Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Volker Rodde: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Volker Rodde. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

B_0105_Volker_RoddeVolker Rodde ist Inhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens in Köln, das als Equipment-Verleih aktiv ist. Rodde investierte schon 2003 in HD-Equipment.

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer Sicht ändern?

Die Bedeutung von HD hat in meiner Firma stark zugenommen. Im laufenden Jahr wird dieses Thema noch mehr an Gewicht gewinnen.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen werde. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Ich glaube nicht, dass die öffentlich-rechtlichen Sender rechtzeitig zur Fußballweltmeisterschaft senden können oder wollen. Falls aber in vielen anderen Ländern HD empfangen werden kann, wird sich ein Schamgefühl in Deutschland einstellen und die Sender werden stark unter Druck kommen. Ich gehe davon aus, dass nicht nur die Spiele, sondern auch das dazugehörige Beiprogramm in HD produziert werden wird. Dazu bedarf es dann wesentlich mehr Equipment als heute zur Verfügung steht.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD im Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

Die Nicht-Verbreitung von HD wird meiner Meinung nach am meisten von der zögerlichen Haltung der öffentlich-rechtlichen Sender bestimmt, die ja selbst dem 16:9-Format noch skeptisch gegenüber stehen. Allerdings gibt es hoffnungsvolle Ansätze seitens des WDR, das muss hier lobend erwähnt werden.
An zweiter Stelle stehen die Berührungs- und Kostenängste der Produzenten. Die Technik wird auch von den Kameraleuten noch vorsichtig gesehen, was grundsätzlich zu begrüßen ist.
Ein weiterer Punkt, der der Verbreitung von HD im Wege steht, ist die Postproduktion. Es gibt noch nicht genügend Firmen, die HD sicher und preisgünstig bearbeiten können, falls der Kunde als Endprodukt HD haben möchte. Die Diskussion um die richtige Zeilenzahl 720/1080 und Aufzeichnungsmodi wie 25p oder 50p, 50i oder 60i für NTSC-Länder ist ebenfalls hemmend.
Das angekündigte »Univer-salformat« erweist sich als doch nicht so universell wie gehofft. Es gibt gerade bei der Down-Konvertierung von HD in die SD-Welt unter Umständen große Schwierigkeiten. Die sehr schönen Möglichkeiten der Varicam überfordern in der Praxis viele Anwender, wenn eine Down-Konvertierung in die PAL-Welt erforderlich ist.
Notwendige Abhilfe: Die Sender müssen ihre spärliche Informationspolitik öffnen und mit den heutigen Anwendern intensiv zusammenarbeiten. Die Kosten müssen dem zukünftigen Mehrgewinn gegenübergestellt und neutral bewertet werden.
Die Erfahrungen der jetzigen HD-Anwender, die früher diesem Medium skeptisch gegenüberstanden und heute nichts anderes mehr drehen wollen, müssen öffentlich gemacht werden. Intenisve Schulungen der Kameraleute und Assistenten müssen durchgeführt werden. Auch alle anderen Filmschaffenden wie Kostümbildner, Dekorateure, Beleuchter, Filmarchitekten und last but not least die Regisseure müssen in diesen Prozess der Ausbildung einbezogen werden.
Die Zugänglichkeit zu den schon heute möglichen HD-Sendungen muss demokratisiert werden. Satelliten-Receiver mit den notwendigen Antennen und die Bildschirme gibt es bereits, sie müssen in den Geschäften zum Kauf angeboten und vor allem im Preisniveau niedriger werden. Die Empfangslizenzen müssen preiswerter und die schon heute gesendeten Programme strukturiert werden.
Das alles würde zur alltäglichen Realität von HD in Deutschland beitragen. Die begrüßenswerten Aktivitäten einiger privater Sender sollten ausgeweitet werden und sind ja auch schon in diesem Sinne angekündigt.
Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können? Spielt das für Ihren Tätigkeitsbereich eine Rolle? Was erwarten Sie beim Thema HDTV von den öffentlich-rechtlichen Anbietern, was von den privaten?

Regelmäßiges Sehen von HD ist schon möglich. Allerdings ist das Programm eine Schleife und als solches nicht zu bezeichnen. Strukturierte Programminhalte werden wohl ab 2006 permanent zu sehen sein. Das ist optimistisch, aber möglich.
Für meine Firma ergibt sich, dass die HD-Hinwendung verstärkt wird, zu Lasten der SD-Welt. Das erfordert – nicht nur kameraseitig – enorme Beträge. Das Licht- und Grip-Equipment wird sich auf die hohe Auflösung und flache Gam-makurve einstellen müssen, ebenfalls durch moderne Geräte. Der Bereich Ton wird sich durch die Surround-Entwicklung ebenfalls modernisieren müssen. Insgesamt ist meiner Meinung nach – und nicht nur bei den Verleihern – viel Kapital notwendig.
Was öffentlich-rechtliche und private Sender machen sollten, habe ich schon erwähnt. Auf jeden Fall sollten sie rechtzeitig in HD für das Archiv produzieren. Sie können nicht erst dann damit anfangen, wenn sie HD auch senden können – dann stehen sie vor leeren Regalen.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plasma- und LC-Displays?

Dieser Bereich ist außerordentlich wichtig für die Verbreitung von HD. Wenn der eigene TV-Empfänger eine schlechtere Bildqualität bietet als der PC mit der DVD oder der kommenden HD-DVD, dann gibt es einen Aufstand der Konsumenten. Die Nachfrage nach gleichwertig hohem Bildstandard wird steigen, die Sendeanstalten – öffentlich-rechtliche oder private – werden sich dem nicht entziehen können. Die Werbewirtschaft wird das ihre dazu beitragen, Werbezeit nur noch verstärkt bei den nachgefragt hochwertigen Sendungen zu schalten, wenn hochwertige Produkte beworben werden sollen.
Zur Darstellung der hochauflösenden Bilder sind Plasma, LCD oder neuere Techniken als Flachbildschirme unabdingbar. Sie sollten von Rückprojektoren oder hochauflösenden Beamern unterstützt werden.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen? Nennen Sie uns bitte die Eckwerte und ergänzen Sie diese mit einer kurzen Begründung.

Der von der EBU vorgeschlagene Kompromiss 720/50p ist ein gangbarer Weg. Er minimiert den Shuttereffekt der bis dato verwendeten 25p-Aufzeichnung, bietet bei der genannten Zeilenzahl eine gute Auflösung und eine erträgliche Datenrate.
Die Kamera, die das schon heute kann, ist die Panasonic Varicam. Für die Zukunft ist auch ein Standard 1080/50p denkbar. Darüberhinaus sollten noch höhere Auflösungen angestrebt werden. Aber das ist noch lange nicht im Bereich des Möglichen.

**Was wollen Sie uns noch zum Thema HD mitteilen?

Wenn man einmal HD in nativer Auflösung gesehen hat, fragt man sich, für welches Medium man die letzten 30 Jahre eigentlich gearbeitet hat. Für mich ist es ein Trost, dass ich viel 35-mm-Material belichtet habe. Das war also nicht ganz umsonst.
Froh bin ich für alle Film- und Fernsehschaffenden, vor allem für die Kameraleute, und ich sehe optimistisch in die Zukunft. Denn alle bisher gezeigten Filme – Ausnahme historische Streifen – müssen jetzt neu gedreht werden. Das tröstet über manches hinweg und lässt hoffen. Es gibt viel zu tun.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_Rodde_Rodde.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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