Branche, Making-of: 15.06.2018

Neues europaweites 24h-TV-Projekt läuft an: »24h Europe«

Nach »24h Berlin«, »24h Jerusalem« und »24h Bayern« macht sich Zero One aus Berlin nun daran, ein europaweites Projekt umzusetzen. Der Drehbeginn für »24h Europe« ist erfolgt.

Zero One Logo
Zero One hat schon drei 24h-TV-Projekte realisiert.

Am Freitag, 15. Juni 2018, begannen die Dreharbeiten für ein Projekt mit dem Arbeitstitel »24h Europe – We are the Future«. Das Ergebnis soll eine 24stündige Echtzeiterzählung sein, die im kommenden Jahr auf verschiedenen Sendern dann auch in Echtzeit ausgestrahlt wird: 24 Stunden am Stück — ganz in der Tradition der Zero-One-Produktionen »24h Berlin«, »24h Jerusalem« und »24h Bayern«.

Das sagt die Produktionsfirma über das neue Projekt: »Ein Tag im europäischen Universum, erzählt durch die Augen der Jungen, als Aufbruch in das Leben, an den Bruchstellen des Kontinents. Erzählt in Echtzeit, ohne Unterbrechung, von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr morgens. Ein Programm der Parallelwelten und der Widersprüche, ein Zeitdokument, ein Manifest: die Zukunft wird gemacht.«

24h Europa, Crew, Drehstart
Das Team von »24h Europe« mit 45 Regisseurinnen und Regisseuren aus ganz Europa.

»24h Europe« soll also den Alltag junger Menschen im Alter von 18 bis 30 zeigen. 45 Drehteams begleiten dafür zeitgleich 60 junge Protagonistinnen und Protagonisten aus 25 Ländern Europas. An insgesamt vier Drehtagen entsteht das Material für das 24-stündige Zeitdokument, das Arte, RBB, SWR, BR und ARD-Alpha dann rund ein Jahr später, am 4. Mai 2019, zeitgleich und am Stück ausstrahlen. Erzählt wird in Echtzeit, ohne Unterbrechung, von 6 Uhr morgens bis zum Folgetag 6 Uhr.

Länder, in denen gedreht wird: Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Spanien, Tschechische Republik, Ukraine und Ungarn.

Thomas Kufus, Zero One
Thomas Kufus, Zero One.

Thomas Kufus, Produzent bei Zero One, fasst den Hintergrund des Projekts so zusammen: »’24h Europe – We are the future’ ist für uns und alle Beteiligten in jeder Hinsicht eine neue Herausforderung – organisatorisch ebenso wie inhaltlich. Im Jahr des Brexit und der Europawahlen ist es aber auch ein Statement, und wir möchten Partei ergreifen: für die jungen Europäer, die eine Zukunft erben, die heute gemacht wird.«

Britt Beyer, als Projektregisseurin für dieses Mammutprojekt verantwortlich, führt aus: »Die Millennials werden oft beschrieben als unpolitisch und saturiert. Aber ist ihre Generation wirklich weniger politisch? Mit einer nationalen, europäischen oder sogar transnationalen Identität bewegen sie sich freier als jede Generation zuvor und müssen sich gleichzeitig zurechtfinden in der Multioptions-Gesellschaft. Unendliche Möglichkeiten, aber auch Verunsicherungen und Ängste. Welches Leben ist das richtige und welche Zukunft? Und ist die Zukunft noch zu retten? 45 europäische Regisseurinnen und Regisseure erzählen aus der Perspektive von 60 jungen Menschen, nicht länder- sondern themenspezifisch. Europa ist der Protagonist.«

Martina Zöllner, Projektleitung bei RBB, sagt dazu: »Die politische Vision vom friedlich geeinten und grenzenlosen Europa, sie scheint zu entschwinden. Das wirtschaftliche und soziale Gefälle wächst. Gesellschaftliche Spaltung und Rückbesinnung auf Nationales sind die Folgen; für Populisten goldene Zeiten. Wir wollen die Lebensrealität derer zeigen, die sich gerade aufmachen, in diesem Spannungsfeld ihren Weg zu finden, Haltung zu beziehen. Mit großem Aufwand hat das Team seine Protagonistinnen und Protagonisten gesucht, die es nun beim Dreh begleiten wird. ’24h Europa’ kann ein vielstimmiges und lebendiges Mosaik werden, und ein Ausblick auf das Europa von morgen.«

Markus Nievelstein von Arte Deutschland ergänzt: »Die Kolleginnen und Kollegen von Zero One 24 und Idéale Audience haben mit einer brillanten Recherche in ganz Europa sechzig junge Menschen gefunden, die uns ein spannendes Bild ihrer Generation vermitteln werden. Ich bin diesen Protagonistinnen und Protagonisten dankbar, dass sie uns Einblick gewähren in ihr Alltagsleben und uns teilhaben lassen an ihren Gedanken, Gefühlen und Aktivitäten. Unser Publikum wird unmittelbar vor der Europawahl 2019 einen 24stündigen lebendigen, authentischen und interkulturellen Blick in das Herz des jungen Europa werfen können. Arte weiß, dass es dabei auf die Erfahrung und Kreativität der Regisseurin Britt Beyer und des Regisseurs Vassili Silovic sowie der Produzenten Thomas Kufus, Volker Heise und Pierre Olivier Bardet setzen kann. Wir danken dem RBB für die redaktionelle Federführung und wünschen dem gesamten Team bei der Produktion viel Erfolg.«

Haben die 45 Drehteams das Material gesammelt, wird es in der Postproduktion und im Schnitt als parallele Erzählung mit einem Gleichgewicht zwischen dokumentarischer Beobachtung und faktischer Information geordnet. Der Film ist als Parallelmontage in Echtzeit mit wiederkehrenden Protagonisten, Themen und Orten angelegt – was um 9 Uhr gezeigt wird, ist auch beim Dreh um 9 Uhr passiert. Eine Struktur von halbstündlichen Zusammenfassungen und Ausblicken gibt Zuschauerinnen und Zuschauern die Möglichkeit, jederzeit in das Programm ein- und auszusteigen. »24h Europe« wird für die europaweite Ausstrahlung mit einem Voice-Over versehen.

Hintergrund

So beschreibt Zero One den Hintergrund und die Motivation  zu »24h Europe«:

Es sieht nicht gut für Europa aus. Das große visionäre Projekt der Nachkriegszeit steht vor einem Abgrund. Der Traum von offenen Grenzen, einem Binnenmarkt, einer europäischen Regierung, einem in Frieden geeinten Kontinent scheint in ferne Erinnerung zu geraten. Stattdessen wurde Brüssel zu einem Synonym für die Verwaltung der Bürokratie, ohne Kontakt zu den Menschen und ohne demokratische Kontrolle. Manche sehen den Euro als bodenlose Grube, andere als Selbstbedienungsschalter. Brexit, der Stand der Dinge in der Ukraine und die Grenzmauer könnten der letzte Nagel im Sarg sein. Wirklich?

Europas Zukunft ist jünger als 30 Jahre, Jugendliche und junge Erwachsene, die in absurden Zeiten leben. Die junge Generation stellte einst die Mehrheit der Bevölkerung und besaß die Macht, die Gesellschaft zu verändern. Jetzt sind sie die Minderheit. Von ihnen wird erwartet, dass sie die Zukunft gestalten, obwohl sie von den Alten überstimmt werden können. Die Marktwirtschaft rüstet ihr Betriebssystem auf, Informationen sind der neue Goldstandard und Daten-Handling die neue Schwerindustrie. Aber irgendwie basiert alles immer noch auf dem Nationalstaat und einem trüben Verlangen nach einer verlorenen Vergangenheit. Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der jungen Menschen in Großbritannien für die EU gewählt hat. Die jungen Europäer wollen vorwärts gehen.

Einige studieren in den Hauptstädten, sprechen fließend drei Sprachen und teilen eine Kultur, unabhängig von ihrem Herkunftsland: Polen oder Portugal, Finnland oder Frankreich, Griechenland oder Deutschland. Sie bilden eine neue, sich entwickelnde Identität, transnational, europäisch. Andere weigern sich, von der Moderne überrannt zu werden. Sie bestehen auf ihrer nationalen oder regionalen Identität und hassen es, in die Menge hineingezogen zu werden – vielleicht aus Angst, dass sie verschwinden könnten. Während einige in einem entkörperten Cyberspace verschwinden, fliehen andere aus den Städten, um sich auf die ultimative Katastrophe vorzubereiten und Gemüse anzubauen. Einige akzeptieren keine Geschlechtsidentitäten mehr, während andere sich nach der Rückkehr der Kernfamilie sehnen. Die einen träumen von einer Zukunft, vor der die anderen Angst haben. 

Entlang dieser Bruchlinien erkundet dieses Programm die weiteren Konfliktzonen und deren Auswirkungen auf das Leben der Protagonisten: unterhaltsam, dramatisch, überraschend. Nach und nach, Stunde für Stunde wird ein multipolares Netzwerk sichtbar – so komplex und uneinheitlich wie Europa selbst: radikale Differenzen auf einem Kontinent, gebündelt zu einem echten Test für Europa und zu einer Unabhängigkeitserklärung für die Zukunft.

Credits

Volker Heise, Zero One
Volker Heise, Zero One.

Neben Arte und dem RBB, der bei diesem Projekt die Federführung innerhalb der ARD innehat, ist eine Vielzahl weiterer nationaler und europäischer Sender an dem Großprojekt beteiligt. Produziert wird das Projekt von Zero One 24 in Koproduktion mit Idéale Audience, Arte Deutschland, Arte G.E.I.E., Arte France, RBB, SWR, BR/ARD-Alpha, RTBF und YLE, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg. Volker Heise, Regisseur und Urheber des Formats berät das Projekt als Supervisor, die Projektregie liegt bei Britt Beyer, Co-Regisseur ist der Franzose Vassili Silovic.

Facts

Hauptdrehtag: 15.06.2018
Dauer: 24 x 60 Min. / 1.440 Min.
Format: HD 1.920 x 1.080, 16:9
Ausstrahlung: 4. Mai 2019