Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Peter Weber: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Peter Weber. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

B_0105_Pana_WeberPeter Weber ist Manager Corporate Communications von Matsushita Electric Europe. Matsushita ist der Mutterkonzern von Panasonic und unter anderem im Bereich Unterhaltungselektronik und Broadcast-Equipment tätig.

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer sicht ändern?

Für Panasonic hat HD eine große Bedeutung im Broadcast- wie im Consumer-Bereich. Auf der Broadcast-Seite sind wir seit Jahren bereits erfolgreich mit der Einführung von HD-Equipment beschäftigt, auf der Consumerseite schaffen wir derzeit mit HD-fähigen Displays in CRT-, LCD- und Plasma-Technologie, sowie mit Beamern die Grundvoraussetzung für zukünftigen Empfang.
Zudem unterstützen wir Astra bei der europaweiten HD-Endverbraucher-Promotion. Dort wird das Geschäft aber erst entstehen, wenn auf der Content-Seite attraktive Angebote vorhanden sind.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen werde. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Ganz sicher sind die großen Sportereignisse wie die Fußball-WM, aber auch die Olympischen Winterspiele in 2006 ideale Anlässe, um den Menschen in Europa die Überlegenheit hochauflösender TV-Signale zu demonstrieren. Die Tatsache, dass beide Ereignisse komplett in HD aufgenommen werden, würde jedem klarmachen, dass Europa Fernsehen zweiter Klasse hat, wenn die Sendungen hier weiter in SD ausgestrahlt würden, der Rest der Welt jedoch HD angeboten bekommt.
Wir werden ja zur Lachnummer, wenn ernsthaft überlegt wird, sogar alles in 4:3-SD zu senden.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD im Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

Erstes Hemmnis ist die Politik. Damit Europa technologisch nicht ins Hintertreffen gerät, müssen politisch die Weichen für ein eindeutiges Umstiegsszenario geschaffen werden.
Zweites Hindernis ist die Zurückhaltung der Sender in Deutschland, hier aktiver zu werden. Im europäischen Ausland scheint man schneller zu reagieren.

**Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können?

Wir hoffen, dass die Zuschauer bald regelmäßig HD sehen können. Öffentlich-rechtliche wie private Anbieter sollten sich bald von Märkten wie den USA überzeugen lassen, dass der Umstieg auch wirtschaftlich Sinn macht – in den USA gab es zu Beginn die gleichen Bedenken, zumal dort kleine lokale Stationen vergleichsweise hohe Investitionen tätigen mussten. HD führt zu einer Win-Win-Situation für alle Marktbeteiligten.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plaasma- und LC-Displays?

Wie immer gibt es ein Chicken-Egg-Problem. Ohne Content kein Consumer-Markt. Allerdings ist die Industrie aufgrund der bereits erfolgten HD-Entwicklung für andere Märkte sehr schnell in der Lage, Produkte anzubieten.
Grundlage sind sicher Displays und Beamer, und die kommen verstärkt in großen Stückzahlen auf den Markt. Set-Top-Boxen her zu stellen ist kein Problem, wenn die Nachfrage da ist.
Sender, die sich heute für HD entscheiden, können von einer ausreichend großen und schnell wachsenden Population ausgehen, und Premiere setzt da ein erstes Ausrufezeichen.
HDV ist sicher kein großer Auslöser. Anders sieht es bei der Aufzeichnung aus. Ob nun HD-DVD oder das von Panasonic wie von den meisten großen Herstellern propagierte Blu-Ray Format – die Recorder kommen, wenn es Signale zum Aufzeichnen gibt.
In Japan und den USA sind bereits Blu-Ray-Recorder erhältlich. Dort wird auch die Entscheidung über vorbespielte Software fallen, ein weiterer Grund für HD-Displays und Recorder – aber ohne TV-Mitschnitt kein ausreichender Kaufanreiz.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen?

Bei der Diskussion über einen europäischen Standard verhalten wir uns neutral. Wir sehen das Thema HD nicht national oder regional, sondern global. Ein Standard sollte also weltweite Entwicklungen berücksichtigen und möglichst internationale Märkte und Kompatibilität anstreben.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_Pana_Weber.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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