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Gegen Hate Speech: IOC entwickelt Cyber-Abuse-Schutzsystem für Athleten
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat seinen »Cyber Abuse Protection Service« (CAPS) für die IBC2026 Awards in der Kategorie Social Impact eingereicht.
CAPS wurde erstmals bei den Olympischen Spielen Paris 2024 eingesetzt und laut IOC als bislang größte Initiative dieser Art im Sport konzipiert. Bei den Olympischen Winterspielen Milano Cortina 2026 kam das System in erweiterter Form erneut zum Einsatz. Verantwortlich ist die IOC Safe Sport Unit innerhalb des Bereichs Health, Medicine and Science, die den Dienst gemeinsam mit Safeguarding-Verantwortlichen der Nationalen Olympischen Komitees und internationalen Verbänden koordiniert.
KI-gestützte Überwachung mit menschlicher Prüfung
Das System kombiniert automatisierte KI-Überwachung mit geschulten menschlichen Analysten im 24/7-Betrieb auf den Plattformen X, Instagram, Facebook und TikTok. Bei den Olympischen Spielen Paris 2024 waren rund 20.000 Accounts erfasst, bei Milano Cortina 2026 mehr als 6.000, bei einer Erweiterung der Sprachabdeckung von 45 auf 56 Sprachen. Erkannte Inhalte werden nach Schweregrad kategorisiert: Standardverstöße gehen als Meldung an die Plattformen, akute Bedrohungen lösen Echtzeit-Alarme an IOC-Sicherheitskräfte und lokale Behörden aus, bei strafrechtlich relevanten Fällen erfolgt eine forensische Beweissicherung für Strafverfolgungsbehörden. Betroffene Athletinnen und Athleten werden bei schwerem oder anhaltendem Missbrauch automatisch an die IOC-Helpline »Mentally Fit« verwiesen.
Umfangreiche Zahlen aus zwei Spielen
Nach IOC-Angaben wurden über beide Spiele hinweg 4,3 Millionen Beiträge und Kommentare in Echtzeit analysiert, gerichtet an mehr als 26.000 Accounts von Athletinnen, Athleten und Offiziellen. Rund 242.000 Beiträge stufte die KI als potenziell missbräuchlich ein, etwa 24.700 davon wurden von menschlichen Analysten verifiziert und den Plattformen gemeldet. Fast 18.900 individuelle Accounts wurden als Urheber missbräuchlicher Inhalte identifiziert. Verifizierte schwere Fälle führten zu Kontosperrungen und Strafanzeigen.
Die gesammelten Daten lieferten laut IOC auch strukturelle Erkenntnisse: Missbrauchswellen häufen sich demnach rund um Eröffnungs- und Schlussfeiern sowie Medaillenwettbewerbe, sexistische und sexualisierte Inhalte richten sich überproportional gegen Frauen, und eine einzelne Plattform (X) dominiert das Missbrauchsvolumen, obwohl sie nur einen kleineren Teil der überwachten Accounts stellt.
Neue Kennzahl statt reiner Löschquote
Als konzeptionelle Innovation nennt das IOC die Einführung einer »Action Rate« als Ersatz für die klassische Takedown-Quote: Da große Plattformen zunehmend auf Sichtbarkeitsreduzierung statt Löschung setzen, kombiniert die neue Kennzahl Takedowns und Reichweitenbeschränkungen zu einem präziseren Maß für die Wirksamkeit von Plattform-Interventionen.
Die aus CAPS gewonnenen Erkenntnisse sind gemeinsam mit der Loughborough University und der Lincoln Law School in einen Leitfaden für Sportorganisationen eingeflossen, der über die beiden Spiele hinaus Wirkung entfalten soll. Sarah Fussek, Integrity Director beim Skiweltverband FIS, unterstützt den Ansatz: »Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik, weshalb sich die FIS sehr freut, den proaktiven und schützenden Ansatz des IOC bei den Olympischen Winterspielen und darüber hinaus zu unterstützen und mit ihm zusammenzuarbeiten.«
Technischer Partner des Projekts ist Signify mit seiner Threat-Matrix-Technologie. Ansprechpartner für die Award-Bewerbung ist Scott Sloan, Senior Project Manager Mental Health beim IOC.










