das natürlich die beste Variante.

4:2:2: Die Farbanteile haben die halbe Samplingrate. Rechnerisch ist dadurch die Bandbreite eines unkomprimierten Video-Signals um ungefähr ein Drittel reduziert, warum das so ist, soll hier nicht ausgeführt werden. Man hat also weniger Farbinformation und hat Daten gespart, aber visuell fällt das nicht so stark auf.

Um 4:2:2 kommt man bei Prosumer-Kameras kaum herum, muss also diesen Kompromiss akzeptieren.

4:1:1 und 4:2:0: In 4:1:1 und 4:2:0 steht noch weniger Farbinformation zur Verfügung. Das kann man dann auch visuell schon feststellen — und es hat auch negative Auswirkungen auf Greenscreen-Arbeiten.

Zusammengefasst: Je geringer das Chroma-Subsampling, desto besser. Je mehr Farbinformationen zur Verfügung steht, um so besser und genauer wird das Keying funktionieren.

Blackmagic, Kamera, PCC6K

Die Balance der gewählten Einstellungen ist wichtig.

Framerate

Hier kommt es weniger auf Masse als auf Klasse an. Sprich: 120 Frames pro Sekunde bringen gar nichts, wenn man dafür nur in Full-HD bei 4:2:0 und geringer Bitrate aufnehmen kann. Andersherum bringen auch 4K in 4:4:4 nichts, wenn man lediglich mit 25 fps filmen kann.

Wenn die Kamera bei 4K Raw nur 25 fps schafft, ist es vielleicht besser, lieber in 2K aber mit 48 oder 60 fps zu drehen.

Auflösung

Man muss beim einzelnen Projekt nachdenken: Brauche ich überhaupt 6 oder 8K? Oder strapaziert das nur unnötigerweise den eigenen Postproduction-Workflow?

Mit 4K ist man derzeit meistens immer noch sehr gut bedient — und das gilt im Prosumer-Bereich allemal. Wer 6, 8 oder mehr K nutzen will, der sollte in der Regel auch das passende Budget mitbringen, um durchgängig in diesen Formaten mitzuspielen.

Belichtungszeit

Das A und O im Greenscreen-Prozess ist es, einen starken Kontrast und eine klare Objektkante vor dem Hintergrund zu generieren. Bewegungsunschärfe (Motion Blur) wäre also absolut kontraproduktiv.

Deshalb muss man dafür sorgen, dass möglichst kurz belichtet wird, um die Bildkanten auch dann scharf abzubilden, wenn man Szenen mit viel und rascher Bewegung vor Grün aufnehmen will.

Da gibt es einen Zusammenhang mit der Bildrate, der oben schon erläutert ist. Zudem spricht einiges dafür, per Shutter die Belichtungszeit zu reduzieren, wenn man genug Licht zur Verfügung hat. Der Zusammenhang ist klar: je kürzer man belichtet, um so schärfer ist die Kante.

Wenn man das (zu) weit treibt, dann kann das zu abgehackter, stroboskophafter Bewegungswiedergabe führen. Das kann man aber bei Bedarf auch wieder in der Postproduction beheben und Motion Blur nachträglich wieder einfügen.

Die verwendeten Kameras erforderten auch Abweichungen bei den Objektiven.

Seite 1: Einleitung, Test-Setup, Vorbemerkungen
Seite 2: Preisfrage, Parameter/Einflussgrößen
Seite 3: Balance der Parameter
Seite 4: Kameras und Objektive, Test im Greenscreen-Studio
Seite 5: Zwischenwertung, erste Keying-Ergebnisse
Seite 6: Einzelkritik, Fazit, Danksagung

Autor: Juan García, Sas Kaykha, Nonkonform

Bildrechte: Juan García, Sas Kaykha, Christoph Harrer, Nonkonform, Archiv

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