Broadcast, Top-Story: 28.09.2017

Die Bundestagswahl im Fernsehen

An Wahltagen herrscht auch bei den Sendern Großkampftag. Media Broadcast gewährte einen Blick hinter die Kulissen, zeigte was hinter einer solchen Großproduktion steckt.

Bundestagswahl
Die Bundestagswahl 2017 war natürlich auch für die TV-Sender ein Großereignis. Media Broadcast gewährte Blicke hinter die Kulissen der Übertragungen.

Voraussagen und Hochrechnungen, Interviews mit Kandidaten und die Berliner Runde mit den Spitzenkandidaten der Parteien, sie gehören am Wahlabend einer Bundestagswahl genauso zum Ritual, wie ab 18 Uhr das Zappen zwischen ARD und ZDF.

Um aktuelle Bilder zeigen und einordnen zu können, treiben die Sender einen riesigen Aufwand — ein Blick hinter die Kulissen.

Bundestagswahl, Regie-Container
Der Regie-Container der mobilen Produktionseinheit des ZDF diente am Wahlabend als zentraler Schaltstelle.
Aufbau des ZDF für die Bundestagswahl

In der Telekom-Hauptstadtrepräsentanz unweit des Außenministeriums in Berlin-Mitte gastiert das ZDF regelmäßig mit seinem Wahlstudio. Der Aufbau begann schon etliche Tage vor der Wahl, mit der Montage des Lichtrigs und dem Einhängen und Ausrichten der Scheinwerfer, berichtet Jörg Bösendörfer, Technischer Leiter für Außenübertragungen beim ZDF. Mehr als 48 Stunden vor Sendebeginn wurden dann auch die Studiomöbel entladen und der Ton einreguliert.

Die Kameras und Zuspielungen auf die Videowall liefen bereits im Probebetrieb. Drei Ikegami-Kameras wurden auf Pumpen gefahren, eine weitere war an einem Kran montiert. Eine LDX-Kamera von Grass Valley wurde über Funk angebunden und Draufsichten auf die Gesamtsituation mit dem Moderationstisch, der Couch für Interviews und Arbeitsplätzen für Redakteure und Mitarbeiter der Forschungsgruppe Wahlen sowie den Gästebereich, lieferte eine weitere Kamera von der Balustrade aus.

Bundestagswahl, Stative
Das ZDF mietete sich mit seinem Wahlstudio bei der Hauptstadtrepräsentanz der Telekom ein.

Ein Ü-Wagen des ZDF war die Zentrale der gesamten Wahl-Produktion der Mainzer. Dort liefen 35 bis 40 Signale der Studiokameras, Zuspieler und weitere Quellen zusammen – auch von der Münchner CSU-Zentrale und sechs weiteren Außenstellen. Das ZDF setzte am Abend auf dem Alexanderplatz außerdem einen Reporter ein. Die Bilder kamen über einen LiveU-Rucksacksender via Mobilfunkstrecken in die Senderegie.

Per Insert-Generator konnten Tweets eingespielt werden, die zuvor von Redakteuren ausgesucht und für die Ausstrahlung vorbereitet wurden. Der Regie-Container war für eine zusätzliche Aufzeichnung der Signale erforderlich. In einem Schnittmobil wurden unter anderem kurzfristig Einspieler gefertigt. Ein weiterer Container der mobilen Produktionseinheit des ZDF diente als zusätzlicher Schaltraum. Alle eingehenden und ausgehenden ZDF-internen Signale liefen in einer mobilen Schaltzentrale von Media Broadcast zusammen.

Das »Berliner Modell« braucht viele Leitungen

Bei Großveranstaltungen mit allgemeinem, öffentlichem Interesse kooperieren die deutschen TV-Sender im sogenannten »Berliner Modell«. Darin ist die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung zwischen ARD, ZDF, DWTV, Phoenix, N-TV und N24 sowie innerhalb der ARD für die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Sendern und dem ARD-Hauptstadtstudio geregelt.

Bundestagswahl
Sven Dallmann von Media Broadcast, richtet die Signalwege für das ARD-Wahlstudio ein.

Bei der Bundestagswahl lieferte die ARD Bilder aus der CDU-Zentrale an den Pool aller Beteiligten und das ZDF die Bilder aus dem Willy-Brandt-Haus der SPD. Die privaten Nachrichtenkanäle N24 und N-TV stellten das Live-Material von den Grünen und der FDP bereit, während Phoenix aus der Zentrale der Linkspartei sendete. Die Deutsche Welle lieferte die Bilder der AfD-Wahlparty.

Damit alle beteiligten Fernsehsender auf Bilder von allen Standorten live zugreifen konnten, vernetzte Media Broadcast die Produktionsorte mit den Wahlstudios von ARD und ZDF über angemietete Glasfaserleitungen. Die Kapazität wurde entsprechend des Bedarfs der auftraggebenden TV-, Radio- und Streaming-Kunden aufgeteilt. Über das eigene Glasfasernetz wurden IP-basierte Übertragungen abgewickelt, um etwa Beiträge vom Vorort-Arbeitsplatz in die Online-Redaktion zu schicken.

Bundestagswahl, Wahlstudio ARD
Am Freitag vor der Wahl noch fast verpackt: Der Interview-Bereich im ARD-Wahlstudio.
Bundestagswahl: ARD-Wahlstudio im Hauptstadtstudio

Ein weiterer mobiler Schaltraum stand am Reichstagsufer zwischen dem neuen Ü8 von Studio Berlin und dem Hauptstadtstudio der ARD. Neben der Verbindung zum ZDF, die unter anderem wegen der gemeinsamen Ausstrahlung der beim ZDF ausgetragenen »Elefantenrunde« gebraucht wurde, liefen dort die Außenstellen der ARD-Produktion zusammen.

Bundestagswahl, Interview
Nur ein paar Meter vom im Aufbau befindlichen Wahlstudio wurde schon mal live gesendet: Der SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz im Live-Interview mit den jungen ARD-Redaktionen.

Die ARD hatte das eigene Hauptstudio als Mittelpunkt der Berichterstattung gewählt. Ausschlaggebend waren Kostengründe und die hinderlichen, höheren Sicherheitsanforderungen im Reichstagsgebäude.

Der Architekt des ARD-Neubaus hat vorgesorgt – in der ersten Etage befindet sich ein Veranstaltungsbereich. Diese Aktionsfläche ist zwar deutlich kleiner als beim ZDF, der Zuschauer bemerkte das aber kaum. Dort wurde das Wahlstudio mit Bereichen für Moderationen und Interviews, Arbeitsplätzen der Journalisten und der Wahlforscher von Infratest Dimap, sowie für Online-Redakteure eingerichtet.

Für die Bilder sorgten hier LDK8000-Kameras von Grass Valley auf Pumpen und teils mit Telepromptern sowie eine Steadicam. Eindrucksvoll wirkten während der Sendung die Topshots, für die eine verfahrbare MAT-Towercam ins Rig gehängt wurde. 

Bundestagswahl, SNG
Der Regieplatz im SNG-Fahrzeug bei Media Broadcast.
Grüner Wahlabschluss und Sport-Wochenende

Ein Team von Media Broadcast stattete die Berichterstattung von der Wahl-Abschlussparty der Grünen am Freitag im E-Werk aus. Während die Tische gedeckt wurden, verkabelten Techniker drei Kameras mit der Regie im SNG-Fahrzeug. Das war eine eher kleinere Baustelle mit drei Kameraleuten, einem Regisseur, einem Toningenieur und einem Sat-Techniker für die Sat-Anbindung über Astra 3B.

Media Broadcast besitzt drei dieser Satellite News Gathering (SNG) Fahrzeuge mit Vierkamera-Regie, mit denen Produktionen eigenständig abgewickelt werden können.

Bundestagswahl, Gerhard Füssmann, Klaus Baumhauer
Gerhard Füssmann (l.) und Klaus Baumhauer.

Dazu gehört noch ein Transporter mit Kameras, Kabeln und mehr. Sechs weitere SNGs sind etwa für den Uplink bei größeren Mehrkameraproduktionen gedacht. Für den Fall, dass weder eine Glasfaser- noch eine Sat-Anbindung möglich sein sollte, hatte Media Broadcast noch mit einem mobilen Richtfunksender mit 25- und 40-m-Mast vorgesorgt.

Die Wahlstudios der öffentlich-rechtlichen Anstalten waren für Media Broadcast sicher die Highlights der Wahlabend-Produktion. Für Klaus Baumhauer, Leiter Event Broadcast Services, und Gerhard Füssmann, verantwortlich für Key Account und die Kundenbetreuung in diesem Bereich, waren das nicht die einzigen Kunden. So hatte unter anderem die EBU eine weitere SNG-Regie gebucht, für Bild TV wurde eine Glasfaserstrecke bereit gestellt.

Fast schon nebenbei erinnerte Baumhauer noch an den Fernsehalltag am Wahlwochenende: Weitere Teams des Unternehmens unterstützten die Berichterstattung vom Berlin Marathon und Media Broadcast war auch in die Übertragungen der 1. und 3. Fußballbundesliga eingebunden.

Bundestagswahl, Sitzverteilung
Was vom Wahltag übrigblieb: Die Sitzverteilung im 2017 gewählten Bundestag.
Autor
Peter Dehn
Bildrechte
Peter Dehn (7), Deutscher Bundestag (2)
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