Broadcast, Live, Streaming, Top-Story, Video: 23.07.2018

Sony kündigt Virtual Production Service an

Sony kündigt mit Virtual Production einen On-Demand-Cloud-Produktionsservice an, mit dem sich Live-Produktionen in der Cloud realisieren und direkt auf Facebook, Youtube oder anderen Plattformen streamen lassen. Beim Red Bull »Alpenbrevet«, einem populären Mofarennen in der Schweiz, war das System im Einsatz. Sechs Kameras begleiteten das Rennen, im Livestream konnten Zuschauer die Strecke verfolgen.



Eine qualitativ hochwertige und zuverlässige Live-Produktion erforderte bisher immer eine umfangreiche technische Infrastruktur, lange Auf- und Abbauzeiten und entsprechend viele Mitarbeiter in den Technik- und Kreativbereichen. 

Virtual Production Service
Der Virtual Production Service ist ein cloudbasierter Mischer.

Sony präsentiert nun mit dem Virtual Production Service eine Lösung, mit der sich Live-Events einfacher und kostengünstiger produzieren lassen. Damit wolle man die Lücke schließen, die man aktuell zwischen teuren Live-Produktionen auf der einen und zwischen einfachsten Smartphone-Live-Produktionen auf der anderen Seite sehe.

Virtual Production
Live-Content für Second Screens werde zunehmend wichtiger, so Sony.

Einen Bedarf dafür sieht Sony definitv. Nicolas Moreau, Product Marketing Manager, ist sich sicher, dass Unternehmen wie Red Bull, aber beispielsweise auch Event-Produzenten künftig  mit Virtual Production Service mit vergleichsweise geringem Aufwand Liveproduktionen für Social-Media-Auswertungen realisieren können. Hochwertig produzierter Live-Content, so Moreau,  werde künftig auch zunehmend auf Second Screens erwartet – und dafür brauche man eine praktikable und kostengünstige Lösung.

Virtual Production, Nicolas Moreau
Nicolas Moreau, Product Marketing Manager bei Sony

Mit dem Virtual Production System positioniere man sich nicht als Konkurrenz von LiveU, deren Systeme vielfach im Einsatz sind, um auf Basis von Mobilfunknetzen schnelle Live-Schaltungen zu Korrespondenten zu realisieren. Vielmehr habe man mit Virtual Production Service Live-Produktionen im Auge, die bisher an zu hohen Produktionskosten gescheitert seien, für die es aber durchaus Interessenten gäbe: etwa Sport in den unteren Ligen, aber auch Konzerte, Festivals oder Kunst-Events. Sie könnten nun dank Virtual Production Service mit überschaubarem Aufwand als Livestream produziert werden – und zwar auf einer Pay-as-you-go-Basis, erläutert Moreau.

Virtual Production, Alpenbrevet
Am 21. Juli fand der Alpenbrevet statt.

Beim Alpenbrevet, einem populären Mofa (»Töffli«) -Rennen in den Schweizer Bergen, setzte Red Bull die Lösung am vergangenen Woche erfolgreich ein. Mehr dazu auf Seite 2 des Beitrags. 

Virtual Production Service
Virtual Production, Alpenbrevet
Die GUI des Mischers ist einfach konzipiert.

Der Virtual Production Service von Sony zielt darauf ab, einen reibungslosen Produktions-Workflow mit Zugriff auf einen Cloud-basierten professionellen Mischer zu bieten und den Programmfeed dann schnell an soziale Netzwerke, Websites, Apps oder CDN-Plattformen weiterzugeben. Benutzer sollen dabei nur für das bezahlen, was sie brauchen. 

Admin/Setup

Die Oberfläche der Cloud-Software ist übersichtlich gestaltet. Zunächst loggt sich der Nutzer in seinem personalisierten Portal ein. Welche Rolle er hat, welche Software-Aufgaben er ausführen darf, kann der Admin festlegen und damit bestimmen, ob der Nutzer den Bildmischer nutzen, Grafiken einbauen oder auch andere Jobs erledigen darf. In der einfachsten Spielart wird es so sein, dass eine Person den Event »produziert«, also die Software bedient und alle Quellen mischt. 

Kamera-Setup

Virtual Production, Alpenbrevet
Externe Logos lassen sich leicht einfügen.

Die Quellen, die Virtual Production Service verarbeiten kann, müssen vor Beginn der Produktion definiert und im Cloud-Mischer angelegt werden. Die Kameras senden ihre Signale drahtlos zum virtuellen Produktionsmischer, den Sony in der Cloud über Amazon Web Services bereitstellt. Sie laufen also nicht in einem Ü-Wagen auf, sondern in der Cloud.

Damit sich eine Kamera einbinden lässt, muss sie wie erwähnt über Drahtlos-Funktionalität verfügen. Viele Sony-Camcorder bieten das von Haus aus an, aber es ist möglich, mit einem WLAN-Adapter wie dem CBK-WA02 auch Camcorder ohne eingebaute Drahtlosfunktionen einzubinden.

Ist dieses Setup einmal erfolgt, stehen die diversen Quellen im virtuellen Produktionsmischer für die Erstellung des Livestreams zur Verfügung. Für die Nutzung von 720p-Signalen gibt Sony eine erforderliche Bandbreite von 6 Mbps an, für 1080i sind es 10 Mbps. 

Produktion in der Cloud

Virtual Production, Alpenbrevet
Es ist sogar möglich, Twitterfeeds zu integrieren.

Über die GUI können die Nutzer auf die Kamerafeeds zugreifen. Sony gibt für die Kameraquellen eine Latenz von ca. zwei Sekunden an. Die Quellen lassen sich wie mit einem ganz normalen Mischer bearbeiten und als Programmfeed ausgeben. Es ist auch möglich, Grafiken und Logos einzubinden. Selbst vorproduzierte Clips könne als Quellen zur Verfügung stehen. Ein einfaches Titelmodul ist ebenfalls vorgesehen, und über den Audioregler lässt sich genau festlegen, was mit dem Ton der jeweiligen Quelle geschehen soll. Im Effektbereich ist es unter anderem möglich, Picture-in-Picture Effekte zu realisieren. 

Die Einbindung von Twitterfeeds hat Sony ebenfalls vorgesehen. So lässt sich der Livestream mit aktuellen Zuschauerreaktionen ergänzen.

Livestream für Social Media

Virtual Production, Alpenbrevet
Für den Ton steht ein Mischerbereich zur Verfügung.

Der Programmfeed, der mit dem virtuellen Mischer produziert wird, lässt sich auf unterschiedlichste Plattformen ausgeben, einschließlich YouTube und Facebook Live. Das Besondere hierbei: all dass ist möglich, ohne zusätzliche Software installieren zu müssen – Sonys Cloud-Produktions-Software wickelt diese Aufgaben im Hintergrund ab. Ganz generell hebt Sony die hohe Qualität hervor, die das System liefert, etwa in Bezug auf bildgenaues Mischen und die Bildqualität. 

Abrechnungsmodell und Verfügbarkeit

Sony will den Virtual Production Service auf Basis der tatsächlichen Nutzung abrechnen. Die Kosten für 4 Stunden Programmproduktion pro Monat sollen 300 Euro und die für 10 Stunden 700 Euro betragen. Noch höhere Volumina will Sony individuell abrechnen. Grundsätzlich betont Sony, dass man lediglich den Zugang zu diesem Service bereitstelle. 3rd-Party-Anbieter könnten dann den Kunden auch komplette Produktionspakete anbieten, die etwa auch Kameradienstleistungen umfassten, so Nicolas Moreau.

Ab September soll der Service verfügbar werden. 


Nicolas Moreau stellt beschreibt die Fähigkeiten von Virtual Production.
Herausforderungen

Was passiert, wenn nicht genügend Bandbreite zur Verfügung steht, wenn es Signalausfälle gibt, die 4G-Leitung nicht stabil genug ist, der Laptop, mit dem produziert wird, abstürzt? 

Berechtige Fragen, für die Sony Antworten hat. So ist etwa mit Sony QoS ein Streamingtechnologie im Einsatz, die, plakativ gesprochen, für bessere und stabilere Bilder sorgen soll, so dass es beispielsweise keine Bildausfälle gibt und die Bildqualität insgesamt besser wird. Wenn Kamerasignale gar nicht mehr übertragen werden können, weil das 4G-Netz zu schwach ist, kann das natürlich auch Sony nicht aufhalten. Aber mit der Option, auch Grafiken oder andere Clips einzuspielen, gibt es für solche Fälle immerhin eine Ausweichmöglichkeit für den Programmfeed.

Falls der Rechner, von dem aus der Virtual Production Service genutzt wird, abstürzen sollte, wird der Programmfeed davon nicht beeinflusst und die Übertragung läuft mit der Quelle weiter, die zuletzt eingestellt war – solange, bis eine neue Quelle ausgewählt wird. 

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