Top-Story: 17.11.2005

»HDV und HD gehört die Zukunft«

Canopus ist schon wesentlich länger im Hard- und Software-Geschäft tätig, als man das Unternehmen in Europa kennt. Während der IBC2005 sprach www.film-tv-video.de mit Firmengründer und CEO Hiro Yamada über seine Einschätzung der aktuellen Strömungen im Video-Business. (Druckfreundliche PDF-Version zum Download am Textende.)

Zu Beginn der 90er Jahre tauchten die ersten Systeme auf, die nonlineares Editing ermöglichten. In den folgenden Jahren explodierte dieser Markt: NLE und Videobearbeitung mit dem PC wurden als neuer Massenmarkt erkannt, zahllose neue Firmen und Produkte buhlten um die Gunst der Käufer. Wie so oft folgte der Euphorie die Ernüchterung: So schnell, wie einige der neuen Firmen aufgetaucht waren, so schnell verschwanden sie auch wieder, wurden aufgekauft oder gingen einfach Pleite. Mittlerweile gibt es bei genauer Betrachtung nur noch wenige aktive Anbieter, die Hard- und Software für die professionelle Videobearbeitung mit dem PC entwickeln. Canopus ist einer davon.

Canopus-Gründer Hiro Yamada erinnert sich an die Anfänge seines Unternehmens: »Für eines unserer Signal-Processing-Boards beschäftigten wir uns mit Kompressionstechnologien — das markierte für Canopus den Eintritt ins Video-Business und führte zur Entwicklung von DVRex, unserem DV-Editing-Board. Weitere Entwicklungen in dieser Richtung folgten und halfen mit, das Video-Business erfolgreich bei Canopus zu etablieren.« Canopus bediente mit diesen Produkten in den Folgejahren in erster Linie den Prosumer-Markt, wurde in jüngster Zeit aber auch verstärkt im Profi-Bereich aktiv. So stellte Canopus vor gut zwei Jahren das professionelle Editing-System CWS-100 vor, von dem allein der japanische Sender NHK rund 100 Stück gekauft hat.

Das Engagement im professionellen Markt will Canopus künftig weiter ausbauen, denn hier sieht Hiro Yamada noch Wachstumspotenzial. Für ihn ist klar, dass sich HD und HDV in den kommenden Jahren etablieren werden, deshalb habe man bei Canopus schon frühzeitig begonnen, Produkte für genau diesen Markt zu entwickeln. Das System Edius etwa sei schon mit Blick auf die Anforderungen von HD entwickelt worden. Allein in den vergangenen sechs Monaten habe Canopus von der HD-Variante schon 50 Systeme an diverse Broadcaster verkaufen können, und man gehe davon aus, dass man diese Zahl noch in diesem Jahr verdoppeln könne.

Dass sich der NLE-Markt auf der Anbieterseite so stark reduziert hat, wertet Yamada letztlich als großen Vorteil für die verbliebenen Firmen, denn der Markt sei einfach nicht so groß, dass er viele Hersteller tragen könne. Dass Canopus zu den Überlebenden gehört, führt Yamada unter anderem darauf zurück, dass Canopus-Produkte schon immer sehr leistungsfähig und letztlich ihrer Zeit voraus gewesen seien. Das sei nur möglich, weil man bei Canopus die Hard- und Software-Entwicklung in einem Haus habe. Außerdem lege Canopus viel Wert darauf, beim Produkt-Design möglichst viele aktuelle Technologien zu berücksichtigen. »Wir versuchen, für unsere Kunden immer möglichst weit in die Zukunft zu denken«, sagt Hiro Yamada. Wenn etwa Panasonic seinen kompakten P2-Camcorder im kommenden Jahr ausliefere, könne Canopus mit seinen Produkten schon direkt im Anschluss daran die Unterstützung dafür anbieten. Die Canopus-Kunden wüssten um diese Schnelligkeit, so Yamada.

Angesprochen auf die Verwirrung, die am Markt angesichts einer bislang ungekannten Vielzahl unterschiedlicher HD-Formate, -Auflösungen und Frame-Raten herrscht, sagt Yamada, dass Canopus davon ausgehe, dass SD- und HD-Technologien für eine lange Zeit parallel existieren werden. Transcoding unterschiedlicher Formate werde daher zu einer enorm wichtigen Funktion: »Edius kann in Echtzeit fast alle aktuellen Formate bearbeiten«, merkt Hiro Yamada an, »das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den Produkten anderer Firmen. Außerdem haben wir mit ProCoder ein Transcoding-System im Programm, das sich dieser Problematik voll und ganz widmet.«

Auch im Zusammenspiel mit den neuen Akquistionsformaten sieht sich Yamada mit den Canopus-Produkten gut gerüstet: So sei es etwa über die PC-Schnittstellen des Infinity-Camcorders von Grass Valley möglich, Material direkt in Canopus-Editing-Systeme einzuspielen. Die Infinity-Codecs würden dabei unterstützt – auch wenn Yamada einschränkt, dass der JPEG2000-Codec, den der Grass-Valley-Camcorder für die Aufzeichnung unter anderem bieten soll, wenn er ausgeliefert wird, in der Postproduktion nicht ganz einfach zu behandeln sei und sehr viel Processing-Power erfordere. Bei Canopus denkt man daher über eine kombinierte Hard-/Software-Lösung nach, die es ermöglichen soll, JPEG2000-Material nachzubearbeiten.
Dass Postproduction-Software generell möglichst vielseitig sein muss, bestätigt Yamada auch in einem anderen Punkt: Wie etliche andere Software-Entwickler glaubt auch er, dass HD beim Consumer dann abheben wird, wenn es eine Möglichkeit gibt, HD- oder HDV-Content direkt aus dem Editing-Programm auf Blu-ray Disc oder HD-DVD zu brennen. Bis es soweit sei, müssten allerdings zunächst die entsprechenden Brenner verfügbar werden, die diese Funktionalität böten, so Yamada.

Auf die Frage, wann HD im Profibereich auf breiter Basis Realität werde, antwortet Yamada, dass viele der Canopus-Kunden sich mittlerweile sehr ernsthaft mit HD beschäftigten. Vor allem die Sender kauften kein System mehr, dass nicht wenigstens einen HD-Upgrade-Pfad bieten könne. In China etwa, wo sehr viel für den Heimatmarkt gedreht werde, würde mittlerweile alles in HD aufgezeichnet, so Yamada, dort sei ohne HD-Funktionalität nichts mehr zu verkaufen.
Einen großen Markt prognostiziert der Firmenchef für externe Stand-Alone-Konverter und glaubt, dass hier im kommenden Jahr die Nachfrage steigen werde. »Man wird einen HD-Konverter benötigen, der zwischen Frame-Raten, Auflösungen und Interfaces konvertieren kann – und das in der Preisklasse von etwa 5.000 US-Dollar.« Konverter-Funktionalität bietet zwar auch die Edius-Software, aber es gibt eben auch viele Anwendungen, bei denen man einen externen Konverter statt einer Software benötigt,« so Yamada.

»Für Canopus sind die aktuellen Entwicklungen sehr interessant«, resümiert Yamada, »und wir freuen uns, dass wir mit unseren Produkten den Nerv der Zeit treffen.«

Downloads zum Artikel:

T_1105_Canopus_Yamada.pdf

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Autor
red
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