Studio, Top-Story, Video, Virtual Production, Virtual Set: 23.02.2022

IFM-Gruppe betreibt eigenes VR-Studio

In der Firmenzentrale von IFM in Essen realisierte KST ein weitgehend automatisiertes, IP-basiertes UHD-Multikamera-Studio mit modernster Roboter- und VR-Technologie.



IFM, Virtual Studio, Greenarea, © Nonkonform
An der Decke der Studiofläche hängen 33 superflache LED-Flächenscheinwerfer.
Ausstattung

An der Decke der Studiofläche hängen 33 superflache LED-Flächen-Leuchten, 24 weitere strahlen seitlich rundum in den Studiobereich, eine weitere Reihe sorgt für Ausleuchtung vom Boden aus und zusätzlich gibt es mobile Leuchten des gleichen Typs.

KST Moschkau, Geschäftsführer, Axel Moschkau, © Nonkonform
Axel Moschkau, KST Moschkau.

»Damit erzeugen wir ein superweiches, gleichmäßiges, fast schattenfreies Licht und können dadurch perfekt stanzen. Auf dieses Konzept reagiert so mancher anfangs kritisch, da es sich deutlich von der konventionellen, altbekannten Lichtsetzung unterscheidet. Allerdings passiert die Bildgestaltung in unserem VR-Konzept eben insgesamt nicht mehr im Studio, sondern direkt im Echtzeit-Grafiksystem von der Regie aus. Wir können jede erdenkliche Lichtsituation digital herstellen und müssen dafür keine realen Scheinwerfer mehr umbauen oder bewegen, und natürlich wird auch das ‚Grading‘ der Kamera-Bilder automatisch nachgezogen. Ein gewisser Umgewöhnungsprozess also«, erläutert Axel Moschkau, Geschäftsführer von KST.

IFM, Virtual Studio, Greenarea, Leuchte, © Nonkonform
Die flach konstruierten LED-Flächenscheinwerfer brauchen nur 36 W.

»Die flach konstruierten LED-Flächenscheinwerfer sind im Vergleich zur konventionellen Lichttechnik sehr kostengünstig. Das Licht-Set erlaubt es also, die für ein Studio vergleichsweise geringe Raumhöhe hier voll auszuschöpfen, und entlastet gleichzeitig das Budget.«

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Die Deckenschiene trägt den Roboterarm.

Die »Möblierung« des Studios besteht — neben ein paar, je nach Bedarf aufgestellten Requisiten — im wesentlichen aus den drei Kamerarobotern.

Die sind hängend an eigenentwickelten Schienen unter der Studiodecke montiert und sind Teil des Automatisierungs-Moduls CamBot-Robotics.

IFM, Virtual Studio, Greenarea, © Nonkonform
Eine der Schienen erlaubt es, den CamBot diagonal in Richtung Hohlkehle zu verfahren.

Zwei der jeweils 5 m langen Schienen laufen an den offenen Kanten des Studiobereichs entlang, die dritte läuft diagonal mitten durch das Studio in Richtung Hohlkehle.

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Die drei Hauptkameras haben sehr viel Bewegungsfreiheit innerhalb der Studiofläche.

Damit haben die drei Hauptkameras über die hängend montierten CamBot-Robotics-Systeme sehr viel Bewegungsfreiheit innerhalb der Studiofläche.

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Die 4K-PTZ-Kamera an der Decke.

Zusätzlich gibt es, direkt an der Studiodecke montiert, noch eine vierte Kamera. Das ist eine hochwertige 4K-PTZ-Kamera (Panasonic AW-UE100KEJ). Die Hauptkameras haben aber ein ganz anderes Kaliber: auf den CamBot-Armen sind VariCams installiert (AU-V35LT1G).

IFM, Virtual Studio, Greenarea, Varicam, © Nonkonform
Insgesamt sind drei VariCams im Einsatz.

»Als Hauptkameras setzen wir drei speziell für die Robotik modifizierte 4K-Kameras des Typs VariCam LT von Panasonic in Kombination mit ausgewählten Cine-UHD-Zoomoptiken von Canon ein. Wir nutzen die Kameras im Zusammenspiel mit dem VR-System Reality im Raw-Modus und erreichen dabei außerordentlich gute Stanzergebnisse bei hervorragender Bildqualität«, erläutert Axel Moschkau.

Felix Moschkau, Juniorchef, KST Moschkau, © Nonkonform
Felix Moschkau, KST Moschkau.

CamBot- und VR-Experte Felix Moschkau führt aus: »Wir haben die CamBot-Entwicklung deutlich vorangetrieben und viele Verfeinerungen in die Produktions-Automatisierung eingebaut — unter anderem ist es uns gelungen, die Schienen-Systeme für die Roboter nun noch sehr viel leiser zu machen. Absolute Priorität ist bei solchen Systemen natürlich die Sicherheit, da die Roboter ja im Studio innerhalb eines gemeinsamen Umfelds mit Menschen agieren.«

IFM, Virtual Studio, Greenarea, Varicam, © Nonkonform
Die hängend montierten Roboterarme sind mit Anti-Kollisions-Systemen bestückt.

»Sensoren an den kollaborativen Robotern und viele intelligente Funktionen in der CamBot-Remote-Software gewährleisten hier ein Höchstmaß an Sicherheit.«

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Mobiles 40-Zoll-Display fürs Monitoring.

Zum Studio gehört aber natürlich nicht nur »Gesehenwerden«, sondern auch »Sehen«: Das Studio ist mit vier 40-Zoll-Displays ausgestattet, die fürs Monitoring genutzt werden, aber auch als Teleprompter fungieren.

IFM, Virtual Studio, Greenarea, Prompter, © Nonkonform
Teleprompter an der Hauptkamera.

Direkt an der Hauptkamera gibt es einen weiteren, dezidierten Teleprompter.

IFM, Virtual Studio, Greenarea, Deckenmikro, © Nonkonform
Ein Deckenmikro im Studio.

Und »Hören« spielt natürlich ebenso eine Rolle: Die Mikrofonierung, die Tonsender, Kopfhörer und das In-Ear-Monitoring werden mit Komponenten von Shure erledigt.

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Wirklich erforderlich sind im Studio lediglich die Menschen, die vor der Kamera agieren.

Zudem gibt es im Studio auch noch eine leistungsfähige Audio-Zuspielanlage.

Wirklich erforderlich sind im Studio lediglich die Menschen, die vor der Kamera agieren, alles andere findet in der Regie statt.

Dort reichen zwei Personen aus, um das Studio komplett zu bedienen: Wegen der weitgehenden Automatisierung ist das Studio auch innerhalb kurzer Zeit produktionsbereit, quasi auf Knopfdruck.

Nur bei komplexeren Produktionen sind weitere Mitarbeiter in der Regie gefordert oder werden Remote zugeschaltet: Das Studio kann bei Bedarf also auch von außerhalb des Gebäudes gesteuert werden.

»Die Fähigkeit zur Remote-Production ist bereits im Studio-Konzept implementiert und somit oft ein weiteres, wichtiges Argument für diese technische Auslegung. Bei Bedarf kann die Produktion etwa aus dem KST-Innovation-Center unterstützt oder sogar vollständig operiert werden«, führt Axel Moschkau aus.

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Zwei Personen reichen aus, um das Studio komplett zu bedienen.
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IFM wollte höchste technische Qualität und ein wirklich überzeugendes VR-Ergebnis erzielen.

Dominik Stoecker, Gruppenleiter Corporate Digital Content von IFM und somit auch Studioleiter von IFM, erklärt: »Ein hoher Grad an Automatisierung und ein geringer Personalaufwand beim Betrieb des Studios waren für uns sehr wichtig. Gleichzeitig wollten wir höchste technische Qualität und ein wirklich überzeugendes VR-Ergebnis erzielen.«

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Die Kameras sind die »Augen« des Gesamtsystems.

Im Studio sind mit den Kameras die »Augen« des Gesamtsystems installiert, in der Regie befindet sich sozusagen das Gehirn: Erst hier wird aus den Greenscreen-Aufnahmen das fertige Bild — und das bezieht sich sowohl auf die Bildgestaltung des Vordergrunds wie auch auf die computergenerierte Umwelt.

KST Moschkau, Grundriss, VR-Studio IFM
Grundriss des IFM-Studios.

In einem L-förmigen Studio-Möbel-System von KST sind in der Regie die Bedienpulte, Touchscreens und PC-Displays eingebaut, an der Wand drei 65-Zoll-4K-Oled-Bildschirme, die als Multiview-Videowand kombiniert sind.

IFM, Virtual Studio, Regie, © Nonkonform
Kairos ist das Gehirn der Regie, …

Dabei fällt das Bedienfeld des Videomischers Kairos von Panasonic besonders ins Auge. Dahinter steckt ein Kairos-Core mit 4K-Option, letztlich ist dies das technische Herz der Regie.

IFM, Virtual Studio, Regie, Kairos, © Nonkonform
… das Kairos-Bedienpult ist der Eyecatcher.

Dabei ist Kairos weit mehr als ein Mischer mit integrierter Kreuzschiene, erläutert Axel Moschkau: »Kairos erlaubt es in der Kombination mit CamBot, direkt von der Kairos-Bedienkonsole aus viele andere Abläufe zu automatisieren — un dank der ST2110 Architektur benötigen wir keine separate 12G-SDI-Kreuzschiene.«

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Drei Reality-Render-Engines von Zero Density generieren die Hintergründe für die Kameras.

Als VR-System ist Reality von Zero Density im Einsatz. Dieses System basiert auf verschiedenen Software-Komponenten und drei Render-Engines — jeweils eine für jede der Hauptkameras. Zusätzlich gibt es weitere Rechner: eine Workstation für die grafischen Vorbereitungen und den Reality-Hub-Server. Die Steuerung erfolgt über den Browser von jedem beliebigen PC im Netzwerk oder direkt vom Automatisierungs-Modul CamBot-Graphics.

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Videotechnisch sind viele Geräte per 12G und per NDI miteinander verknüpft, aber insgesamt handelt es sich hier um eine ST-2110-Installation.

Videotechnisch sind viele Geräte per 12G und per NDI miteinander verknüpft, aber insgesamt handelt es sich hier um eine ST-2110-Installation. Hier sind MediorNet-Komponenten von Riedel im Einsatz, aber auch Geräte von Aja, Interfaces von Avid, sowie Mess- und Referenz-Technik von Leader — und etlicher weiterer »Kleinkram«.

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Prominentestes Bauteil im Audiobereich: M32Live von Midas.

Daher gibt es natürlich neben dem Video- auch umfassende IT-Netzwerke, etwa mit leistungsfähigen 100-GBit-Switches von Melanox und KVM-Komponenten von Adder. Von der Produktions-Automatisation sieht man in der Regie eigentlich nur die Touchscreens mit dem Operator-GUI (CamBot-Remote) und das Bedienpanel (KST-CBR-RP1), die Automatisierungsleistung erbringt die Software CamBot-Control, die als Backbone auf dem zentralen Linux-Server-System läuft.

Prominentestes Bauteil im Audiobereich ist in der Regie ein 32-Kanal-Audiomischer (M32Live von Midas).


KST-Geschäftsführer Axel Moschkau über den Dreiklang aus CamBot, Kairos und Reality.

 

Dominik Stoecker, Gruppenleiter Corporate Digital Content, Studioleiter, IFM
Dominik Stoecker, IFM.

»Wir wollten ein VR-Studio haben, das in puncto Technik und Workflow auf unsere Anforderungen abgestimmt ist. KST konnte uns in seinem Innovation Center konkret zeigen, was möglich ist. Das war für uns der ideale Einstieg. Im Anschluss haben wir uns zusammengesetzt und besprochen, was passieren soll. Dann wurde das Ganze durchgeplant, und KST baute uns letztlich ein auf unseren Bedarf zugeschnittenes ‚Turnkey-VR-Studio‘ ein, also eine schlüsselfertige Anlage von A-Z«, erklärt Dominik Stoecker von IFM.

IFM, Virtual Studio, Greenarea, Varicam, © Nonkonform
KST Moschkau hat für IFM ein maßgeschneidertes Turnkey-Studio gebaut.

Axel Moschkau ergänzt: »Wir haben in den vergangenen rund 18 Monaten 14 VR-Studios unterschiedlicher Größe und Ausstattung gebaut, konnten daher innerhalb kurzer Zeit, wie in einem Baukastensystem, das passende Studio für IFM entwerfen und anpassen. Die jeweils idealen Komponenten dafür wurden im Vorfeld im KST-Innovation-Center identifiziert und erprobt, oder — wenn nicht am Markt verfügbar — extra entwickelt.«

Seite 1: Einleitung, Video mit Dominik Stoecker
Seite 2: Ausstattung, Video mit Axel Moschkau
Seite 3: Praktischer Einsatz, Work in Progress

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Bildrechte
IFM (Grafiken), KST Moschkau (Grundriss), Nonkonform (Fotos)

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