Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Heinz-Joachim Weber: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Heinz-Joachim Weber. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

B_0105_WDR_WeberHeinz-Joachim Weber ist Produktionsdirektor des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln. Sein Arbeitgeber ist der größte Sender im ARD-Verbund.

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer Sicht ändern?

Das IMX-Format mit 50 Mbit/s ist im Standard-Definition-Bereich der Produktionsstandard des WDR. Auf der Akquisitionsseite wird dieses Format durch die Professional Disk unterstützt.
Der WDR hat Ende 2003 in zwei HD-Camcorder vom Typ HDW-750P der Firma Sony investiert. Entsprechend wurde auch die Postproduktion an zwei Arbeitsplätzen auf die Nachbearbeitungsmöglichkeiten in HD erweitert. Diese Plattform ist bisher dafür vorgesehen, grundlegende Erfahrungen in der HD-Produktion zu sammeln und schon heute Produktionen, die im Repertoire des WDR einen hohen Wert im Programmvermögen darstellen, realisieren zu können.
Konkret bedeutet das, dass HD-Produktionen bis auf Weiteres über die Standard-Definition-Verbreitungswege in SD gesendet werden und als HD-Master im Archiv für eine spätere Auswertung in HD – dann bis zum Endverbraucher– bereit gestellt werden.
Betrachtet man das Verhältnis von rund 120 SD-Camcordern zu 2 HD-Geräten, wird deutlich, dass es sich bei den HD-Produktionen des WDR nur um ausgesuchte Formate in einem kleinen Umfang handeln kann. Der WDR sieht hier schwerpunktmäßig szenische Produktionen und hochwertige Dokumentationen.
Erst wenn sich die Distributionswege großflächig anbieten lassen und die hohe Qualität beim Kunden mittels entsprechender leistungsfähiger Endgeräte zu einem vertretbaren Preis dargestellt werden kann, wird sich auch für den WDR die Perspektive eröffnen, HD-Programme zu verbreiten. Aus unserer Sicht wird dies frühestens 2008 der Fall sein.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen wird. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Mit Sicherheit wird die WM 2006 eine Signalwirkung haben, da alle Spiele vom Host-Broadcaster für den Weltmarkt in HD angeboten werden. Da es in Europa bereits Verbreitungswege für HD gibt, wird auch die Möglichkeit bestehen, als Verbraucher diese Qualität zu empfangen.
Inwieweit die Consumer-Industrie in der Lage sein wird, bis zu diesem Zeitpunkt entsprechende Endgeräte zu vertretbaren Preisen anbieten zu können und damit eine nennenswerte Marktdurchdringung zu erreichen, ist zur Zeit noch offen.
Sicher ist, dass die Produktions- und Distributionsdienstleiter sich schon heute auf die Anforderungen für HDTV zur WM 2006 vorbereiten und über entsprechende Produktionsmittel verfügen werden.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD am Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

In erster Linie müssen die Preise für die Hardware beim Endverbraucher fallen. Gleichzeitig müssen sowohl bei den privaten als auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern umfangreiche und attraktive Programme in HD mit der entsprechenden Tonqualität vorhanden sein, um aus Nutzersicht eine Neuinvestition zu rechtfertigen.
Es muss eine einheitliche Technologiestrategie auf der Consumer-Seite geben, um Irritationen , etwa zwischen 4:3 und16:9, oder zwischen 1080i/p und 720p zu vermeiden. Eine durchgehende 16:9-Strategie ist allerdings zwingend erforderlich!

**Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können? Spielt das für Ihren Tätigkeitsbereich eine Rolle? Was erwarten Sie beim Thema HDTV von den öffentlich-rechtlichen Anbietern, was von den privaten?

Aus unserer Sicht ist damit frühestens ab 2008 zu rechnen.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plasma- und LC-Displays?

Mit Sicherheit wird der Konsument durch größere Flachbildschirme, Home-Cinema-Anlagen und DVD-Content auch höhere Erwartungen hinsichtlich der Bild- und Tonqualität der zu empfangenden Fernsehprogramme entwickeln und entsprechende Angebote positiv wahrnehmen.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen? Nennen Sie uns bitte die Eckwerte und ergänzen Sie diese mit einer kurzen Begründung.

Aus heutiger Sicht muss ein europäischer HD-Standard mindestens 720p entsprechen und die Displays sollten in der Lage sein, diese Qualität auch darstellen zu können.
Mit Blick in die Zukunft ist zu erwarten, dass aufgrund der Kompressionsstandards und verfügbaren Bandbreiten die Darstellung in 1080p Realität werden könnte. Die Entwicklung der Displays geht schon heute erkennbar in diese Richtung. Wichtig ist, dass sowohl auf der Receiver-Seite , wie auch bei Aufzeichnungsgeräten entsprechende Standards definiert sind, die die maximale Qualität sichern.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_WDR_Weber.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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