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Dynamic Media Facility etabliert sich
Die Grundidee der Dynamic Media Facility (DMF) ist schnell erklärt: Eine dynamische DMF-Infrastruktur stellt genau die Processing-Kapazitäten und Tools bereit, die eine Produktion gerade braucht. Anschließend stehen die Ressourcen für die nächste Aufgabe zur Verfügung. Medienfunktionen laufen als Software auf Standard-Servern, nicht mehr auf dedizierter Hardware. So wird eine Produktion flexibler – und auch günstiger.
Vom Showcase zur Normalität
Wie weit die Branche dabei inzwischen ist, zeigte Qvest mit einem DMF-Showcase, das die Architektur abbildet: Über 50 Produkte von rund einem Dutzend Herstellern tauschen ihre Daten über einen gemeinsamen Media Exchange Layer (MXL) aus. Im Vergleich zur NAB sei das Konzept deutlich weiter verbreitet, viele Hersteller stiegen jetzt ein, und Broadcaster bauten erste Labs, um eigene Erfahrungen zu sammeln. Den Schritt vom Proof of Concept in die dauerhafte Produktion erwartet Qvest in den nächsten sechs bis zwölf Monaten. Treiber ist der Kostendruck: »Wenn ich weiterhin an feste Innovationszyklen gebunden bin, bei denen ich fünf oder sogar zehn Jahre an meiner Produktion festhalte, wie ich sie einmal gekauft und designt habe, dann ist das ein Modell, das in Zukunft definitiv nicht mehr tragbar ist.«, sagt Daniel Clasen.
Daniel Clasen erklärt, warum DMF eine spannende Entwicklung ist.
DMF: Coming of Age
Lawo sieht das Thema längst in der Praxis angekommen. Das Unternehmen realisiert softwarebasierte Infrastrukturen seit Jahren für große Sportereignisse und Kunden in Japan, den USA, Deutschland und Österreich. Damit die Idee auch kommerziell funktioniert, braucht es laut Andreas Hilmer ein ebenso dynamisches Lizenzmodell. Lawo setzt dafür auf ein funktionsunabhängiges Credit-System: Kunden müssen nicht vorab festlegen, wie groß Multiviewer oder Mischer sein müssen. Hilmer ist sich sicher: Softwarebasierte Live-Infrastruktur werde künftig als Normalität anerkannt, »und nicht mehr als das unheimliche Ding, bei dem irgendwelche Dell-Server stehen und ich nicht mehr weiß, was darin passiert«.
Andreas Hilmer über Dynamic Media Facility.
NRK als Speerspitze
Wie DMF im großen Maßstab aussieht, zeigt der norwegische Sender NRK, den Broadcast Solutions als Systemintegrator begleitet. NRK verlagert die gesamte Produktionstechnik in zwei landesweit verteilte Rechenzentren und teilt Ressourcen dynamisch zu. Im bereits fertiggestellten Standort Trondheim sind alle Arbeitsplätze identisch ausgestattet und lassen sich per Knopfdruck für Videoschnitt oder Radioproduktion konfigurieren, in einer von NRK selbst programmierten Umgebung. Genau diese Steuerungsebene sieht Broadcast Solutions als Lücke im aktuellen DMF-Konzept: »Dieser Middle Layer, dieser Control Layer ist eigentlich das, was bei DMF im Moment noch fehlt«, sagt Rainer Kampe.
Rainer Kampe von Broadcast Solutions berichtet einem erfolgreichen DMF-Projekt.
DMF in der Anwendung
Auch BFE bereitet sich vor und hat mit KSC Horizon eine containerbasierte Plattform eingeführt, auf der künftig auch DMF-Anwendungen nativ laufen sollen. Die Entwicklung sei durch agile Methoden schnell vorangekommen, MXL als gemeinsam entwickeltes Open-Source-Projekt habe entscheidend zur Interoperabilität beigetragen. Das Zwischenfazit: »Es ist durchaus noch einiges an Entwicklungsarbeit zu leisten, aber es ist auch schon sehr viel geleistet worden.«
Hartmut Opfermann über die Vorteile von DMF.
Matrox betont, dass die Technologie hinter DMF sehr nahe am Konzept von Matrox Origin sei. »Wer heute zur DMF will, kommt am besten mit Matrox Origin dorthin. Ich denke, es ist derzeit die einzige Lösung, die das leistet«, sagt etwa Donald Sievewright. Er ergänzt: Der Media Exchange Layer sei nur ein kleiner erster Schritt, bis zur vollen DMF-Skalierung sei es noch ein weiter Weg.
Donald Sievewright erklärt, dass Matrox Origin so etwas wie der Vorreiter von DMF ist.
Neue Komplexität, offener Business Case
Für Sonja Langhans, Head of Technical Consulting bei sommer+spohr, ist DMF ein sinnvolles, aber nicht das einzige Modell für die IT-basierte Media Facility. Unabhängig vom Ansatz gelte: »Es wird wahnsinnig komplex.« Laufen Medienfunktionen als Docker-Container in einem Kubernetes-Cluster, stellen sich neue Fragen: »Wer stellt diesen Kubernetes-Cluster bereit? Wer betreut ihn, wo sind die Verantwortungsgrenzen?« Das betreffe nicht nur das Verhältnis zwischen Hersteller und Auftraggeber, sondern auch die Organisation beim Kunden selbst. Beherrschbar werde diese Komplexität, so Langhans, zunehmend mit KI-Agenten, die Systeme überwachen, einrichten und erweitern.
Geschäftsführer Malte Spohr sah auf der Messe erste funktionierende DMF-Implementierungen mit Kamera-Switching, Processing und Grafik, allerdings noch mit Latenzen. Die größere Baustelle liegt für ihn woanders: »Der Business Case, der Use Case, der ist noch nicht richtig da.« Lohnt sich DMF nur bei vielen wechselnden Produktionen oder auch für die tägliche Nachrichtensendung? Welche Lizenzmodelle stehen dahinter, und wie verändern sich die Workflows? Diese Fragen seien vielfach noch unbeantwortet.
Malte Spohr und Sonja Langhans über die Trends der IBC. Ein großes DANKESCHÖN an KST Moschkau für die Möglichkeit, die KST-Technik nutzen zu dürfen.
Fazit
Die IBC2026 markiert für DMF den Übergang vom reinen Konzept zur Umsetzung. Die Interoperabilität über MXL funktioniert, auch wenn sie nur ein erster Baustein ist. Was die Entwicklung von DMF und MXL jedoch definitiv vorantreibt ist der pragmatische Entwicklungsansatz.


















