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Segen der Technik?

Es dauert nicht mehr lange, dann werden die Technologie-Trendsetter der Branche bei der Leadmesse NAB wieder einmal darüber sprechen, dass die gesamte Branche einen massiven Wandel durchlebe und ein Paradigmenwechsel stattfinde, wie ihn die Branche noch nicht erlebt habe. Vieles davon ist nicht von der Hand zu weisen und manch einer ist gar voller Euphorie ob dessen, was da kommen soll. Eine gewisse Skepsis ist aber vielleicht ebenfalls angebracht.

Segen der Technik?

Teile der Telekom-Industrie haben schon einen tiefgreifenden, technikinduzierten Wandel hinter sich: Dort ist der Wechsel hin zur IP-Technik schon längst Realität und in weiten Teilen auch schon vollzogen. In Deutschland stellt die Telekom aktuell private Anschlüsse auf breiter Basis auf IP-Technik um. Geschäftskunden haben noch etwas Galgenfrist, müssen sich aber über kurz oder lang ebenfalls auf den Technologiewechsel einstellen.

Mag sein, dass das viele Vorteile hat — vor allem für die Telekom — aber man hört eben auch immer wieder, dass IP-basierte Telefonanschlüsse teilweise nicht durchgängig erreichbar seien und es öfter mal allerhand Probleme gebe, unter anderem auch mit der Stabilität und Qualität der Verbindungen und — ganz essenziell — mit der Tonqualität.

Wenn aber die Qualität im Vergleich zur bisherigen Technik abfällt, der Preis jedoch gleich bleibt, wo ist denn da der Nutzen für den Endkunden? Was ist gewonnen, wenn wir die zerhackstückten Gespräche, die wir von Mobiltelefonen kennen, nun auch zwischen Festnetzanschlüssen führen müssen?

Benutzt der Gesprächspartner dann auch noch ein minderwertiges Headset und die Passagen, die nicht zerhackt ankommen, klingen, als habe er eine Wolldecke im Mund, dann wünscht man sich die gute alte Zeit wieder her: Es gab tatsächlich mal stabile Telefonverbindungen, über die man in guter Sprachqualität kommunizieren konnte. Das war vor Skype und IP-basierten Konferenzschaltungen ganz normaler Stand der Technik.

Wie konnte es also soweit kommen, dass eine gut funktionierende Technologie abgelöst wird durch eine in etlichen Aspekten schlechtere, die mit vielen Nachteilen gespickt ist? Weil es eben auch Vorteile gibt — die können im Einzelfall auch mal einseitig ausfallen und etwa darin bestehen, dass der Anbieter mit der neuen Technologie einfach mehr Geld verdienen will.

Aber vielleicht sind wir eben auch selbst schuld, weil wir viel mehr Bandbreite brauchen, um alles mögliche mit der ganzen Welt zu teilen: Fotos unseres Essens, Eckdaten unserer jüngsten sportlichen Aktivitäten, Statusinformationen unseres aktuellen Aufenthaltsortes, Selfies aus dem Club, beim Skifahren oder vor dem Spiegel.

Zurück zur Broadcast-Branche: IP nur um IP willen einzuführen, ergibt keinen Sinn. Aber ohne technischen Fortschritt würden wir heute noch vor dem Volksempfänger sitzen — möglicherweise wäre unser Leben dann insgesamt sogar stressärmer — aber wollen wir das wirklich wissen?

Autor: Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller

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