Editing, Test, Top-Story: 03.02.2017

Praxistest: Vegas Pro 14 von Magix

Der deutsche Anbieter Magix hat die Editing-Software Vegas von Sony übernommen. Jetzt präsentiert das Unternehmen mit Vegas Pro 14 eine neue Version des Schnittprogramms und will damit auch im Profibereich Fuß fassen.

Verschachteln von Projekten

Das Verschachteln von Projekten ist in Vegas Pro 14 nach wie vor durch Import eines anderen Vegas-Projektes in das aktuelle möglich. Das erleichtert blockweises Arbeiten.

Leider können die importierten Projekte aber dabei nur wie ein einziger Clip verwendet werden. Sie lassen sich bei Bedarf zwar trimmen, aber in ihre Bestandteile können Sie nicht aufgelöst werden. Möchte man den Inhalt dieser »Projekt-Clips« bearbeiteten, geht das nur, indem man den »Projekt-Clip« in einer zweiten Instanz von Vegas Pro öffnet und dort bearbeitet. Die Veränderungen werden dann in das neue Projekt übernommen. Wünschenswert wäre für die nächste Version die Möglichkeit, den »Projekt-Clip« in seine Bestandteile auflösen und vielleicht sogar mehr als nur eine Timeline in jedem Projekt anlegen zu können.

Vegas Pro 14.
Die Geschwindigkeit der Clips kann ab jetzt bis auf 1000% erhöht werden.

Die (dynamische) Geschwindigkeitsänderung der Clips war in Vegas dank einblendbarer Hüllkurven schon immer einfach. Ab dieser Version liegt die Obergrenze hierfür nun bei 1.000 % – und nicht mehr bei 300 %. Das erspart manches nochmalige Erhöhen der Geschwindigkeit, wenn ein bereits gerenderter Clip noch nicht schnell genug war.

Verbessert wurde in Vegas Pro 14 auch die Unterstützung für verschiedene Reds-Kameras, beziehungsweise deren Aufzeichnungsformate: Red One, Epic, Scarlet und Weapon.

Die Funktionen Post Lift, Post Gamma, Post Gain und Dragon Enhanced Blacks wurden hinzugefügt.

Keine integrierten LUTs

Vegas Pro 14.
Die Unterstützung von aktueller Aja- und Black-Magic-Design-Hardware wurde verbessert.

Vermisst haben die Tester in Vegas Pro 14 hingegen, integrierte LUTs nutzen zu können. Zwar gibt es — wenn man in den Projekteinstellungen den »32-Bit Voll-Bereich« gewählt hat — die Möglichkeit, verschiedene Farbräume auszuwählen, allerdings ist die Auswahl beschränkt, und die Einstellung für einen via Aja- oder BMD-Hardware angeschlossenen Videomonitor sucht man vergeblich.

Vegas Pro 14.
Da VisionColor derzeit LUTs nicht mehr kostenlos anbietet und Vegas Pro selbst keine hat…

Vegas Pro 14
… muss man sich selbst entsprechende Filterpacks bauen, um LUTs nachzuarmen.

LUTs werden aber immer wichtiger, da das Material oftmals mit sehr flachen logarithmischen Kurven aufgezeichnet wird, es aber bei der Bearbeitung richtig beurteilt werden muss.

Da Vision Color derzeit an »something big« arbeitet, wie die Homepage verheißt, stehen deren früher kostenlose LUTs zumindest derzeit ebenfalls  nicht mehr zur Verfügung.

So bleibt im Moment nur die Möglichkeit, sich über die Luminanz- und Farbkurven und evtl. auch den Sättigungsregler ein Filterpakt zu bauen (und zu speichern), um einen farblich halbwegs richtigen Eindruck zu bekommen. Man muss ich aber darüber klar sein, dass dies nur eine »Etwa-Lösung« ist. Im Zweifelsfall muss man zur Erstellung dieser Filterpakete eine Farbkarte nutzen und genügend Zeit haben, um ein gutes Ergebnis zu erarbeiten.

Gut gefiel den Testern, dass sich selbst UHD-Material inklusive einiger Filter auf einem halbwegs schnellen Rechner völlig ruckelfrei wiedergeben lässt – auch ohne vorherige Konvertierung oder Erstellung von Proxies.

Vegas Pro 14.
Erfreulicherweise können ab dieser Version HEVC/H.265 Dateien sowohl gelesen, als auch geschrieben werden.

Für den Output von Standbildsequenzen wurde die Gammaberechnung für 32-Bit-Gleitkomma-Projekte sowohl für den Videolevel-, sowie für den Vollbereich verbessert. Viel wichtiger aber ist, dass – nachdem Vegas Pro nie den Codec H264 direkt unterstützt hat – nun Clips in HEVC/H265 sowohl gelesen als auch geschrieben werden können. Da der Codec um etwa 20% »schlankere« Dateien produziert, wird er sicher sehr bald noch weitere Verbreitung finden.

Vegas Pro 14: Fazit

Auch nach der Übernahme durch Magix ist Vegas Pro ein gutes NLE-Programm, das besonders durch seine Audiofunktionen und die breite Palette mit vielen Einstellmöglichkeiten beim Export hervorsticht. Bei der Bildbearbeitung aber dürfte für die nächste Version hier und da noch etwas zugelegt werden.

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Autor
Andreas Frowein

Bildrechte
Frowein

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