Top-Story, Trend: 02.07.2015

IP-Special: Axon, Jan Eveleens

Jan Eveleens ist CEO des Interfacing-Spezialisten Axon. Er glaubt, dass IP-Technik zunächst über Insellösungen in den Markt eingeführt wird. Standardfragen sind aus seiner Sicht noch nicht geklärt, was er mit als Grund dafür sieht, dass die Technologie ihre Zeit brauchen wird, um sich zu etablieren. Im folgenden finden Sie die vollständige Version seiner Antworten auf die Fragen von film-tv-video.de.

IP for Broadcast gehörte zu den Topthemen der vergangenen Messen. Was verstehen Sie unter IP-basierter Produktion?

Unsere Branche versteht heute weitestgehend die Zielsetzung von IT-Workflows und die Branchenteilnehmer fangen an, ihre individuellen Bedürfnisse zu artikulieren. Es fanden bisher jedoch nur sehr wenige Projekte tatsächlich statt.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Die Anwender sind verunsichert, da der Wandel hin zu IT-Technologien große Veränderungen mit sich bringt. Am wichtigsten aber sind die Veränderungen beim Know-How, den Fähigkeiten und den Anforderungsprofilen der Mitarbeiter; hier befindet man sich schnell jenseits der angesammelten Kompetenzen und Erfahrungen. Die Systemverantwortlichen sind sich über die Zuverlässigkeit dieser für sie neuen Systeme unsicher, da es bisher keine wirklichen umfassenden Produktions-Beispiele aus der Praxis gibt. Und schließlich gibt es keinen einheitlichen Trend zu einem gemeinsamen Standard.

Viele Hersteller machen unterschiedlichste Versprechungen und verwirren damit die Anwender und Kunden. Es ist bedauerlich, dass einige der großen Hersteller eindeutig andere Ziele verfolgen, als dem Broadcast-Markt eine optimale Lösung anzubieten.

Aktuell gibt es unterschiedliche Ansätze und Standards, wenn es um IP-basierte Übertragung geht, darunter SMPTE 2022 und AVB. Welchen Standard unterstützt ihr Unternehmen und warum?

Axon ist nach wie vor davon überzeugt, dass ein offener und lizenzfreier IEEE AVB/TSN-Standard eine optimale Lösung darstellt, da es innerhalb dieses Standards Mechanismen und Funktionen gibt, die in SMPTE 2022 noch immer fehlen. Diese Lücken im SMPTE 2022 Standard versuchen einige Hersteller nun mit einem Flickenteppich von proprietären Lösungen zu füllen, um den Standard auch für den Produktionsbereich einsetzbar zu machen. Aus diesem Grund wird Axon auch in Zukunft AVB/TSN in allen Produkten implementieren.

Jedoch ist Axons Hauptgeschäft seit mehr als 25 Jahren “Interfacing” und Axon steht für eine Vielzahl von unterschiedlichen Schnittstellen in jede Richtung. Daher beinhaltet Axons Strategie neben AVB natürlich auch SMPTE 2022 und weitere Varianten, die der Markt in Zukunft fordern wird. Wichtig ist jedoch, dass wir bei der Kommunikation mit dem Kunden ehrlich und transparent bleiben und die Vor- und Nachteile der verschiedenen Technologien darstellen und differenzieren können.

Welche Produktionsbereiche adaptieren nach Ihrer Einschätzung die neue IP-Technologie zuerst?

Obwohl es einige große Neuinstallationen geben wird, die die neue Technologie im großen Maßstab innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate adaptieren werden, erwarten wir, dass die meisten Kunden erst allmählich damit beginnen werden, die neue Technologie in weniger kritischen Bereichen einzuführen, mutmaßlich in Form von kleineren Inseln innerhalb bestehender Installationen.

Unsere Kunden möchten lernen und eigene Erfahrungen sammeln. Dadurch bekommen sie mehr Vertrauen in neue Technik und Workflows und stellen selber fest, wo und wie groß die kritischen Bereiche und die damit verbundenen Risiken sind.

Was ist Axons IP-Flaggschiff-Projekt oder -Produkt?

Alle wichtigen Produkte aus der Axon-Synapse-Reihe, die wir in diesem Jahr neu eingeführt haben oder in Zukunft einführen werden, sind optional mit einer 10 Gbps Ethernet Backplane ausgestattet. Es existiert etwa bereits ein hochwertiger 10 Gbps ethernetfähiger Up/Down/Cross-Konverter. Es werden in den kommenden 12 Monaten viele weitere Produkte folgen, etwa ein hochflexibler Konverter, um A/V-Signale in 10 Gbps Ethernet und wieder zurück zu wandeln. Hiermit können günstigere und sichere Produktionsnetzwerke aufgebaut werden.

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