Branche, Kamera, Recording, Top-Story, Trend: 02.06.2001

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JVC hat mit D9 ein völlig eigenständiges, digitales 1/2-Zoll-Bandformat entwickelt. Als Digital-S geboren, wird es nun unter dem Namen D9 vermarktet.

B_0401_JVC_cinelineD9-Camcorder von JVC: DY-90 im Cineline-Outfit.

Jm Frühjahr 1995 stellte JVC der Öffentlichkeit erstmals vor, wie man sich im Haus des VHS-Erfinders die Zukunft der digitalen Videoaufzeichnung vorstellt: Digital-S war geboren. Mittlerweile wurde Digital-S von den internationalen Normungsgremien unter der Bezeichnung D9 standardisiert und anerkannt. JVC setzt seither verstärkt die Bezeichnung D9 anstelle von Digital-S ein.

Die wichtigsten Argumente, die JVC ins Feld führt, um D9 von den konkurrierenden Formaten positiv abzuheben, sind Zahlen: 50 Mbps (Video-Datenrate), 3,3:1 (Kompression) und 4:2:2 (Abtastverhältnis). Zusammengenommen sollen diese Zahlenwerte D9-Käufern eine höhere Signalqualität garantieren, als DV, DVCPRO und DVCAM sie bieten. Generell sind es vor allem die Robustheit und die hohe Datensicherheit des Formats, die JVC hervorhebt. Der Hersteller misst sein Format lieber an Digital Betacam als an den 25-Mbps-Formaten.

Ihre volle Schlagkraft entfalten die genannten Zahlen aber erst in der Kombination mit den Ziffernfolgen aus der D9-Preisliste: Für vergleichbare Signalqualität muß man bei anderen Formaten, etwa bei DVCPRO50, tiefer in die Tasche greifen. Allerdings sind die DV-verwandten Systeme weiter verbreitet, erlauben die direkte Einbindung von Consumer-DV und bieten insgesamt eine größere Produktvielfalt, weil D9-Geräte bislang ausschließlich von JVC produziert werden.

D9 arbeitet mit 1/2-Zoll-Band, die verwendete Kassette hat die äußeren Abmessungen einer VHS-Kassette. Allerdings ist das Kassettengehäuse gegenüber VHS und S-VHS in etlichen Punkten deutlich verbessert. So ist etwa das Band, sobald es aus dem Recorder ausgeworfen wird, stets staubdicht und berührungssicher abgedeckt. Zudem sind die Kassetten mit Metallpartikelband gefüllt.

D9 arbeitet mit der prinzipiell gleichen Art von Video-Datenkompression wie DV, komprimiert aber weniger stark. Die gesamte, auf das Band geschriebene digitale Datenrate beträgt 99 Mbps (Video, Audio, Subcode und Fehlerschutz). 50 Mbps davon sind Videodaten. Neben dieser doppelt so hohen Dateenrate ist der zweite wichtige Unterschied von D9 zu DVCPRO und DVCAM die Signalverarbeitung, die mit 4:2:2 erfolgt, anstatt mit 4:1:1 oder 4:2:0.

Im Tonbereich sind vier Kanäle vorgesehen, die meisten Geräte aus dem D9-Modellprogramm bieten allerdings nur zwei Tonspuren. Laut JVC lassen sich Bänder zwischen Maschinen mit zwei und vier Tonkanälen problemlos austauschen: 2-Kanal-Geräte können einfach nur die Kanäle 1 und 2 aufzeichnen und wiedergeben.

Über die SDTI-Schnittstelle ist es prinzipiell möglich, komprimierte Daten mit einer D9-Maschine in zweifacher Geschwindigkeit auszuspielen und aufzunehmen.

Auch im 32fachen Suchlauf bieten D9-Maschinen noch ein gut erkennbares, farbiges Bild. Eines der D9-Player-Modelle, der BR-D51, kann zusätzlich zu D9-Kassetten auch S-VHS-Kassetten abspielen. Zwei der aktuellen D9-Recorder-Modelle (BR-D92 und BR-D85) bieten die Funktion Preread-Editing.

JVC bietet auch Versionen von D9-Maschinen an, die mit 100Mbps Videodatenrate arbeiten: Mit diesen Geräten sollen HDTV-Signale komprimiert auf Band gespeichert werden.

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T_0601_BGD9.pdf

Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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