Editorial, Kommentar: 08.04.2018

NAB2018: 4K oder HDR – oder beides?

Nach HD kommt 4K – und dann irgendwann 8K. Das schien vielen in der Branche als quasi natürliche technische Entwicklung der Branche vorgegeben.

Die Consumer-Industrie war dabei meist einen Schritt voraus und schuf die passenden Grundlagen, schob etwa die Entwicklung in Richtung 4K mit den passenden Displays und TV-Geräten massiv an.

Auf der Produktionsseite vollzieht sich derzeit in Bezug auf 4K das gleiche Spiel, das sich für die Hersteller bei HD schon bewährt hat: Sukzessive rutschen HD-Geräte nach hinten raus, echte Neuentwicklungen gibt es nur noch in UHD/4K. Und so wird früher oder später jeder, der einen neuen, zeitgemäßen Camcorder haben will, ein UHD/4K-Gerät erwerben — ob er nun 4K wirklich braucht, oder nicht. Und wenn es dann schon mal da ist …

Wird also aktuell schon mehr in 4K produziert als in HD? Eher nein. Schließlich läuft derzeit noch die Phase 1 der 4K-Zwangsbeglückung.

8K, 4K oder HDR
Folgt 8K auf 4K – oder wird es noch ganz andere Entwicklungen geben?

Viele klassische Broadcaster reagierten ohnehin von Anfang an verhalten auf 4K. Die Hintergründe sind klar: Als die ersten 4K-Fanfaren erschallten, war bei den Broadcastern an vielen Stellen noch nicht einmal der Schritt zu HD vollständig vollzogen. Mit welchen Budgets sollten da also die Entwicklungen hin zu 4K umgesetzt werden?

Auf der Distributionsseite vieler TV-Sender sieht es ganz ähnlich aus: 4K erfordert höhere Datenraten in der Übertragung und ist deshalb für die Sender teurer. Bei den Endkunden, den Zuschauern, ist 4K ebenfalls noch längst nicht flächendeckend vertreten. Worin soll für die Sender also der Reiz liegen, mehr Geld für die Übertragung in die Hand zu nehmen, wenn er damit aber weniger Zuschauer erreicht? Klingt nicht wirklich nach einer überzeugenden Formel.

An anderer Stelle ist 4K hingegen sehr wohl erfolgreich, nämlich bei den Streaming-Anbietern. Einige von ihnen, darunter etwa Netflix, fordern von ihren Content-Produzenten sogar explizit, dass der Content mit 4K-Kameras gedreht werden muss. Allein Netflix etwa investiert aktuell rund acht Milliarden US-Dollar in Eigenproduktionen — kein Wunder also, wenn die Anforderungen dieses Anbieters sich auch auf der Produktionsseite und bei den Herstellern niederschlagen.

Aber sind nicht andere Aspekte wichtiger und wirkungsvoller, um das TV-Erlebnis zu verbessern? HDR und WCG, also mehr Dynamikumfang und größere Farbräume, hinterlassen oft kraftvollere Eindrücke, werden als ansprechender und visuell interessanter empfunden.

Genau das dürfte der entscheidende Punkt für den Erfolg von HDR und WCG sein. Mit diesen Technologien lassen sich ohne höhere Datenraten, also innerhalb vorhandener Infrastrukturen, neue Bilderlebnisse schaffen. Zu allem Überfluss auch noch nahezu unabhängig von der Display-Größe, also auch auf dem Handy und dem Tablet.

Aus der Sicht mancher Branchenteilnehmer ist das Paket aber längst geschnürt: 4K, HDR und WCG gehören zusammen — da wird nichts mehr auseinander dividiert.

Aber ist das wirklich so? Bei der NABShow wird an etlichen Stellen auch anderes diskutiert – etwa mit der Idee, HD und HDR zu verheiraten. Sollte man in der Akquisition die Aspekte 4K, HDR und WCG also vielleicht doch getrennt betrachten? Beginnend mit neuen Optionen in den Kameras – und in der Postproduktion mit Softwares, die neue Möglichkeiten bieten, um HDR-Bilder für unterschiedlichste Endgeräte und Auflösungen zu optimieren.

Trennen sich die Wege von HDR und 4K? Sicher scheint nur, dass Auflösung nicht über allem steht. 
 
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Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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