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Supercup2026: Videos aus der Inno-Lounge
Studio Automated: KI-gesteuerte Kameraführung
Das niederländische Unternehmen Studio Automated, an dem Broadcast Solutions beteiligt ist, präsentierte in der Innovation Lounge beim Supercup eine KI-basierte Kamerasteuerung für Sportproduktionen. Das System übernimmt Pan, Tilt und Zoom vollautomatisch: Eine KI wertet das Kamerabild in Echtzeit aus und steuert darüber ein Remote Head – wahlweise von einem On-Prem-Rechner oder aus einem entfernten Produktionszentrum aus. Die extrem niedrige Latenz sorgt dafür, dass die Bildführung wie eine klassische, manuell geführte Kamera wirkt.
Als Hardware kommt der Remote-Head Hothead 3 zum Einsatz (Egripment), ein vollständig digitales, IP-basiertes System mit offener API, über die Studio Automated die Steuerung ansteuert. Der Kopf trägt Nutzlasten bis 60 Kilogramm und damit auch große Objektive mit Brennweiten bis 122-fach Zoom.
Technisch grenzt sich der Ansatz bewusst von klassischem PTZ-Objekt-Tracking ab. Statt einzelne Objekte wie Ball oder Spieler zu verfolgen, erfasst die KI die gesamte Spielsituation – nötig etwa bei Eckstößen, wo der Ball aus Framing-Gründen nicht mittig stehen darf, oder bei Verdeckungen, die reines Objekt-Tracking scheitern lassen. Für Produktionsfirmen ergibt sich daraus die Möglichkeit, bestehende manuelle Produktionen kosteneffizient um zusätzliche automatisierte Kamerapositionen zu ergänzen – etwa taktische Perspektiven, Abseitskameras oder erhöhte Hinter-Tor-Positionen.
Alexander Günther von Sportcast betont, dass der Supercup nach einem ersten Test im März bei der Sports Innovation die erste Live-Einsatz-Kooperation der Technologie in dieser Konstellation sei, gemeinsam mit Sky als Produktionspartner.
Philips: Volumetrische Highlights
Philips präsentierte ein weiteres System in der Innovation Lounge, das volumetrische Highlights aus Stadion-Livebildern erzeugte. Im Einsatz waren 20 auf dem Spielfeldrand verteilte Kameraeinheiten. Aus dem Live-Videomaterial generiert das System volumetrische Szenen im Bullet-Time-Stil: Aus einem klassischen 2D-Kamerabild wird eine Spielszene an einem interessanten Moment eingefroren und in eine dreidimensionale Rundum-Ansicht überführt. Ergänzt wird die Aufnahme um eine eingeblendete, tatsächlich getrackte Ballflugbahn.
Die Technologie erlaubt zwei Interaktionsebenen: Im Ü-Wagen kann die Produktion selbst bestimmen, welcher Moment als volumetrisches Highlight ausgespielt wird. Alternativ lässt sich der Content direkt an Fans streamen, die dann selbst mit dem Material interagieren können – etwa den Blickwinkel frei wählen oder einzelne Objekte wie den Ball aus der Szene entfernen.
Trickshot: 3D-Tracking-Daten als Kreativ-Tool
Ebenfalls in der Innovation Lounge zu sehen: eine Technologie, die 3D-Trackingdaten aus dem Stadion in eine Game Engine überführt und daraus alternative, animierte Kameraperspektiven auf reale Spielszenen erzeugt.
Als Proof of Concept diente ein Playmobil-Projekt, das anlässlich einer neuen Spielzeugserie Spielszenen mit Playmobil-Figuren nachstellte.
Beim Supercup wurden die Live-Daten in Echtzeit ins System eingespeist, sodass reale Spielszenen kurz nach ihrem Entstehen in der animierten Playmobil-Version zu sehen waren.
Ziel der Technologie ist in erster Linie die kreative Zweitverwertung von Spieldaten für Social-Media-Formate, etwa in Kooperationen mit Clubs wie Manchester City. Perspektivisch sehen die Entwickler darin auch Potenzial für komplett alternative Übertragungsformate, zugeschnitten auf jüngere oder anderweitig spezifische Zielgruppen.
EA Sports: Fußball mit Game Engine
EA Sports präsentierte einen Ansatz, der es erlaubt, reale Bundesliga-Spielzüge in der Game Engine nachzuerleben. Datenbasis sind zwölf Kameras, die Tracab in jedem Bundesliga-Stadion installiert hat und die sämtliche Spieler- und Ballbewegungen erfassen. Eine Speziallösung füttert die Game Engine mit den realen Trackingdaten des tatsächlich gespielten Spiels.
Auf dieser Basis lässt sich die reale Spielszene frei aus jedem Blickwinkel abspielen: Nutzer wählen per Joystick eine eigene Kameraperspektive oder greifen auf eine klassische Broadcast-Kameraeinstellung als Standardansicht zurück. Ziel ist ein Tool, das Replay-Funktion und Kamerawahl aus dem Game so zugänglich macht, dass Broadcaster, Content-Creator und perspektivisch auch Fans oder Twitch Streamer selbst eigene, frei wählbare Ansichten realer Spielszenen erstellen können.
Autor: Christine Gebhard
Bildrechte: Nonkonform













