Kamera, Test, Top-Story: 19.04.2006

Multiformat-Camcorder HVX200: Zwei Seelen

Panasonic liefert jetzt mit dem AG-HVX200 einen Multiformat-Camcorder aus, der in verschiedenen SD- und HD-Auflösungen auf Band sowie auf P2-Speichermedien aufzeichnen kann. www.film-tv-video.de hat den lange erwarteten Camcorder ausprobiert. (PDF-Download am Textende.)

Was ist das Besondere am Panasonic AG-HVX200? Die kurze Antwort lautet: Der Camcorder kann wahlweise auf Band oder auf Festspeicher aufzeichnen, ermöglicht dadurch ganz neue, effektive Arbeitsweisen und bietet ganz nebenbei eine für seine Preisklasse sensationelle Bildqualität.

Das Dual-Drive-Konzept macht das Gerät vielseitig einsetzbar, doch diese Flexibilität hat auch ihren Preis – und beim HVX200 gilt das im Wortsinn: Das P2-Speichermedium, das der HVX200 immer braucht, wenn man bandlos arbeiten und immer, wenn man in HD aufnehmen will, ist nämlich ziemlich teuer. Rund 575 Euro kostet die 4-GB-Karte, 1.260 Euro die doppelt so große Version (die älteren 2-GB-Karten akzeptiert der Camcorder nicht). Das ist eine Menge Geld im Vergleich zu den Preisen für ein DV-Videoband — wobei dieser Vergleich natürlich in mehrfacher Hinsicht hinkt.

Zweite Spaßbremse: Auf die derzeit größte verfügbare, acht Gigabyte große P2-Card passen in der besten Qualitätsstufe (DVCPROHD mit 100 Mbps Videodatenrate) gerade mal acht Minuten Material. Selbst für Kameraleute, die für News oder Magazine drehen, ist das nicht viel Speicherkapazität – der ambitionierten Semiprofi kommt damit ohnehin nicht aus. Immerhin: die Preise der P2-Karten gehen langsam nach unten. Dennoch muss man kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass der hohe Preis des Speichermediums bei der Markteinführung dieses Camcorders der entscheidende Hemmschuh ist.

Bild

Panasonic schickt mit dem HVX200 einen äußerst vielseitigen Camcorder ins Rennen, der in SD gleichermaßen wie auch in HD aufzeichnen kann. Wenn der HVX200 Bild und Ton auf Kassette aufzeichnet, findet das grundsätzlich nur im DV-Modus, also mit Standardauflösung (576i) statt. Wird auf P2-Speicherkarte aufgezeichnet, sind noch etliche weitere Formate möglich: Neben den SD-Varianten DV, DVCPRO und DVCPRO50 kann der HVX200 dann auch in HD aufzeichnen, und zwar im DVCPROHD-Format mit 1080 Zeilen und 25p oder 50i sowie mit 720 Zeilen und 50p, <LEX>25p</LEX> oder 25pn.

Im populären HDV-Format kann der HVX200 nicht aufzeichnen. Das ist ein entscheidender Unterschied zu den HDV-Camcordern von Sony, JVC und Canon. Panasonic habe sich bewusst für »echtes HD« entschieden, wie das Unternehmen betont – und auf »Consumer-HDV« verzichtet. Die entscheidende Frage für die Tester lautet deshalb: Macht sich dieser Unterschied bemerkbar? Sieht »echtes HD« — beim HVX200 in Form von DVCPROHD in 720P und 1080i — tatsächlich besser aus als HDV? Auch hier gibt es eine kurze Antwort: Ja, es sieht tatsächlich besser aus — alles andere wäre eine Schande für Panasonic, denn schließlich ist die Videodatenrate bei DVCPROHD viermal so hoch wie bei HDV. Befürworter von HDV führen in diesem Zusammenhang meist an, dass die MPEG-2-Kompression von HDV wesentlich effektiver arbeite, als die DV-Kompression, die bei DVCPROHD zum Einsatz kommt — was zweifellos stimmt. Dennoch macht sich die vierfache Datenrate und die reine Intraframe-Kompression von DVCPROHD positiv bemerkbar.

Bei der genaueren Beurteilung der verschiedenen Aufzeichnungsarten des HVX200 muss man differenzieren.

DVCPROHD mit 1080/50i: Das Bild, das der HVX200 in diesem Modus auf die Karte schreibt, ist schlicht und einfach beeindruckend. Farben, die leuchten, aber nicht knallen, Kanten, die absolut ruhig stehen und Motive, die vor Schärfe strotzen, ohne übermäßig aufgesteilt zu wirken, ruhige, rauscharme Bilder. Das ist der erste Eindruck, den man gewinnt und der sich bei vielen unterschiedlichen Motiven festigt. Im Vergleich zu den HDV-Bildern, die ein FX1/Z1 von Sony, ein GY-HD100 von JVC oder auch ein XL-H1 von Canon bieten, ist Panasonics HVX200 in puncto maximaler Bildqualität einfach besser und näher dran an der Realität. Auch bei kritischen »Bewegungsmotiven«, bei denen etwa Autos durchs Bild fahren oder Radfahrer vorbei rauschen, sehen die Bilder sehr viel besser aus als beim oftmals stroboskopartig wirkenden und zu übergroßer Bewegungsunschärfe neigenden HDV-Format.

DVCPROHD mit 720/50p: Die Bilder, die der HVX200 in diesem Modus liefert, stehen — wenn man sie auf einem progressiv arbeitenden Display betrachtet — den 1080/50i-Bilder nicht nach: weder in puncto Schärfe noch bei der Farbechtheit und auch nicht bei der Auflösung. Beim Blindtest mit vergleichbaren Aufnahmen taten sich die Tester mitunter recht schwer, die Bilder der beiden HD-Aufzeichnungsarten auseinander zu halten. Klares Indiz: Bei Bildern mit schneller Bewegung im Motiv sahen die progressiven 50 Vollbilder einfach fließender und sauberer aus als 50 Halbbilder. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal: zeigte sich: Bei den HVX200-Aufnahmen waren ruhig stehende Schriften, etwa auf Schildern und Werbeplakaten, in1080/50i meist einen Deut besser lesbar als in 720p.

DV: Wer den HVX200 als DV-Camcorder einsetzt und in DV auf Band aufzeichnet, kann auswählen, ob er mit klassischen 50i oder doch lieber mit filmähnlicheren 25p aufzeichnen möchte. Im Test lief parallel zu Panasonics HVX200 der Sony-DV-Camcorder PDX10 mit, ein 3-CCD-Camcorder, der den Testern schon bei zahlreichen Tests als Bezugspunkt diente. Auch Testaufnahmen des DVX100 von Panasonic, der ja irgendwie der Urvater des HVX200 ist, wurden herangezogen. Im Direktvergleich konnte der wesentlich jüngere und teurere Panasonic bei der Aufzeichnung in DV mit 50 Halbbildern eindeutig die besseren Bilder liefern: Sowohl in puncto Auflösung wie auch bei der Farbtreue. Die Bilder, die der 200er macht, sind einen Tick besser durchgezeichnet und bieten auch eine höhere Bildruhe: selbst bei kritischen Motiven ist nur geringes Bildrauschen auszumachen.

Im Lowlight-Bereich lagen der PDX10 und der HVX200 gleichauf, wobei beide Camcorder keine überragenden Lowlight-Ergebnisse liefern, sondern im Vergleich zu anderen Camcordern doch relativ zügig die Segel streichen, wenn in dunkler Umgebung aufgenommen wird.

Insgesamt lässt sich aber sagen, dass der HVX200 im DV-Modus bei der Bildqualität das hohe Niveau des DVX100 erreicht und in einigen Aspekten übertrifft. Beim Thema Seitenverhältnis beherrscht der HVX200 in 576i neben 4:3 noch 16:9 im Letterbox– und Squeeze-Modus.

Down-Konversion: Man kann mit dem HVX200 in HD auf P2 aufnehmen und das so gewonnene Bildmaterial anschließend ohne Zusatzgeräte auf DV-Band kopieren. Dabei gilt, genau wie bei der normalen Wiedergabe: Nur wenn die Aufnahme-Parameter des Geräts so eingestellt werden, wie bei der Originalaufnahme, lässt sich der jeweilige Clip auf der P2-Karte abspielen. Ist dieser Zustand erreicht, kann von P2 auf DV-Band kopiert werden. Was dabei auf dem DV-Band an Qualität erreicht wird, ist recht ordentlich, solange man mit der identischen Bildrate und im gleichen Abtastmodus (<LEX>progressive</LEX> oder <LEX>interlace</LEX>) arbeitet, ansonsten treten mitunter deutliche Artefakte auf.

Interessant: Down-konvertierte HD-P2-Aufnahmen sahen im Test auf DV-Band ganz anders aus, als wenn man unter den exakt gleichen Umständen direkt auf DV aufnimmt. Das down-konvertierte Material sah im Test im Vergleich zu den Original-DV-Aufnahmen beispielsweise deutlich entsättigt aus und hatte eine abweichende Farbstimmung. Das kann man mit den umfangreichen Eingreifmöglichkeiten, die der Camcorder bietet, wahrscheinlich kompensieren, das erfordert aber Zeit, die man vor Ort sicher nicht hat. Daher gilt: Vorher experimentieren, wenn man diese Funktion nutzen will. Beim Thema Detail weist Panasonic in der Bedienungsanleitung indirekt auf eine mögliche Abweichung hin und empfiehlt, die Detail-Einstellung anzuheben, wenn man einen Kopiervorgang von P2 auf Band plant. Es ließen sich im Test aber über diesen Sachverhalt hinaus keine generellen Vor- oder Nachteile ausmachen, wenn man erst in HD aufnimmt und dann downkonvertiert: Es gibt also letztlich keinen Grund, diesen zusätzlichen Aufwand zu treiben, wenn das Endergebnis der Dreharbeiten eine DV-Kassette sein soll — mit einer Ausnahme, auf die später noch die Rede kommen wird.

Ton

Panasonics HVX200 zeichnet den Ton abhängig vom eingestellten Aufzeichnungsformat auf. Bei der DV-Aufzeichnung auf Band sieht der Camcorder wie im DV-Format festgelegt wahlweise zwei Kanäle mit 48 kHz oder vier Kanäle mit 32 kHz vor. Das gilt im DV- und im DVCPRO-Format auch dann, wenn auf das P2-Speichermedium aufgezeichnet wird. Bei DVCPRO50 hingegen, wie auch bei DVCPROHD, zeichnet der Camcorder auf P2 standardmäßig vier Audiokanäle mit 48 kHz auf.

Wie klingt der HVX200? Um es kurz zu sagen: Es gab keine Besonderheiten oder Auffälligkeiten. Wird mit dem eingebauten Stereomikrofon aufgezeichnet, liefert der Camcorder ordentliche Ergebnisse, wie man sie in dieser Preisklasse erwartet. Über zwei XLR-Audioeingänge lässt sich auch ein hochwertigeres externes Mikrofon oder ein Mischpult anschließen. Das ist Standard in dieser Klasse und für die überwiegende Anzahl von Einsätzen auch vollkommen ausreichend.

Ausstattung und Bedienung

Sieht man den HVX200 auf Fotos, erinnert er sehr stark an den erfolgreichen Panasonic-25P-Camcorder DVX100 (ein umfassender Test dieses Camcorders steht hier zur Verfügung, ein Vergleichstest mit dem PD170 hier und hier finden Sie einen Test der Version DVX100A). In der Realität ist er allerdings deutlich größer und voluminöser — das Volumen dürfte in etwa beim 1,5fachen liegen. Damit steht der HVX200 von der Baugröße eigentlich zwischen den üblichen Henkelmännern und einem Schultercamcorder, ist aber von der Bauart wie ein Kompakt-Camcorder ausgeführt. Das ist nicht in allen Einsatzfällen günstig, mitunter wünscht man sich durchaus einen kleineren, leichteren Camcorder.

Auch bei der Ausstattung ist deutlich der DVX100 als Vorbild zu erkennen. Vieles, was sich dort schon bewährt hatte, gibt es auch beim HVX200 – und dazu noch etliches mehr. Sogar das typische Klappern im Objektiv, das beim DVX100 auftritt, wenn man den ausgeschalteten Camcorder horizontal hält und in der Objektivachse schnell vor und zurück bewegt, hat auch der HVX200 geerbt.

Der HVX200 ist mit 1/3-Zoll-IT-Chips ausgerüstet und verfügt über ein HD-Objektiv von Leica. Das bietet umgerechnet auf 35-mm-Foto einen Brennweitenbereich von 32,5 bis 423 mm. Mit dieser recht guten Weitwinkel-Wirkung und dem weit reichenden Telebereich kann sich das Objektiv durchaus sehen lassen.

Stichwort Objektiv: Der endlos drehbare Schärfering steuert den Fokus über Servomotoren, läuft aber sehr gut, liegt griffig in der Hand und kann es vom Scharfstellgefühl durchaus mit dem einen oder andere Profi-Objektiv aufnehmen. Das gilt auch für den mechanisch bedienbaren Zoomring mit Endanschlag. Wer sich für den Einsatz des Motorzooms entscheidet, der kann mit der Zoom-wippe unterschiedliche Geschwindigkeiten umsetzen – das geht butterweich und von langsam bis zügig kommandiert die Wippe das Linsensystem exakt und feinfühlig, lässt sich dabei sehr angenehm bedienen. Eingeschränkt sind Funktionsumfang wie Komfort, beim Zoomen mit der zweiten, in den Handgriff integrierten Wippe.

Beim Gewicht hat der HVX200 im Vergleich zum DVX100 deutlich mehr auf den Rippen: Rund 2,7 kg bringt er inklusive Akku und Speichermedien auf die Waage. Schon äußerlich lassen sich die zusätzlichen Pfunde nicht verbergen: Der HVX200 wirkt ein bisschen moppelig und geht insbesondere vorne am Objektiv sehr in die Breite. Für einen Camcorder dieser Klasse ist das insgesamt ein bisschen massig, hier wäre etwas weniger mehr. Dass Panasonic den Camcorder auch mit einem dicken Akku ausliefert, hat einen guten Grund: Der HVX200 zieht ordentlich Leistung, mit einem kleineren Akku kommt man nicht sehr weit.

Praktisch: Wie schon der DVX100, hat auch der HVX200 einen komplett ebenen, recht robust wirkenden Boden, der die sichere und stabile Montage auf verschiedensten Stativsystemen erlaubt.

Der 4:3-Sucher des HVX200 zeigt in der Grundeinstellung ein 16:9-Letterbox-Bild, was es dem Kameramann erlaubt, die wichtigsten Status- und Funktionsanzeigen in den Balken ober- und unterhalb des Bildes einzublenden. Das Sucherbild hat eine Diagonale von 0,44 Zoll und bietet 235.000 Pixel. Zusätzlich bietet der Camcorder einen ausklappbaren 3,5-Zoll-LC-Schirm mit 210.000 Pixel, der zuverlässige Bildkontrolle beim Dreh erlauben soll, auf dem sich aber auch kleine Piktogramme der aufgezeichneten Clips anzeigen lassen.

Es ist allerdings nicht möglich, den Sucher und das Display parallel zu betreiben, der Kameramann muss sich für das eine oder das andere entscheiden.

Besonders im HD-Modus ist es mit dem Sucher und dem Display schwer, zuverlässig manuell scharf zu stellen. Deshalb hat Panasonic eine Focus-Assist-Funktion in den HVX200 integriert, die hilft, die Schärfe im Sucher besser beurteilen und einstellen zu können. Dabei wird der mittlere Teil des Motivs in einem Fenster mit farbigem Rahmen vergrößert dargestellt. Diese Einstellhilfe ist wirklich nützlich und leicht zu handhaben.

Auch eine für die Sucher und Display-Darstellung zuschaltbare Kantenaufsteilung (EVF Detail) hat der Hersteller nicht vergessen. Dennoch bleibt besonders im HD-Modus beim manuellen Fokussieren eine Restunsicherheit, die man nur mit einem größeren, separaten Schirm mit höherer Pixelzahl eliminieren kann.

Wie schon der DVX100 kann auch der HVX200 zahlreiche Statusinfos ins Sucherbild einblenden. Eine davon ist die Zoomposition, die beim HVX200 aber nicht nur in der Version »Z00 bis Z99«, sondern auch als Brennweite in mm ein angezeigt werden kann. Einen Belichtungsmesser, der den Prozentwert innerhalb des Markerfensters misst, bietet der HVX200 ebenfalls.

Eine Funktion, die mittlerweile die meisten Profi-Camcorder bieten, ist Syncro Scan. Darüber lässt sich der Shutter an die Frequenz eines Monitors angleichen, der abgefilmt werden soll. Der HVX200 bietet hier einen Einstellbereich bis rund 250 Hz.

Ein weiteres Ausstattungs-Detail des HVX200, das vom DVX100A her bekannt ist, sind die sechs Scene-Files, die der Kameramann abrufen, bei Bedarf aber auch individuell anpassen kann. Wie der 100er bietet auch der 200er dabei zahlreiche Möglichkeiten, ins Bild einzugreifen und etwa Gamma, Knie oder Chroma anzupassen. Selbst die Farbmatrix lässt sich mit vier vorgegebenen Programmen anpassen. Ebenfalls schön und mittlerweile auch bei Camcordern in dieser Klasse gut eingeführt, sind die User-Tasten, die sich mit Funktionen wie ATW, Backlight, Gain oder ähnlichem belegen lassen. Der HVX200 bietet gleich drei davon, was beim Drehen sehr nützlich ist. Der Camcorder bietet außerdem einen Slot für eine SD-Karte, auf der sich etwa Scene-Files speichern und aufrufen lassen.

Der HVX200 hat zwei P2-Slots und ein DV-Laufwerk. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich viele verschiedene Möglichkeiten auszudenken, wie man diese Aufnahmemöglichkeiten miteinander kombinieren könnte. Das braucht man aber gar nicht zu tun, denn fast gar nichts davon hat Panasonic im HVX200 auch wirklich umgesetzt. Man kann es so sehen: Der HVX200 ist ein 2-in-1-Gerät aus einem DV- und einem P2-Camcorder, die zwar im gleichen Gehäuse stecken und gemeinsame Komponenten nutzen, aber sonst nicht viel gemeinsam haben.

Der Camcorder kann entweder als Band-Camcorder in DV arbeiten, oder als bandloser Camcorder in den anderen Formaten, die er beherrscht. Um vom einen in den anderen Modus zu wechseln, muss man den Camcorder nicht nur um, sondern auch einmal aus- und wieder einschalten. Es gibt also keinen nahtlosen Übergang zwischen verschiedenen Betriebsarten. Eigentlich gibt es nur eine einzige Verbindung zwischen der P2- und der DV-Funktionalität: Man kann im Gerät Material von P2 auf DV-Kassette kopieren und dabei — wenn nötig — down-konvertieren.

Unter mindestens einem Aspekt ist diese interne Umkopierfunktion des HVX200 ein sehr sinnvolles Feature: Der HVX200 erlaubt Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen mit unterschiedlichen Bildraten — im 720p-Modus auf P2-Karten. Diese Aufnahmen lassen sich nach der Aufnahme auf DV-Kassette umkopieren. Damit ist der HVX200 der erste kompakte DV-Camcorder, der eine echte, flexibel einstellbare Zeitlupen- und Zeitrafferfunktion bietet.

Dass zwei getrennte Herzen in der Brust des HVX200 schlagen, kann man auch daran erkennen, dass nicht einmal die Kassette gewechselt werden kann, wenn der Camcorder auf P2-Betriebsart geschaltet ist: Der Druck auf die Eject-Taste des Kassettenfachs bleibt in diesem Fall einfach wirkungslos. Auch in anderen Aspekten tut sich der HVX200 mit paralleler Funktionalität schwer: In vielen Bereichen gilt »entweder oder«. Das Bild wird entweder im Sucher oder auf dem Ausklappschirm dargestellt. Bilder werden entweder über Y/C oder über den Komponentenausgang abgegeben.

Echter Mischbetrieb mit verschiedenen Formaten auf der gleichen P2-Karte ist ebenfalls nur bedingt zu empfehlen: Um einen gespeicherten Clip abspielen zu können, muss der Camcorder im exakt gleichen Modus betrieben werden, wie bei der Aufnahme. Hat man also einen SD- und einen HD-Clip auf der Karte und will diese nacheinander abspielen, muss man dazwischen den Camcorder entsprechend umstellen — und zwar nicht nur den Playback- sondern auch den Recording-Mode.

Wie die professionelle Varicam von Panasonic kann auch der AG-HVX200 in <LEX>720p</LEX> (und nur in dieser Auflösungsstufe) mit unterschiedlichen Frame-Raten aufzeichnen. Was bringt das? Auf diese Weise lassen sich, wie schon erwähnt, Zeitlupen- und Zeitraffer-Aufzeichnungen realisieren – und das mit tatsächlich veränderter Bildrate schon während der Aufnahme und nicht erst durch elektronische Tricks bei der Wiedergabe — wie mit einer Filmkamera.

Um Zeitlupen oder Zeitraffer-Aufnahmen machen zu können, sind allerdings zunächst etliche — teilweise umständlich gelöste — Einstellungen im Menü notwendig. Grundsätzlich muss der Camcorder zur Nutzung dieser Funktion in den Modus »Film-Cam« versetzt und auf 25pn eingestellt werden — so bezeichnet Panasonic den Modus für variable Bildrate. Dann kann in einem anderen Menü die tatsächlich gewünschte Bildfrequenz in elf Schritten zwischen 12 und 50 Frames eingestellt werden. Mit 12 Frames entstehen die mit dem HVX200 maximal beschleunigten Zeitraffer-, mit 50 Frames die maximal gedehnten Zeitlupenaufnahmen. Das funktioniert innerhalb des Camcorders gut und lässt sich auch über die Videobuchsen problemlos ausgeben. Im Zusammenspiel mit NLE-Systemen steckt aber hier eindeutig Problempotenzial, wenn solche Passagen direkt digital übernommen verarbeitet werden sollen.

Nützlich ist die Pre-Record-Funktion, die im Profibereich schon länger bekannt ist und die auch der HVX200 bietet: Die Kamera nimmt in dieser Betriebsart endlos auf, sobald man auf den Auslöser drückt, bleiben im HD-Modus drei Sekunden, in SD sechs Sekunden der Ereignisse gespeichert, die vor dem Auslösen passiert sind — und der Camcorder läuft ab dann im normalen »Record«-Betrieb weiter. In eine ähnliche Richtung geht die Loop-Recording-Funktion, die dafür sorgt, dass in einer Endlosschleife Material auf die beiden P2-Karten des HVX200 aufgezeichnet wird. Ist die eine Karte voll, wird auf die nächste geschrieben, ist diese voll, wird die erste Karte wieder überschrieben.

Grundsätzlich ist mit dem HVX200 auch Endlosaufnahmebetrieb möglich, weil er über zwei P2-Slots verfügt und man volle Karten während der Aufnahme durch leere ersetzen kann. Inwiefern sich das in der Praxis sinnvoll umsetzen lässt, ist allerdings eine offene Frage.

Clips auf der P2-Karte stellt der Camcorder als Thumbnail-Liste dar. Diese Darstellung wird auch über die Y/C- und die Komponenten-Buchse ausgegeben.

Wie (fast) alle Geräte, die viel können, ist auch der HVX200 nicht in allen Aspekten ganz leicht zu bedienen. Mit den Grundfunktionen kommt man leicht zurecht, vor allem wenn man den DVX100 oder andere Panasonic-Camcorder kennt. Weite Teile der Funktionalität sind wie üblich in Einstell-Menüs versteckt. An manchen Stellen hilft Logik aber nicht weiter, sondern nur noch der Blick in die Bedienungsanleitung oder die Nachfrage bei jemandem, der sich mit dem Gerät schon besser auskennt.

Mit der Position und Ausrichtung der Menü-Bedientasten konnten sich die Tester nicht anfreunden: Die Cursor-Tasten sind zwar oben auf dem Gerät angebracht, aber wegen des Handgriffs im Praxisbetrieb oft nicht gut zu erreichen. Zudem ist ihre Beschriftung und Kennzeichnung schlecht ablesbar. Außerdem drückt man gern mal auf die falsche Cursor-Taste, wenn man auf dem seitlich ausgeklappten Schirm durch das Menü springen will: Das Tastenfeld ist gegenüber dieser zweifellos am häufigsten genutzten Schirmposition um 90 Grad verdreht.

Anschlüsse

Recht spendabel war Panasonic bei den Anschlüssen: Für den Anschluss eines externen Mikrofons stehen zwei XLR-Buchsen zur Verfügung. Bild und Ton kann der HVX200 über verschiedene Buchsen ausgeben. So gibt es eine Cinch-Buchse für ein FBAS-Bild und zwei weitere Cinch-Buchsen für Stereoton. Sehr löblich, dass sich Panasonic hier nicht für eine kombinierte AV-Spezialbuchse entschieden hat, wie sie mittlerweile viele Camcorder bieten, um Bild und Ton analog auszugeben. Weiter bietet der Camcorder auch eine Y/C-Buchse, die als Aus- und auch als Eingang beschaltet ist. Über eine Komponentenbuchse ist es mittels Spezialkabel möglich, die aufgezeichneten SD- oder HD-Signale via Komponente auszugeben. Zusätzlich gibt es natürlich auch eine IEEE-1394-Buchse, über die der HVX200 DV- und DVCPRO-Signale ausgeben kann. Außerdem können über diese Schnittstelle auch externe Diskrecorder wie etwa der FireStore FS-100 angeschlossen werden. Last but not least: Über die integrierte USB-2-Schnittstelle lässt sich das P2-Laufwerk im HVX200 von einem angeschlossenen PC wie ein externes Laufwerk nutzen – vorausgesetzt, man hat die Treiber installiert, die Panasonic auf CD mitliefert.

Fazit

Panasonics HVX200 hat ein revolutionäres Konzept und die Entwickler des Camcorders haben es geschafft, dass sich der Camcorder bei den wichtigsten Funktionen ziemlich intuitiv bedienen lässt. Die Bildqualität des Camcorders sucht in seiner Preis- und Größenklasse ihresgleichen, die maximal mögliche Bildqualität übertrifft die der konkurrierenden HDV-Camcorder. Der HVX200 bringt, unter anderem mit der variablen Bildrate, neue Funktionen in seine Preisklasse, die hier momentan kein anderes Gerät bieten kann.

Umso frustrierender ist es, dass Panasonic mit den hohen Preisen und begrenzten Kapazitäten der P2-Speicherkarten diese Qualität bis auf weiteres dem breiteren Markt vorenthält. Wenn sich hier nichts tut, wird der HVX200 wohl nicht so viel Zuspruch finden wie der DVX100. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die P2-Karten erzwingen, dass sich der Anwender grundlegend mit seinen Arbeitsabläufen beschäftigt und überlegt, wie er in der jeweiligen Situation sinnvoll arbeiten und die Vorteile der bandlosen Speicherung nutzen kann. Wer den HVX200 einfach nur als Ersatz für einen Band-Camcorder sieht und einsetzen will, der wird sich wohl kaum mit dem Gerät anfreunden können. Allen anderen eröffnet der Camcorder neue Perspektiven und Möglichkeiten — wenn diese auch noch mit Opfern und Einschränkungen an anderer Stelle verbunden sind.

Downloads zum Artikel:

T_0406_B_HVX200.pdf

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Autor
red
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