Postproduction: 16.11.2009

Lückenfüller für Final Cut Pro: Keying

Plug-Ins und Zusatzprogramme von Drittanbietern können die Funktionalität von Final Cut Pro sinnvoll und effektiv ergänzen. Dieser Teil des Tests befasst sich mit dem Thema Keying.

Wem die Möglichkeiten innerhalb von FCP nicht immer ausreichen, der kann das Apple-Schnittprogramm mit Plug-Ins von Drittanbietern »pimpen«. Im Folgenden finden Sie eine Auswahl solcher Plug-Ins für Keying-Aufgaben, die in der täglichen Produktion sinnvoll sind und eine wichtige Rolle spielen können.

Keying
DVGarage DV Matte Pro (rund 200 US-Dollar)

DV Garage bietet das Plug-In DV Matte Pro für rund 200 US-Dollar zum Download an. Der zentrale Key-Filter, mit dem sich Objekte isolieren und dann mit anderen Bildern kombinieren lassen, bietet eine integrierte Spill-Unterdrückung, Edge Blending und Farbanpassung. Zusätzlich enthält das Paket einzelne Filter für diesen Funktionsbereich und wartet mit Screenfix, Wrap und Match noch mit drei zusätzlichen Filtern auf.

Um beim Stanzen die Auswirkungen der Filtereinstellungen kontrollieren zu können, bietet der Keyer fünf verschiedene Ansichten, darunter eine Maskenansicht, eine für die Komposition und eine mit dem Vordergrund.

Für das Erstellen der Stanzmaske selbst gibt es drei Algorithmen. Tatsächlich macht schon diese Auswahl einen erheblichen Unterschied. Das Auswählen der hellsten und dunkelsten Key-Farbe mittels Pipette und das Einstellen des Kontrasts über einen Schieberegler reicht in vielen Fällen schon, um eine nahezu perfekte Alpha-Maske zu erzeugen. Die klassischen Treppenartefakte von DV– und HDV-Material werden von DV Matte Pro automatisch beseitigt. Die automatische Spill-Unterdrückung sorgt dafür, dass der Vordergrund von Einstrahlungen und reflektiertem LIcht in der Stanzfarbe befreit wird. Nur bei sehr schwierigen Details, wie blonden Haarenklppt das nicht automaatisch und leider fehlen feine Werkzeuge, mit denen sich gezielt Details zurückzubringen ließen.

Ein wirklicher Mangel an dem Paket ist, dass man die Schärfe des Maskenrandes nicht justieren kann. Diese Funktion ist sinnvoll und hilfreich, denn damit lassen sich oft recht einfach und schnell letzte unsaubere Details korrigieren. Als Alternative hierfür bietet das Plug-In Chroma-Control-Schieberegler, deren Einsatz erfordert aber Tüftelarbeit und führt auch nicht immer zum gewünschten Erfolg. Hier sind immer wieder Kompromisse nötig, etwa in der Form, den Key etwas zu stark einzustellen um farbige Ränder zu verhindern.

Die Filter Screenfix und Color Match sind nur dann hilfreich, wenn man deren Einsatz schon bei der Aufnahme vorbereitet und berücksichtigt. So erfordert Screenfix eine »leere« Aufnahme des Keying-Hintergrundes mit demselben oder einem sehr ähnlichen Ausschnitt, wie man ihn später nutzen will. Hat man das berücksichtigt, lässt sich damit schon vor dem Einsatz des Keying-Filters der Hintergrund ganz gut in eine gleichmäßigere Farbfläche verwandeln, so dass das Keying dann wirklich einfach von der Hand geht und auf Anhieb nahezu perfekt gelingt. Color Match setzt voraus, dass beim späteren Vorder- und Hintergrund jeweils eine Referenzfläche (Testchart) aufgenommen wurde, anhand derer sich dann die Farbe angleichen lässt.

Der Wrap-Filter ermöglicht es, Farbe aus dem eingefügten Hintergrund in den Vordergrund einstrahlen zu lassen, indem an hellen Stellen des Vordergrundobjekts ein leichter Lichtsaum simuliert wird. Das kann für einen wesentlich realistischeren Bildeindruck sorgen. Von allen getesteten Keying-Plug-Ins reagierte DV Matte Pro bei dieser Funktion am schnellsten auf die Eingaben mit den Schiebereglern und zeigte das berechnete Ergebnis rasch an.

Digital Film Tools Z-Matte 2.0 (rund 400 US-Dollar)

Z-Matte von DigitalFilmTools ist ein Paket aus sieben Einzelfiltern, darunter auch ein Deartifact-Filter, der es erlaubt, Kompressionsartefakte in DV- und HDV-Videos zu reduzieren.

Das Keying-Plug-In verfügt über eine primäre und sekundäre Stanzmaske. Die Ansicht lässt sich mittels Aufklappmenü zwischen den wichtigsten Modi wechseln. Die Keyfarbe wird ebenfalls über ein Aufklappmenü vorgewählt und muss dann über Schieberegler spezifiziert werden — eine Pipette gibt es leider nicht.

Auch alle weiteren Einstellungen lassen sich ausschließlich über Schieberegler einstellen. Positiv ist daran, dass überraschenderweise schon der Einsatz einiger weniger Korrekturen an den Reglern im Normalfall ausreicht, um eine gute Maske zu erstellen. Gleiches gilt für die integrierte Spill-Unterdrückung.

Allerdings ist die Bedienung insgesamt etwas altmodisch und unpraktisch, denn die Funktionsvielfalt und einige überflüssige Regler, wie etwa die Farbkorrektur, machen die Scroll-Liste sehr lang. So wird es rasch etwas mühsam, wenn man Einstellungen ändert und zwischen den verschiedenen Ansichten wechselt. Zudem reagiert Z-Matte sehr gemächlich auf veränderte Einstellungen und stellt damit die Geduld des Cutters mitunter kräftig auf die Probe.

Z-Matte ist leistungshungrig (oder ineffizeint programmiert): Schon auf einem eigentlich gar nicht mal so alten G5-Mac aus dem Jahr 2005 mit 128-MB-Grafikkarte ist die Software so langsam, dass Sie praktisch nicht mehr zu benutzen ist. Es sind also modernere Rechner nötig. Aber auch auf einem neueren Intel-Mac mit 256 MB erforderte das Arbeiten mit Z-Matte 2.0 teilweise zu viel Geduld. Z-Matte war unabhängig vom verwendeten Rechner von allen Keying-Plug-Ins dieses Tests am langsamsten.

Die Funktionen Deartifact, Light Warp und Edge sind sowohl im Keyer als auch in Form von einzelnen Plug-Ins vorhanden. In Light Warp kann der Hintergrund per Drag-and-Drop eingefügt und dann die Lichteinstrahlung auf den Vordergrund mit zwei Schiebereglern eingestellt werden. Praktisch ist der Filter Edge, womit für die Kanten der Maske ein weicher Übergang eingestellt werden kann.

Der Keyer enthält auch eine einfache Beschneide-Funktion und einen integrierten 4-Punkt-Corner-Pin, für geometrische Verformung. Diese Funktion haben die anderen Keyer im Test nicht zu bieten.

Matte Repair dient dazu, die Maske gleichmäßig auszuweiten oder zu verkleinern und die Weichheit der Ränder einzustellen. Zwar reagiert auch dieser Filter etwas träge, eröffnet aber eine Möglichkeit, den Rand der Maske zu justieren.

Die Funktionsvielfalt ist groß und Z-Matte deckt zumindest theoretisch die allermeisten Keying-Situationen ab, wer aber zügiges Arbeiten gewohnt ist, der wird unter der Trägheit der Filter leiden.

Weitere Filter, die mit Z-Matte ausgeliefert werden, sind Holdout und Matte Generator. Holdout ist ein spezieller Filter um in Compositing-Sequenzen transparente oder Partikeleffekte einzubauen. Die Bedienung ist zwar nicht intuitiv und man muss das Handbuch unbedingt zu Rate ziehen, doch der Filter erlaubt es, den Alphakanal einer Animation, vornehmlich mit Partikeleffekten an den Hintergrund anzupassen und so die Animation besser in die Komposition einzupassen.

Das wirkliche Highlight des Paketes ist der Matte Generator, denn er erlaubt es, Masken auch aus Aufnahmen zu erzeugen, die nicht vor einem Green- oder Bluescreen aufgenommen wurden. Es lassen sich bis zu fünf Maskeneigenschaften nach Farbe, Helligkeit und Sättigung auswählen und solange in diesen Spektren ein sichtbarer Unterschied zwischen Vorder- und Hintergrund besteht, kann damit eine ordentliche Maske erstellt werden.

Red Giant Primatte Keyer Pro 4 (rund 450 Euro)

Mit einem Endkunden-Listenpreis von rund 450 Euro ist der Primatte Keyer 3.0 der teuerste Kandidat im Keying-Vergleich. Die Bedienoberfläche lässt zunächst wenig Spektakuläres erwarten. Mit einem integrierten Filter erlaubt es der Primatte Keyer, je nach Kompression des Ausgangsmaterials die Treppeneffekte an den Objektkanten im Bild zu minimieren.

Einfache Keying-Aufgaben lassen sich schon mit der Automatikfunktion des Primatte Keyers mit recht guten Ergebnissen schnell und einfach lösen. Bei schwierigeren Aufgaben aber kann der Primatte Keyer erst seine wahre Stärke zeigen: Eine durchdachte, meist intuitive Benutzerführung, bei der man mit mehreren Werkzeugen die Maske direkt im Bild an den richtigen Stellen bearbeiten kann. Zentraler Arbeitsbereich sind die acht kleinen Schaltflächen, mit denen die Auswahl der Maske, das Bereinigen der Kanten und die Spill-Unterdrückung bewerkstelligt werden. Diese Schaltfläche liegen in der Reihenfolge vor, in der Sie bei der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle auch benötigt und angewendet werden: Das unterstreicht den hohen Praxisbezug der Programmierer. Bei vielen Aufnahmen reichen diese Werkzeuge und Arbeitsschritte aus, man kommt gut damit zurecht und muss keine Schieberegler bedienen. Erst bei hartnäckigen Problemen mit schlecht ausgeleuchteten Aufnahmen werden die weiteren Justage-Möglichkeiten über die Schieberegler benötigt und können dann zusätzlich eingesetzt werden.

Besonders wertvoll ist das letzte Werkzeug, mit dem sich transparente Bereiche wieder herstellen lassen, was mit erstaunlicher Präzision funktioniert und genaue Ergebnisse liefert.

Schön ist die Splitscreen-Darstellung, bei der zwei Ansichten parallel beurteilt werden können. Auch eine Rauschunterdrückung ist integriert. Zusätzlich zur gut funktionierenden normalen Spill-Unterdrückung gibt es noch eine zweite, die man einsetzen kann, nachdem man den Alphakanal angepasst hat. Außerdem bietet der Primatte Keyer eine Farbkorrektur zur Farbanpassung von Vorder- und Hintergrund, mit separaten Einstellmöglichkeiten für Highlights, Mitten und Schatten. Echtes, detailliertes Color Grading ist damit nicht möglich, aber eine erste Anpassung kann man schon erreichen.

Der Primatte Keyer überzeugt durch seine intelligente Struktur und die Leichtigkeit in der Handhabung. Die Option, mit Lightwrap nachträglich einen Lichteffekt im Vordergrund zu erzeugen, ist das Tüpfelchen auf dem i und dabei ebenfalls gut und einfach zu bedienen.

Boris Continuum Units: Chroma Keying (rund 280 Euro)

Boris hat einige Filter aus der Sammlung Boris Continuum Complete (BCC) in kleinere Einzelpakete zusammengefasst, die unter dem Namen Continuum Units als Toolkits für spezialisierte Einsatzgebiete angeboten werden.

Das Paket für Chroma Keying enthält fünf Plug-Ins. Leider fehlen aber einige der guten Keying-Filter aus BCC 6, die aus Sicht der Tester unbedingt in das Paket gehört hätten. So sucht man vergeblich nach dem Two Way Keyer, der schon mit wenigen Klicks eine sehr viel bessere Maske erzeugt, als der im Paket enthaltene Chroma Key. Zudem verfügt der Chroma Key nur über eine Bild- und eine Composite-Ansicht während der Two Way Keyer sieben verschiedene Optionen eröffnet, die Maske mit Ausgangsmaterial kombiniert zu betrachten. Selbst der in FCP enthaltene Standardfilter »Chroma Stanzsignal« mit seiner grafischen Oberfläche ist komfortabler als die abgespeckte BCC-Unit. Lediglich mit der Spill-Supression, mit der sich Farbeinstrahlungen auf den Vordergrund kompensieren lassen, kann BCC Chroma Key punkten.

Leider enthält Chroma Key auch keine der in den BCC-Filtern sonst üblichen Pixel Chooser. Der Filter Matte Cleanup aus dem Gesamtpaket fehlt ebenso. Man kann es leider nicht anders sagen: Die wertvollsten Funktionen aus dem großen Paket wurden beim zentralen Keying-Tool des kleinen »Unit-«Pakets einfach weggelassen.

Erfreulicheres lässt sich über eine andere Komponente des Pakets sagen: Matte Choker hilft. schnell und einfach Löcher in der Maske zu beseitigen. Diesen Filter kann man in der Wirkung auch auf ein Oval oder Rechteck beschränken.

Um den Key an die restlichen Aufnahmen anzupassen gibt es noch die Filter Light Wrap, um künstlich eine Lichtkante zu erzeugen, Match Grain um das Bildrauschen anzugleichen und Color Match um die Farbgebung zu optimieren. In Light Wrap kann das Hintergrundbild als Grundlage für den Lichteinfall verwendet werden, der dann meist mit guten Ergebnissen automatisch berechnet wird. Der Color-Match-Filter ist in Bedienung der Match-Funktionen etwas geradliniger als die 3-Wege-Farbkorrektur von FCP. Dazu bietet er die Möglichkeit, schnell zwischen Highlights, Mitten und dunklen Bildbereichen zu wechseln. Ebenso ist ein 1-Point-Tracker für sekundäre Farbkorrekturen in diesen Filter integriert.

Die Kombinationen der Filter in BCC Unit Chroma Keying erweitert insgesamt die Möglichkeiten von Final Cut Pro, vor allem durch den guten Matte Cleanup und die Farbkorrektur mit integriertem Tracker. Leider fehlen im Keying-Toolkit zwei wichtige FIlter, die in BCC enthalten sind, außerdem sind ie bei Boris üblichen Presets nur beim Cleanup-Filter hilfreich. So bietet vor allem der Filter Matte Cleanup einen kleinen Mehrwert, der den Preis von rund 280 Euro aber nicht rechtfertigt — besser gleich auf das volle BCC-Filterpaket setzen, oder wenn es nur ums Keying geht, eines der anderen Angebote wählen.

Fazit Keyer

DV Matte Pro ist schnell und arbeitet fast automatisch. Wenn man den Einsatz schon bei der Aufnahme berücksichtigen kann, ist es ein sehr gutes und schnelles Werkzeug. Nur das Bearbeiten der Maskenränder lässt noch etwas zu wünschen übrig.

Der Keyer Z-Matte ist zwar umfangreich und die Ergebnisse am Ende sind weit besser als die in Final Cut, die Bedienung ist aber umständlich und zeitraubend. Der innovativste Filter dieses Pakets ist der Matte Generator, der auch bei wirklich schlechten Bluebox-Aufnahmen eine große Hilfe darstellt.

Das Keying-Paket von Boris stellt mit zwei Filtern zum Aufräumen der Maske und der Farbkorrektur mit Tracker zwar eine gute Ergänzung (vor allem zu DV Matte Pro) dar, bietet aber nur ein mäßiges Preis/Leistungs-Verhältnis.

Der Primatte Keyer von Red Giant Software bietet bis auf eine räumliche Corner-Pin- Funktion alles, was man selbst für komplizierte Masken benötigt. Die Handhabung ist durchdacht und so ist es zwar das teuerste, aber eindeutig das beste Keying-Werkzeug im Test.

Hier gelangen Sie zu den weiteren Teilen des Plug-In-Test:

Look-Gestaltung, Color Grading
Tracking
Lensflare

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Autor
Christoph Harrer, Nonkonform
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