Archivierung, Film, Postproduction, Projektion: 31.01.2015

Super-8-Film digitalisieren — mit umgebauten Projektoren

Das niedersächsische Unternehmen Film-Digital hat sich auf das Thema Filmtransfer spezialisiert — aber mit einem ganz besonderen Twist: Das Unternehmen schlägt die Brücke zwischen 8- und 16-mm-Film auf der einen und der digitalen Welt auf der anderen Seite, mit umgebauten Filmprojektoren, Spezialoptiken und handelsüblichen Digitalkameras.

Vor einigen Jahren hat film-tv-video.de die Lösungen von Film-Digital bereits vorgestellt (Bericht), mit denen Filmenthusiasten ihre Filmschätze selbst ins digitale Zeitalter transferieren können. Natürlich gibt es dafür auch andere Möglichkeiten — Dienstleister und Filmscanner — aber die Lösung, einen Projektor umzubauen und das Material mit einer DSLR oder einem Camcorder zu digitalisieren, hat für viele Anwender einen gewissen Charme: So muss man etwa das Material nicht aus den Händen geben und kann teilweise schon vorhandenes Equipment nutzen.

Das Grundprinzip der Lösung von Film-Digital ist gleichgeblieben: Ein Projektor wird in puncto Filmtransport und Beleuchtung umgebaut, dann wird anstelle des Projektionsobjektivs eine Kamera mit Spezialoptik eingesetzt, um die Bilder aufzunehmen. Aber die Zeit ist natürlich auch bei Film-Digital nicht stehen geblieben und so hat das Unternehmen die Technik weiter verfeinert und neue Bedienmöglichkeiten geschaffen: Heute kann man den Filmtransfer mit einem System von Film-Digital auch per App vom Handy oder Tablet aus steuern und überwachen.

Grundprinzip

Die großen Sensoren von DSLRs und SLS-Camcordern (APS-C, Vollformat und S35) erlauben es im Zusammenspiel mit einem für den Nahbereich optimierten Objektiv, Filmbilder direkt auf den Sensor zu projizieren. So können etwa die Camcorder C300 (Test) oder C100 (Test) von Canon, aber auch Digital-Camcorder anderer Hersteller, sowie verschiedene DSLRs im Zusammenspiel mit der Spezialoptik von Film-Digital direkt vor den Projektor montiert werden. Auf diese Weise kann Bildmaterial, das bisher nur auf Film vorliegt, schnell und ohne großen Aufwand in vergleichsweise hoher Qualität digitalisiert werden.

Der Projektor muss für die Überspielung entweder vom Kunden selbst, oder von Film-Digital zum Transferprojektor umgerüstet werden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die vom Projektor und von der verwendeten digitalen Kamera abhängen. In jedem Fall wird die Beleuchtungsquelle durch ein von Film-Digital entwickeltes, in der Helligkeit steuerbares LED-Element ersetzt. Dann ist noch das Spezialobjektiv erforderlich, das anstelle des Projektionsobjektivs im Projektor sitzt.

Firmenvideo von Film-Digital, in dem das Grundprinzip der S8-Digitalisierung mit der Kombination aus Transferprojektor und DSLR demonstriert wird.
Weitere Möglichkeiten

Je nach der gewünschten Kombination aus Projektor und Kamera sind verschiedene Modifikationen nötig oder möglich und dadurch unterschiedliche Komfortstufen in der Bedienung erreichbar. Film-Digital bietet diese Modifikationen in Form von Modulen an. Bevorzugt modifiziert Film-Digital Studio-Super-8-Projektoren, etwa von Bauer oder Elmo.

Am meisten Möglichkeiten eröffnen sich derzeit, wenn man einen T610 von Bauer als Projektor verwendet und Film-Digital alle Motoren und Getriebe an diesem Projektor durch Schrittmotoren ersetzt. Dann kann dieser Projektor komplett via WLAN von einem Handy, Tablet oder PC aus fernbedient werden, gleichzeitig bleibt er aber auch mechanisch über das Drehrad direkt am Projektor bedienbar.

Mit einem solchen Projektor kann man dann etwa auch sehr schnell und einfach zwischen verschiedenen Filmgeschwindigkeiten wechseln, etwa zwischen 16, 24 oder 25 fps. Auch wenn es bei der Aufnahme abweichende Geschwindigkeiten gab, kann das an der Tablet-Steuerung korrigiert werden.

Die Steuerung auf mechanischer Seite über das Bedienrad des Projektors und auf digitaler Seite am Handy/Tablet sind eng verkoppelt, um Fehlbedienungen zu vermeiden. Es ist sogar optional möglich, den Schalter am Projektor vom Tablet oder PC aus motorisch zu bewegen.

Die Apps für die Steuerung des Transfer-Projektors sind in iOS- und Android-Versionen verfügbar. Wenn die eingesetzte Kamera das unterstützt, kann man auf dem Tablet oder Handy sogar die abgetasteten Bilder sehen.

Objektiv

Bei der Optik handelt es sich letztlich um ein speziell für diesen Zweck entwickeltes Makro-Objektiv mit fester Brennweite. Die Optik ist mit einem C-Mount versehen, kann aber per Adapter auch an andere Mounts angepasst werden. Die Optik stellt eine stabile Verbindung zwischen der Kamera und dem Projektor her.

Es gibt die Optik in zwei Varianten: Die Profi-Version deckt APS-C, S35 und Vollformat ab und bietet eine verstellbare Blende. Die einfachere Version ist nur für APS-C- und S35-Bildfenster geeignet, sie verzichtet auf eine verstellbare Blende.

Das Objektiv mit eingebautem Blendenring eröffnet weitere Möglichkeiten, die optimalen Abtastverhältnisse für das jeweilige Material herzustellen — neben dem Helligkeits-Steuerpult des Transfer-Projektors und der ISO-Empfindlichkeitseinstellung der Kamera. So lassen sich laut Film-Digital auch mit sehr alten oder falsch belichteten Filmen oft noch erstaunlich gute Ergebnisse erzielen.

Kameras

Es können Camcorder oder Fotoapparate verschiedener Hersteller verwendet werden. Bei Fotoapparaten kann man wählen, ob im Filmmodus digitalisiert werden soll, oder ob man Einzelbilder aufnehmen will. In letzterem Fall wird die Kamera per Fernauslöserkabel mit der Steuereinheit verbunden. Die Kamera fungiert dabei als Master, der Projektor als Slave: Dadurch können Kameras mit unterschiedlichen maximalen Einzelbildraten verwendet werden, denn der Projektor wartet mit dem nächsten Bild immer so lang, bis die Kamera wieder bereit ist. So lassen sich etwa auch Raw-Sequenzen aus dem S8-Material gewinnen.

Außerdem stehen durch die Kombination aus Projektor und handelsüblicher Kamera alle Bildgestaltungsfeatures der Kamera zur Verfügung: LUTs und Gamma-Kurven können je nach Anwenderanforderung eingesetzt werden.

Falls die Kamera keine Mirror-Funktion bietet, muss das abgetastete Material nachträglich in der Postproduktion gespiegelt werden, denn es wird ja seitenverkehrt auf den Sensor projiziert.

Kamerasupport, Justage für diverse Filmformate

Um das Gewicht der Kamera abzustützen, werden Teile aus dem Novoflex-Baukastensystem eingesetzt. Hiermit kann die Kamera zudem in allen Achsen millimetergenau vor der Filmebene justiert werden. Dadurch ist es auch möglich, außer Super-8-, auch Normal-8- und Doppel-8-Filme abzutasten, deren Bildfenster im Vergleich zum Super-8-Fenster im Projektor seitlich versetzt ist. Auch der Transfer von 16-mm-Filmen ist mit einer kleinen Modifikation der Optik — und natürlich einem entsprechenden Projektor — möglich.

Preise

Das Transferobjektiv bietet Film-Digital derzeit für 1.690 Euro an. Die Beleuchtungseinheit inklusive Helligkeitssteuerung gibt es in zwei Varianten für 185 und 215 Euro. Fertig modifizierte Projektoren sind für 580 oder 595 Euro erhältlich (alles Endkundenpreise inklusive Mehrwertsteuer, ohne Versand).

Einfache Komplettpakete, mit denen man im Filmmodus digitalisieren kann, bestehend aus modifiziertem T610-Projektor, Optik, DSLR (EOS 600D), externem Regler und allen erforderlichen Kabeln, kosten 2.290 Euro.

Um ein Einzelbildsystem aufzubauen, das alle oben genannten Funktionen bietet, ist zudem ein Paket mit Schrittmotor-Treiber-Einheit und Steuereinheit für Einzelbild-Transfer nötig, das in Versionen für 1.990 und 2.390 angeboten wird.

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