Messe, Top-Story: 05.10.2004

IBC2004: Schritt für Schritt nach vorne

Es geht wieder vorwärts: langsam und in kleinen Schritten, aber die Richtung stimmt. Das ist vielleicht die wichtigste Botschaft der IBC2004. Die Stimmung ist besser, die Aussteller verzeichnen mehr Aufträge, die Kunden investieren wieder.

Das große Jammern hat sich weitgehend wieder auf das Normalmaß reduziert, das übliche Grundrauschen eben. Man hat sich mit der Realität arrangiert, ist eigentlich gut drauf, einigermaßen entspannt, bleibt aber dabei doch zurückhaltend. Also gute Stimmung, aber mit einer gewissen Erschöpfung und teilweise auch Blutleere gepaart. So lässt sich die Stimmung der IBC 2004 wohl in aller Kürze zusammenfassen.

Von Euphorie und Enthusiasmus war auf den Messefluren weniger zu spüren, als das in früheren Jahren der Fall war. Natürlich gab es manchen begnadeten Kleindarsteller, der gerade die jeweils »beste Messe« seit vielen Jahren erlebte und sich angeblich vor Kunden nicht retten konnte. Aber selbst diese Art der Jubelperser wirkte in diesem Jahr etwas matter, gedämpfter. Wo in den fetten Jahren übertriebene Euphorie vorherrschte, hat das Pendel jetzt offenbar in die andere Richtung ausgeschlagen, so dass selbst jene, denen es sehr gut geht, zurückhaltend bleiben.

Bei vielen Firmen suchte man aber auch vergeblich nach dem großen Messeknaller: Fast alles war schon von der NAB bekannt, die in puncto Produktpremieren der IBC klar den Rang abgelaufen hat. Generell gilt wieder eher das alte Branchenmessegesetz: Zur NAB wird das Produkt vorgestellt und angekündigt, und bis zur IBC funktioniert es dann im besten Fall auch tatsächlich. Natürlich gibt es Ausnahmen und viele kleine Neuerungen und Neuheiten: Mehr dazu im Produkt-Beitrag zur IBC2004.

Bei den allgemeinen Messetrends der IBC2004 gab es in diesem Jahr drei absolut dominante Themen: HD, HD und HD. Kein anderes Schlagwort fiel vor und während der Messe so oft. Dabei werfen nicht nur die großen Sport-Events wie die Fußball-Weltmeisterschaft ihre Schatten voraus. Auch in der Produktion verzeichnen die Hersteller nun offenbar weiter steigende Nachfrage nach HD-Equipment und versuchen, mit günstigeren Einstiegspreisen diesem Trend Vorschub zu leisten und damit die Branche weiter zu beleben – mit positiven Ergebnissen.

Auch im deutschsprachigen Raum wird wieder mehr investiert: Keineswegs jedoch nur in HD- sondern vielmehr auch in SD-Equipment. Doch selbst dabei verzeichneten die Anbieter einen Stimmungswechsel: »Ohne eine Möglichkeit zum HD-Upgrade geht bei den Kunden gar nichts«, lässt die Vertriebsseite verschiedentlich verlauten. Zugegeben: Oft ist dieser HD-Upgrade-Pfad eher noch Plan als Realität, aber auf allen Seiten in immer mehr Köpfen präsent. Und das ist eigentlich auch ein recht eindeutiges Zeichen.

Daneben zieht sich ein davon im Grunde unabhängiges Thema auf der Produktebene nun so stark durch, dass es deutlich ins Auge sticht: Es gibt mehr SANs als je zuvor, etwa bei Apple, Discreet, DVS, Thomson Film Imaging und vielen anderen. Zentrale Speichereinheiten, Shared Storage, offene File-Systeme, Collaborative Workflow: So lauten die Stichworte, die das Hin- und Herkopieren von Files überflüssig machen und die den parallelen Zugriff auf das gleiche Material von verschiedenen Workstations aus erlauben. Aus der Postproduktion und dem News-Bereich kommen damit Impulse, die das file-basierte Arbeiten mit IT-Komponenten in weitere Bereiche der Broadcast-Industrie tragen.

Downloads zum Artikel:

T_1003_IBC2003_1.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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