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Hörfunk-Ü-Wagen des BR mit Lawo Home Apps und mc² modernisiert
Eine softwarebasierte Produktionsumgebung auf Basis von Lawo-Systemen ist bei der technischen Modernisierung des Hörfunk-Ü-Wagens Ü5 des Bayerischen Rundfunks (BR) zum Einsatz gekommen. Zentrales Element des Fahrzeugs ist ein mc²56 MkIII Produktionsmischpult mit 48 Fadern. Die Audiobearbeitung erfolgt über die Home mc² DSP App auf einem CPU-Server. Ergänzt wird das Setup unter anderem durch Power Core Gateways für Onboard- und Stagebox-I/O, einen weiteren Power Core für Kommunikationsaufgaben, Home Multiviewer sowie Home Stream Transcoder Apps. Für die SDI-Videoanbindung sowie das Embedding und De-Embedding von Audiosignalen wird ein .edge Interface eingesetzt. Audio- und Videosignale werden über SMPTE ST2110 und AES67 im IP-Netzwerk transportiert.
Der Ü-Wagen wird für unterschiedliche Produktionsformate eingesetzt, darunter Sportübertragungen, Konzertproduktionen sowie Kulturveranstaltungen wie »Klassik am Odeonsplatz« .
Fahrgestell und Chassis des Ü-Wagens aus dem Baujahr 2007 wurden weiterverwendet, während die technische Infrastruktur im Fahrzeug neu aufgebaut wurde. »Wir sprechen hier nicht von einem klassischen Retrofit, sondern von einer vollständigen technischen Neuentwicklung innerhalb des bestehenden Fahrzeugs«, erklärt Medieningenieur Nicolas Anselm-Rasor vom Bayerischen Rundfunk.
Architektur auf Basis von Standard-Servern
Die konzeptionelle Phase des Projekts begann 2022. Die Produktionsarchitektur des Ü5 basiert auf einer SMPTE-ST2110-konformen IP-Infrastruktur. Audio-, Video-, Monitoring- und Steuerdaten werden über ein gemeinsames Netzwerk transportiert. Die Home mc² DSP App übernimmt die Audiomischung und ist für bis zu 384 Kanäle sowie bis zu 1280 Ein- und Ausgänge lizenziert. Zusätzlich kommen ein Home Multiviewer und mehrere Home Stream Transcoder zum Einsatz. Im Multiviewer werden sowohl SDI-Quellen mithilfe von .edge als auch NDI-basierte PTZ-Kameras dargestellt. Quellen können IP-basiert auf weitere Monitore verteilt werden.
»Der Ü5 ist das erste fahrende Produktionsmittel beim Bayerischen Rundfunk, das vollständig SMPTE-ST2110-basiert arbeitet und auf einer softwaregestützten Architektur basiert«, so Anselm-Rasor.
Audioregie und Arbeitsplätze
In der Audioregie kommt ein mc²56 MkIII Produktionsmischpult zum Einsatz, das die zuvor verwendete mc²66 Konsole ersetzt.
Das Fahrzeug verfügt über drei Hauptarbeitsplätze: den zentralen Arbeitsplatz des Toningenieurs am mc²56 MkIII, einen zusätzlichen Arbeitsplatz für den Tonmeister sowie einen separaten Technik- und Recording-Platz.
Am Recording-Platz wird ein crystal Controller eingesetzt. Bedienelemente können vom Hauptpult flexibel zugewiesen werden. Alle Arbeitsplätze greifen auf dieselbe DSP-Engine zu.
IP-basierte Stagebox-Struktur und Recording
Das Stagebox-Konzept ist vollständig IP-basiert. Die Stageboxen verfügen jeweils über bis zu 48 Mikrofoneingänge und 16 Line-Ausgänge sowie über MADI- und Dante-Schnittstellen inklusive Sample-Rate-Conversion. Sie fungieren als Schnittstelle zwischen IP-Audio, lokaler Peripherie und der zentralen DSP-Infrastruktur.
Über eine Glasfaserverbindung werden Audiosignale, Netzwerkzugänge, Steuerdaten sowie NDI-basierte Kamerasignale übertragen.
Für Aufzeichnungen stehen bis zu 192 Kanäle auf mehreren Workstations zur Verfügung. An den Arbeitsplätzen können eigenständige Mitschnitte erstellt und Marker direkt vom Mischpult gesetzt werden.
Produktionen im Einsatz
Im Januar erfolgte die erste Produktion mit der Aufzeichnung eines Kammerkonzerts für BR Klassik. Zwischenzeitlich wurde der modernisierte Ü5 in weiteren Szenarien eingesetzt. Im Februar übernahm das Fahrzeug die sendetechnische Abwicklung einer Live-Opernübertragung aus der Bayerischen Staatsoper für BR Klassik. Die Mischung erfolgte in der fest installierten Tonregie des Hauses und wurde an den Ü5 als Sendewagen übergeben. Von dort aus wurde die Übertragung einschließlich Vor- und Pausenprogramm abgewickelt. Darüber hinaus kam das Fahrzeug bereits bei einer Jazzproduktion zum Einsatz.











