Branche, Site-Report, Top-Story: 16.07.2011

Filmveredler im Herzen von München: MSF

Schwabing: Für viele hat der Name dieses Münchener Stadtteils einen ganz eigenen Klang — besonders auch im Filmbereich. Dort findet sich, in ehrwürdigem Ambiente, mit hohen Räumen, Stuckdecken und Parkett, moderne Postproduction-Technik — als technische Basis einer Filmmanufaktur, die sich dem digitalen Schnitt und der Veredelung von Filmen verschrieben hat: Michael Sänger Film.

In den Räumen von Michael Sänger Film (MSF) kann man durchaus mal Volker Schlöndorff oder Michael Verhoeven begegnen — ein großer Name ist aber keineswegs Bedingung, um hier mit seinem Filmprojekt ernst genommen und betreut zu werden. Buchstäblich Hunderte von Dokumentar-, Spiel- und Werbefilmen für Kino und Fernsehen wurden von dem Team, das heute bei Michael Sänger Film versammelt ist, schon bearbeitet. Angefangen hat es mit dem digitalen Schnitt, den das Unternehmen einst als Pionier in der Praxis einsetzte und auf modernstem Stand auch weiterhin anbietet. Aber über die Jahre ist ein anderer Bereich hinzugewachsen: Das Finishing, das Polieren und Veredeln von Produktionen, das Optimieren der Bildqualität.

Michael Sänger, der selbst Dokumentarfilm studiert hat, gründete das Unternehmen in den 90er-Jahren. »Erst wenn Kreativität, Technik und Knowhow perfekt ineinander greifen, dann kann im Filmbereich etwas ganz Besonderes entstehen. Und leider ist die Technik in den letzten Jahren durch immer neue Formate, Codecs und stetig erweiterte Möglichkeiten nicht einfacher geworden«, bilanziert der Gründer. »Wir wollen als Firma dafür sorgen, dass daraus keine Probleme entstehen, sondern dass der jeweils beste Workflow gefunden wird, von der Aufnahme der Bilder über den Schnitt bis zur Fertigstellung des Films in optimaler Bildqualität. Bei Dokumentarfilmen etwa ist es heute ganz normal, dass man Material in unterschiedlichsten Formaten, Auflösungen und Codecs kombinieren muss«, erklärt Michael Sänger. »Da kann man aber schon beim Einspielen viel falsch machen und erst recht in der weiteren Bearbeitung. Unser Fokus liegt darauf, die passenden Abläufe für das jeweilige Projekt zu finden und umzusetzen. Hier kommt uns einerseits die jahrelange Erfahrung zugute und andererseits auch der Gerätefuhrpark, der über die Jahre bei uns zusammengekommen ist.«

Will man das von MSF beschriebene Ziel erreichen, dann reicht es heute in der Tat nicht mehr aus, einfach nur einen PC-Schnittplatz und eine Espressomaschine zu besitzen. Und so findet sich auf den 325 Quadratmetern Altbau von MSF modernste Technik, die von HDCAM SR abwärts alle gängigen Formate verarbeiten, transkodieren und wieder ausspielen kann — letzteres auf Wunsch auch als DVD oder Blu-ray Disc. Für den Schnitt stehen vier komplett ausgestattete Avid-Suiten der neuesten Versionen zur Verfügung, weiter zwei Avid DS-Systeme für Compositing– und Finishing-Aufgaben und ein Nucoda FilmMaster fürs Grading — um nur das wichtigste Equipment zu nennen.

»Wir sind uns keineswegs zu schade, für unsere Kunden auch einfach mal nur Kopien von einem ins andere Format zu machen. Wir finden im Gegenteil, dass auch das zu unserem Service-Angebot gehören muss und unsere Dienstleistung erst dadurch wirklich rund wird«, erläutert Michael Sänger. »Aber wir können natürlich viel mehr: Verschiedene Fassungen eines Films, Titelgestaltung, visuelle Effekte oder Compositing sind unser tägliches Brot. Dabei können wir das integrierte Zusammenspiel aus Schnitt- und Finishing-Systemen nutzen, um rasch und effektiv kreative Ideen umzusetzen, sowie die Endprodukte flexibel und in der jeweils maximalen Qualität auszugeben.«

»Das enge Zusammenspiel von FilmMaster mit DS v10 und Media Composer im Finishing-Prozess ist für uns herausragend. Die Ausstattung von FilmMaster mit hochwertigsten Tools zur Verbesserung der Bildqualität, etwa in der Restauration, beim Entrauschen oder bei Schärfekorrekturen setzt noch eins drauf — und lässt praktisch keine Wünsche mehr offen«, urteilt Jürgen Pertack, der seit 2003 bei MSF tätig ist, über das vorhandene Equipment. In Kürze will MSF zudem auch das neue Grading-Panel »Precision« installieren. Davon erhofft sich das Unternehmen schnelleres und effektiveres Navigieren, sodass mehr Zeit fürs Wesentliche bleibt: Die Gestaltung des Filmbilds.

Jürgen Pertack beschreibt seine Arbeitshaltung so: »Unser Job ist es, uns ganz in den Dienst des jeweiligen Projekts zu stellen und das Optimale daraus zu machen. Dabei ist es immer das Ziel unserer Arbeit, zu unterstützen und herauszuarbeiten, was der Regisseur oder Filmemacher erreichen will. Wir polieren und steuern den Look nach den Vorgaben des Kunden. Was wir in diesem Zusammenhang tun, das soll im Normalfall gar nicht herausstechen oder direkt ins Auge fallen — es soll kein kreatives Eigenleben entfalten, sondern den Film harmonisch abrunden. Selbst dem Experten soll es nur im Vergleich mit dem Ausgangsmaterial auffallen, was wir konkret gemacht haben, wie wir etwa Farben korrigiert, Kontraste verändert, unerwünschtes Rauschen und negative Artefakte beseitigt haben.«

Der Lohn dieser Mühe: Die Kunden von MSF kommen immer wieder und viele der Produktionen, die hier bearbeitet wurden, konnten nationale und internationale Preise erringen. »Es ist schon ein gutes Gefühl, wenn wir wissen, dass auch wir dazu einen Teil beitragen konnten«, resümiert Michael Sänger.

»Das Equipment in der digitalen Postproduction wurde über die Jahre immer günstiger und leistungsfähiger. Dadurch kann man heute auch einem Dokumentarfilm mit einem vergleichsweise kleinen Budget, durchaus einen durchgängigen, besonderen Look verleihen und die Gesamtanmutung hochwertiger gestalten«, führt Jürgen Pertack aus. »Ganz besonders dann, wenn der richtige Mann vor dem System sitzt«, lobt Michael Sänger seinen Finishing-Spezialisten.

Geschnitten wird bei MSF mit Media-Composer-Systemen von Avid. Titelgestaltung, Compositing, Grafiken und verschiedene Finishing-Aufgaben realisiert MSF mit den beiden ebenfalls von Avid stammenden DS-Systemen. Warum setzt MSF auf DS, ein Compositing- und Finishing-System, das eigentlich eher exotisch ist? »DS ist aus meiner Sicht das am meisten unterschätzte Postproduction-System«, reflektiert Jürgen Pertack. »Mit DS lässt sich fast alles erledigen, was im Finishing anfällt, es ist eigentlich die eierlegende Wollmilchsau. Bis hinein ins Grading, haben wir damit ein Toolset an der Hand, mit dem wir in höchster Qualität arbeiten können«, fasst Michael Sänger zusammen: »Und mit Jürgen haben wir hier einen DS-Operator, der das System seit vielen Jahren bis in die letzten Feinheiten kennt. Erst in Nucodas Filmmaster haben wir schließlich ein System gefunden, das im Grading-Bereich noch mehr bietet und mit dem speziellen Steuerpult eine sinnvolle Ergänzung und Erweiterung unserer Möglichkeiten darstellt.«

Die beste Technik ist aber nutzlos, wenn denen, die damit umgehen, das Verständnis für Geschichten und Gestaltung, für Kreativität und Stil fehlt. Nicht das Werkzeug, sondern der virtuose Umgang damit, lässt aus Rohmaterial ein harmonisches Ganzes entstehen. In diesem Geist zu arbeiten und die eigenen Skills in den Dienst eines Projektes zu stellen, das macht vielleicht ein noch wesentlicheres Charakteristikum von MSF aus, als die Geräte und das technische Knowhow.

»Insgesamt nimmt die Tendenz hin zum "fix it in the post“ immer weiter zu. Hier ist von uns Kompetenz und Wissen gefordert. Wir stellen uns diesen Aufgaben und freuen uns, wenn Glanzstücke entstehen, so wie sie bei den jüngst von uns fertiggestellten Produktionen möglich waren, bei denen wir Material bearbeiten konnten, das mit der Alexa gedreht worden war. Da musste man nicht reparieren, sondern konnte gestalten und das macht dann auch richtig Spaß«, lässt Jürgen Pertack einige Projekte der jüngeren Zeit Revue passieren. »Das ist ein wichtiges Stichwort«, steigt Michael Sänger ein: »Es muss einfach auch Spaß machen, dann kann man in einem Projekt aufgehen — und wir haben Spaß daran, Filme zu gestalten.«

Autor
red

Bildrechte
Nonkonform (7), MSF (2), Archiv (2)

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