Report, Top-Story: 07.09.2009

P2HD auf See: KST bestückt weitere Yacht mit Videotechnik

Bei der zweiten Segelyacht, die KST mit HD-Videotechnik ausstattete, konnte das Unternehmen erneut die verschiedenen Kompetenzbereiche des Unternehmens verknüpfen und das Schiff aus einer Hand mit der kompletten Elektronik bestücken.

Das Segelschiff Fantasy XL sollte sich auf Wunsch des Auftraggebers ohne großen Aufwand vom »schwimmenden Studio« zum »normalen«, komfortablen Charterschiff umwandeln lassen — und zurück. Ohne größere Eingriffe sollte es also möglich sein, die eingebaute Produktionstechnik schnell zu entnehmen oder zu verstauen.

Zwei Handheld- und zwei Schultercamcorder im P2HD-Format gehören ebenso zur festen Ausstattung des Segelboots, wie weiteres Aufnahme- und Wiedergabe-Equipment. Ein Schnittsystem steht an Bord bereit, die HD-Signale können auf zahlreichen Monitoren dargestellt und gesichtet werden (detailliertere Infos hierzu in den Abschnitten »Mastkameras und Monitore« sowie »Technik für HD-Produktion und -Postproduktion«}.

Planung, Integration

Ziel war es, Steuer- und Navigationselektronik des Schiffs mit der Videotechnik zu verknüpfen, um hier neue, flexible Möglichkeiten zu schaffen und Brücken zwischen den Systemen herzustellen. Auch sollte es nur einen Ansprechpartner für diesen technischen Bereich geben. Die digitale AV-Produktionstechnik musste also mit der sonstigen, an Bord benötigten Elektronik integriert werden: Navigationstechnik, Unterhaltungselektronik, Funksysteme, Radar-und Fernortungseinrichtungen spielten dabei ebenso eine Rolle wie Stromversorgung, Klimatechnik, Küchengeräte und vieles weitere.

Gleichzeitig sollte die zusätzliche Technik das Schiff nicht mehr als unbedingt notwendig in puncto Platz und Gewicht strapazieren: Eine Herausforderung, obwohl die Yacht ja nicht zu den kleinen Segelschiffen gehört. Viel Funktionalität auf so wenig zentralen Systemen wie möglich, lautete folgerichtig die Devise.

Transport und Bau

Bei der Fantasy XL handelt es sich um eine Segelyacht des Typs 540e von Hanse Yachtbau in Greifswald. Das Schiff wird aus Kostengründen in Semi-Serienbauweise erstellt. Eingriffe in den Ablauf der Produktion und technische Änderungswünsche erwiesen sich als nur schwer oder gar nicht realisierbar. Die Yacht konnte also nicht während des Baus in der Werft mit der Zusatztechnik ausgestattet und direkt an ihren Bestimmungsort im Mittelmeer transportiert werden, sondern musste nach dem Verlassen der Werft zunächst bei KST in Kreuzau Station machen und wurde erst dann nach Italien transportiert.

Boote des Typs Hanse 540e weisen eine Gesamtlänge von rund 18 m und eine Breite von 5 m auf. Die Yacht musste also per Schwertransport von der Werft in Greifswald aus quer durch Deutschland geschafft werden. Anfang Juni 2009 traf die Yacht dann nach etlichen logistischen Klimmzügen in Kreuzau bei Köln ein und stand auf dem Freigelände des Unternehmens für den Einbau der Elektronik bereit.

Um das Equipment möglichst platzsparend unterzubringen, wählten die Techniker einen interessanten Ansatz: Der komplette Bilgenbereich des Schiffs, aus Sicht des AV-Technikers quasi ein Doppelboden, wurde mit wassergeschützten Boxen ausgerüstet, die viele der sperrigen Komponenten aufnahmen. Leichter Überdruck verhindert das Eindringen von eventuell entstehender Feuchtigkeit.

Alle Wandkonsolen und Geräteträger mussten individuell angefertigt werden. Hier kam die neu aufgebaute Mechanikabteilung von KST zum Einsatz, die über modernste CNC-Geräte zur Fertigung mechanischer Baugruppen verfügt. So konnten alle notwendigen Arbeiten hausintern erledigt und in einem extrem kleinen Zeitfenster ausgeführt werden: Insgesamt standen für die Integration der Technik 10 Tage zur Verfügung, während denen das KST-Team im Schichtbetrieb durchgehend Tag und Nacht an dem Projekt arbeitete.

Stromversorgung

Das Schiff sollte auch abseits von Anlegestellen, ohne Landstrom voll operieren und alle Systeme nutzen können. Außerdem steht rund ums Mittelmeer nicht überall ausreichend stabiler Landstrom zur Verfügung. Basis der deshalb gewählten, autarken Energielösung ist eine üppige Bestückung mit Gel-Batterien. Zehn 120-AH-Gel-Batterien speichern, puffern und glätten die Spannung, mit der die an Bord verbaute Elektronik gespeist wird. Fünf nachgeschaltete 2-KVA-Wechselrichter erzeugen die notwendigen 230 V Wechselstrom für all die Systeme, die nicht mit Gleichspannung versorgt werden können.

Drei unabhängig voneinander arbeitende Systeme dienen zum Laden der Batterien: Im Idealfall wird das Schiff über zwei 32-A-Landanschlüsse von außen versorgt. Großverbraucher, wie etwa die Klimatechnik, erhalten in diesem Falle direkt die ankommenden 230 V Wechselspannung. Vier 12V-Ladegeräte (60 A) wandeln zudem die Spannung und speisen damit die Batterien.

Ist kein externer Strom verfügbar, erzeugt ein leiser 8-KW-Generator (Fischer-Panda-Aggregat) im schallgedämmten und wärmeisolierten Maschinenraum die notwendige Energie. Die Spannungsverteilung erfolgt wie bei externer Stromversorgung, eine vorgeschaltete Messeinheit startet automatisch den Generator, falls die Ladung der Batterien nicht ausreichend gewährleistet ist oder ausfällt.

Als Redundanz zu diesen beiden primären Versorgungseinheiten wurde die Antriebsmaschine des Schiffes mit zusätzlichen Hochleistungslichtmaschinen ausgestattet, die im Bedarfsfall einen Teil der 110 PS des Dieselmotors zur Stromerzeugung nutzen.

Navigations- und Ortungstechnik

Raymarine-Technik in Kombination mit zwei redundant aufgebauten Navigations-Computern sichert die Kursbestimmung auf der Fantasy XL. Im Außensteuerstand dienen insgesamt fünf LCD-Einzelanzeigen vom Typ ST70 als variabel einsetzbare Multifunktionsinstrumente. Auf ihnen können mittels frei programmierbarer Layouts alle relevanten Schiffsdaten dargestellt und überwacht werden. Neben den reinen navigatorischen Informationen können hier auch die Informationen der Wetterstation, Windmesseinrichtungen, Sonar, Annäherungsalarme, Geschwindigkeiten und weitere Informationen angezeigt werden.

Als zentraler Hauptrechner und großes Anzeigedisplay im Außensteuerstand dient ein C120W Widescreen Plotter. Auch darauf können alle Daten angezeigt werden, die von den ST70 Instrumenten erfasst werden. Zusätzlich bildet der C120W die Radardaten, Fischfinder und Sonar, die Bilder Mastkameras, Navionics-Kartendaten und vieles weitere ab.

Alle Systeme des Außensteuerstandes sind über Seatalk-HS-Bus und Seatalk-Backbone mit den zentralen Systemen im Schiffsbauch verbunden. Geräte wie Radar, Funkanlagen, GPS-Antennen, Fernortung, Echolot und Fischfinder, Wind- und Wettersysteme sowie vieles weitere sind ebenfalls in das Netzwerk eingebunden.

Das Herzstück des Navigations-Platzes bilden zwei kompakte Hochleistungs-PCs. Vollständig redundant aufgebaut ist ihre Hauptaufgabe unter Fahrt die Navigation. Alle schiffsweit verfügbaren Daten können hier visualisiert und ausgewertet werden. Umfangreiche Routenplanungen können direkt an den Autopiloten übergeben werden, der dann auf Wunsch auch unter Berücksichtigung der Wind- und Wetterdaten die Yacht automatisiert zum Ziel führt.

Mastkameras und Monitore

Will man von unter Deck ein Auge auf die Umgebung haben, erlauben das die beiden im Masttop montierten 3-Megapixel-Kameras: Sie bieten aus einer Höhe von rund 30 m über dem Wasserspiegel einen oft atemberaubenden Panorama-Rundumblick. Als down-konvertiertes SD-Signal steht dieses Bild auch auf dem C120W am Außensteuerstand zur Verfügung.

Dargestellt werden die Daten der Navigationsrechner auf einem 27-Zoll-Bildschirm mit WU-XGA-Auflösung direkt am Navigationsplatz und auf Wunsch auch auf vier weiteren, in den Doppelkabinen des Schiffes untergebrachten 24-Zoll-Monitoren gleicher Auflösung. Geroutet werden die Signale über eine 8×8 DVI-Matrix mit vorgeschalteten HDCP-Managern. Über den gleichen Signalweg werden auch die Signale eines für Unterhaltungszwecke gedachten, HD-fähigen AV-Servers verteilt. Auch die P2HD-Produktionstechnik wird über diese Infrastruktur angebunden, so dass die Displays mit unterschiedlichen Signalen beschickt werden können. Für den passenden Ton sorgt am zentralen Navi- und Computerarbeitsplatz eine 5.1-Surround-Anlage.

Technik für HD-Produktion und -Postproduktion

Den bandlosen Workflow mit P2HD von Panasonic und Schnittsystemen von Avid nutzt der Eigner der Fantasy XL auch schon bei einem kleineren Schiff (siehe Bericht) und hat dies als ideal empfunden. Deshalb wird auch bei der Fantasy XL das HD-Format auf Basis der P2-Speicherkarten als Produktionsstandard eingesetzt.

Für die Aufzeichnung stehen Handheld-Camcorder der Typen AG-HVX201 (Test, Vergleichstest) und AG-HPX171 (Test) bereit, als Schultercamcorder der neue AG-HPX301 (Test) und der AJ-HPX2100 (Infos). Die beiden zuletzt genannten Camcorder beherrschen AVC-Intra, und bieten damit die höchste Aufnahmequalität auf der Fantasy XL. Für die Aufnahme steht ein Kontingent von zehn 64-GB-P2-Karten bereit. Geplant ist zudem, künftig auch die AVCHD-Kombination aus AG-HMR10 und AG-HCK10 (Infos) an Bord vorzuhalten, um mit dieser sehr kompakten Kamera noch flexibler in räumlich beengten oder sehr action-reichen Situationen dynamische Aufnahmen machen zu können. Ebenfalls an Bord vorhanden: eine Canon EOS 5D, mit der sich ebenfalls HD-Videos aufnehmen lassen.

Das genannte, auf dem Boot stationierte Aufnahme-Equipment kann auf Anforderung aus dem Basis-Stützpunkt erweitert oder umkonfiguriert werden, fast jedes P2HD-Gerät steht zur Verfügung.

Als Wiedergabe- und Aufzeichnungseinheit kommt ein AG-HPG20 (Infos) zum Einsatz, dessen HD-SDI-Signal über einen Wandler auch an der DVI-Matrix anliegt und somit auf jedem Monitor des Schiffes gesichtet werden kann.

Wenn es um Video geht, kommt den Navigations-PCs eine zweite Aufgabe zu: Sie werden für Archivierung, Content Management und Editing der Videoaufnahmen genutzt. Als Schnittsystem kann Avid Liquid und/oder Media Composer verwendet werden. In Kombination mit dem IP-TV-basierten Content Management System Vsign 2.0 von IQ wird die Bordtechnik zu einem leistungsfähigen Produktionsplatz. P2-Ingest-Automatisation mit Verschlagwortung und Kommentierung schaffen die Basis auch große Materialmengen übersichtlich zu verwalten. VSign bietet Sichtungsfunktionen und einfaches Editing, zudem erlaubt es das Transcode-Modul, Clips und Sequenzen mit nur einem Batch-Auftrag in mehrere Formate zu kodieren und auszugeben. Das eröffnet die Möglichkeit, Low-Res-Kopien des Materials für Freigabe oder Browsing-Zwecke via UMTS oder über die Kommunikationseinrichtungen des Schiffes zu übertragen (FTP-Transfer, WiFi).

Ein zentrales Speichersystem mit einer Kapazität von 8 TB ( (permanent gespiegelt) sowie zusätzlich 10 x 1TB als Archiv- und Backup-Speicher, dienen der Datenspeicherung.

Produktionen können mit der vorhandenen Technik direkt an Bord der Fantasy XL fertiggestellt werden. Das Content Management System eröffnet aber auch die Möglichkeit, an Bord nur Vorarbeiten für die Postproduction zu leisten und darauf dann in der Postproduction an Land aufzubauen: Die an Bord generierte VSign-Datenbank kann auf einen mobilen Speicher übertragen werden, sie gleicht sich dann automatisch mit dem VSign-System im Heimatstudio ab. Soll die weitere Bearbeitung ohne VSign erfolgen, werden die Original-P2HD-Files und bereits bearbeitete Sequenzen auf mobile Datenträger kopiert und im Gepäck mitgenommen.

Praxisbetrieb

Seit Anfang Juli 2009 ist die Yacht in der Türkei in der Erprobungsphase. Die von KST durchgeführten Tests während der Überführungsfahrt haben den Eigner überzeugt und die Gesamtabnahme fand am 01.08.2009 statt. Nun steht der erste Produktionseinsatz an. Chartergesellschaften des Schiffes sind die Frankonia Yachtcharter mit Sitz in Bodrum und Karlstadt und die Fantasy-Sailing mit Sitz in Kreuzau.

Mit der Fantasy XL steht nun eine zweite, üppig ausgerüstete Yacht im Großraum Ägäis zur Verfügung, die aus Sicht von KST eine ideale Basis für maritime Videoproduktionen bietet. Neben den beschriebenen elektronischen Betriebsmitteln verfügt die Yacht auch über eine große Gerätegarage, welche nicht nur das Beiboot und die schiffseigenen Utensilien beherbergt, sondern auch Tauchausrüstungen und ähnliches Equipment aufnehmen kann.

KST stimmt die Nutzung des Schiffs für Videoproduktionen mit den Interessenten ab und rüstet das Schiff gemeinsam mit einem Partner vor Ort nicht nur nach den Wünschen des Kunden aus, sondern führt auch jeweils eine technische Übergabe durch. Die Chartercrew muss nicht zwingend selbst mit dem Schiff und auch nicht mit der Videotechnik umgehen können, ein Skipper sowie weiteres Personal können ebenfalls gebucht werden.

Anzeige:

Autor
red
Bildrechte
Moschkau, Archiv
Schlagwortsuche nach diesen Begriffen
Report, Top-Story

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: