Kurznachrichten: 30.04.2020

News: Kurz und knackig – KW 18/2020

Kommt Mediasets europaweiter TV-Konzern, nachdem die Italiener sich entscheidenden Einfluss bei ProSiebenSat1 erkauften? In der Krise gibt es nicht nur Opfer, sondern auch Profiteure – und kreative Initiativen. Für die Oscars darf gestreamt werden. Die weltgrößte Kinokette boykottiert ein US-Studio. Der Werbeeinbruch trifft die Medien unterschiedlich.

Unternehmen

Mediaset erhöht seinen Anteil um 4,1 auf 24,9% und erreicht faktisch die Sperrminorität. Wichtige Entscheidungen hängen vom Berlusconi-Konzern ab. Webportal-Engagements wie NuCom könnten verkauft werden. Der deutsche Konzern hat wegen Corona Prognose und Dividendenvorschlag für 2020 zurückgenommen.
Der Konzern schickt 4.000 Mitarbeiter im Mai für vier Monate in 80% Kurzarbeit. Die Gehälter sollen auf 100% aufgestockt werden. Ausnahmen gibt es bei Verbreitung, Produktion und Redaktion.
Dank Corona? Im Q1/2020 bauten Infrastruktur-Anbieter und Cloud-Services ihre Rechenzentren aus. Mit Chips für Rechenzentren wurde der Umsatz um 43% auf 7 Mrd. $ erhöht. Der Konzernumsatz stieg um 23% auf 19,8 Mrd. $. Der operative Gewinn von 3,5 Mrd. $ liegt rund 90% über dem Vorjahresquartal.

Broadcast

Sky, ARD und ZDF haben der Bundesliga Teilzahlungen von 1/3 für Senderechte zugesagt. 2/3 wurden abhängig von der noch nicht feststehenden Saisonfortsetzung zugesagt. Nur Eurosport steht abseits, wovon wegen der Sublizenzierung die Kunden von DAZN betroffen sind.
Der deutsch-französische Kulturkanal vereinbarte als letzter öffentlich-rechtlicher Sender mit Vodafone zur Kabelweiterleitung – nachdem die Anstalten einen Prozess um die Einspeisegebühren verloren.

Streaming

Im Sommer wird ProSiebenSat1 die Streaming-Plattform einstellen. Es wird auf Joyn – die gemeinsame Plattform mit Discovery – verwiesen, wo Maxdome-Inhalte bereits kostenpflichtig vermarktet werden.
Die Abrufplattform Kividoo für die Kinder-Zielgruppe wird laut Geschäftsführer Claude Schmit »im Laufe dieses Jahres aufgegeben«. Mit den Inhalten wird das Zielgruppen-Portfolio der Konzern-Plattform TVNow ausgebaut.
Warner Media will das Streaming von 10.000 Programmstunden – dem kompletten Content von Warner und HBO – am 27. Mai in den USA starten.
Corona bescherte dem Streaming-Primus im Q1 15,7 Mio. Neukunden; im Q4/2019 waren es nur knapp 8,8 Mio. Insgesamt werden 182,86 (Q4/2019: 167,09) Mio. zahlende Kunden gemeldet.
Der Münchner Konzern vermarktet seine VoD-Marken Home of Horror, Filmtastic und Arthouse CNMA ab dem 1. Mai neben Amazon auch selbst und über Apple und Google für 3,99 € monatlich.

Kino, Filme

Um die Oscars können auch Filme konkurrieren, die wegen der Pandemie den sonst erforderlichen Kinostart nicht haben konnten. Diese Sonderregelung gilt bis zur Wiedereröffnung der Kinos. Die Oscar-Verleihung ist am 28. Februar 2021 angekündigt.
Die weltgrößte Kinokette AMC (Deutschland: UCI) boykottiert das Universal-Studio nach dessen Ankündigung, neue Filme ab Wiedereröffnung der Kinos zeitgleich auch Online zu starten. »Trolls World Tour« hatte nur in drei Wochen allein in den USA 100 Mio. $ online eingespielt. Den Studios ist das – in Deutschland gesetzlich verankerte – »Fenster« zwischen Kinostart und anderen Vermarktungen ein Dorn im Auge.
Für die Online-Premiere der Doku »100.000 – Alles, was ich nie wollte« wurden in über 1.000 Kinos rund 120.000 Tickets verkauft. An die Kinos sollen 25% des Gewinns ausgeschüttet werden. Die Filmemacher Henriette Ahrens und Ole Hellwig hatten die Notsold GmbH gegründet, um neue Vermarktungsformen für Filme und alternativen Content zu lancieren.
Mit Wim Wenders’ »Der Himmel über Berlin« und einem Videogruß des Regisseurs startete das Berliner Fassadenkino als eine Aktivität der von 36 Arthouse-Kinos geführten Startnext-Kampagne Fortsetzung: Folgt. Drei Verleiher stellen fünf Filme zu Verfügung.
Kino ist Kultur und unverzichtbar – in dem Sinne ist eine baldige »Wiedereröffnung mit Abstand und Augenmaß« (blockierte Sitze, Online-Ticketing, Desinfektion usw.) machbar. Die Verbände AG Kino und HDF haben der Politik einen Hygieneplan übermittelt.

Radio

SuperRTL (je 50% RTL und Disney) plant einen Radioableger, um von der stark wachsenden Audionutzung zu profitieren. Toggo Radio kommt über eigene Plattformen, Radioportale und Smart Speaker.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), auch Chefin der Rundfunkkommission der Bundesländer, will die Sendekosten in Not geratener Privatradios für UKW und DAB+ fördern. Dreyer rechnet mit Unterdeckungen von 20 bis 30 % in 2020.

Forschung

3D ohne Brille: Die Auflösung des autostereoskopischen Systems »Aktina Vision« wurde von 300.000 auf 2 Mio. Pixel verbessert. Aufgezeichnet wird mit einem Multikamerasystem. Ein 8K-Projektor erzeugt im Labor Bilder, die den 3D-Eindruck auf 72 Beobachter-Positionen gewährleisten.

Urheberrecht

Der Verlegerverband fordert Zahlungen von Google, Facebook etc. für dort abgebildete Medieninhalte. Eine solche Regelung soll im November in Australien in Kraft treten.

Studien, Statistiken

Kino (-24,1%) und Radio (-21,2%) sind laut Nielsen Deutschland die großen Verlierer des durch Corona verursachten Einbruchs der Werbeausgaben. Der Gesamtmarkt fiel im 1. Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 5,9% von 3,03 auf 2,85 Mrd. €. TV (-1,1%) und Publikumszeitschriften (-0,7%) trotzen der Krise.
Der Bericht Schlüsseltrends 2019/2020 gibt einen Überblick über TV, Film und VoD vor der Krise. Corona werde den AV-Sektor »zweifelsohne stark beeinträchtigen«; jedoch würden die einzelnen Segmente unterschiedlich stark getroffen.
2019 setzte die Games-Branche 6,2 Mrd. € (+6%) um. Jedoch ging der Anteil der Hardware um 2% auf 2,4 Mrd. € zurück. Spiele – Datenträger einschließlich Gebühren für Online-Angebote – legten um 11% auf 3,9 Mrd. € zu.

Personalia

Nicola Albrecht kehrt aus Tel Aviv zurück und leitet das Potsdamer Studio. Vorgängerin Bettina Warken leitet seit dem 1. April in Mainz die »ZDF.Reportage«. Andreas Weise löste Annegret Oster an der Spitze des Studios Sachsen-Anhalt ab. Sie wechselte zur Redaktion »heute journal«.
Im Mai übernimmt Manuela Kasper-Claridge die Chefredaktion des Auslandssenders. Vorgängerin Ines Pohl leitet das Studio Washington. Von dort wechselt Alexandra von Nahmen nach Brüssel. Maximilian Hofmann, dort bisher Studiochef, wird Nachrichtenchef in Berlin. Vorgänger Richard Walker fungiert seit Januar als Chief International Editor.