Kommentar, Top-Story: 10.04.2013

NAB2013: The future of TV as we know it

Im Grunde wird der TV-Bereich schon seit Jahren immer wieder totgesagt: Sowohl was die Zuschauerseite betrifft, als auch, was die Produktions-Hardware angeht.

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Das Internet wird der Tod der Shopping-Sender sein, Amazon frisst Teleshopping: So hieß es vor ein paar Jahren und einiges sprach ganz klar für diese Vorhersage. Zappt man aber heute durch die TV-Kanäle, wird man erkennen, dass Teleshopping offenbar keineswegs ausgestorben ist. »Noch nicht«, sagen die Zweifler und verweisen auf die nachwachsenden »Digital Natives«. Mag sein, aber die TV-Gegenwart sieht ganz anders aus, als das, was vor fünf Jahren prognostiziert wurde. Wieso sollten also die heutigen Vorhersagen stimmen

Zweifellos ist aber im TV-Bereich einiges in Bewegung und es wird weiterhin drastische Veränderungen geben. Je nach Statistik, die man betrachtet, sinkt aber der TV-Konsum in der Breite gar nicht, sondern es gibt vielmehr Verschiebungen in der Art der Nutzung, der Gewichtung (Stichwort Second Screen) und der Altersschichtung. Das zu analysieren und zu beeinflussen hängt aber letztlich stärker von den Programmachern als von der Technik ab — und liegt somit außerhalb der Kernkompetenz von film-tv-video.de.

Die Technik hingegen ist das Zentrum der Aktivitäten von film-tv-video.de: Und wenn man moderne Sender- und Studioinstallationen betrachtet, findet man dort in der Tat immer weniger »klassische« Videotechnik. Immer weniger Koaxkabel, immer mehr file-basierte Strukturen sind gang und gäbe. Man kann Nachrichtensender finden, bei denen es kein einziges Videomischpult mehr gibt — die 19-Zoll-Technik des Mischers vielleicht schon, aber statt mit Tasten und Mischerhebeln wird die per Software und Maus gesteuert, es werden »Templates« geladen, statt »Sendungen gefahren«.  Einen generellen Trend von der Hard- zur Software-Zentrierung in der TV-Technik wird wohl kaum einer in Abrede stellen wollen.

Die Sendeabwicklung ist weitgehend automatisiert und computerisiert. Auch beim Stichwort »TV-Station in a Box« oder an der Tools On Air angebotenen »TV Station in a Mac Mini« kann man das deutlich ablesen — aber diese Systeme zeigen gleichzeitig eine andere Entwicklung auf: Es wird immer günstiger, einen Spartensender auf die Beine zu stellen und Dinge auszuprobieren, die bis dahin undenkbar waren. Nicht wenige glauben, dass die Zahl der Sender in naher Zukunft noch deutlich anwachsen wird — und das wiederum klingt nicht unbedingt nach dem Todesschrei eines sterbenden Markts.

Gleichzeitig gibt es immer noch klare Domänen der Video-Hardware-Hersteller. Sobald man etwa in den Live-Bereich geht, führt unter vielen Aspekten kein Weg an dedizierter Hardware vorbei. Hier brillieren Echtzeitsysteme und auf absehbare Zeit werden Studiokameras in der Regel digitale Videosignale und keine Files abgeben. Hier gibt es  sie etwa auch in nagelneuen Installationen noch, die klassischen, riesigen Videomischpulte, die Recorder und enorme Monitor- oder Multiviewerwände. — und natürlich massig professionelle Fernsehkameras.

Ein weiteres Zusammenwachsen von IT- und Videowelt ist allerdings auch hier schon erkennbar: Die IP-basierte Übertragung von Live-Kamerasignalen ist ein Beispiel dafür. Die zeigte Sony bei der vergangenen NAB und IBC, nun kann man bei der NAB2013 weitere Fortschritte betrachten. Natürlich sind Hersteller wie Harris, Grass Valley und Sony hier perspektivisch immer stärker gefordert, aber die NAB-Neuheiten dieser Unternehmen  zeigen, dass sie diese Herausforderung annehmen.

Wie wird also die Zukunft des Fernsehens aussehen: Auf der technischen Seite wird die Software-Zentrierung zunehmen, die Videowelt wird immer stärker IT-Netzwerke und Infrastrukturen nutzen — so viel scheint sicher. Wer  hierfür praktikable Lösungen anbieten kann, der wird hier auch weiterhin seinen Markt finden.

Sie werden sehen.

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