Change Management, Trend, Veranstaltung: 12.07.2018

Kollaborationen und Allianzen als Antwort auf den Change

Bereits zum dritten Mal fand das Media Tasting statt — ein Innovationskongress, der aufzeigen will, wie Veränderungen in der Medienbranche gelingen können. 230 Entscheider kamen zu der Veranstaltung nach Stuttgart.

Das »Media Tasting 2018« stand unter dem Leitthema »Change becomes Culture«. Eines der Resümees der Veranstaltung lautete, dass Innovationen, Kreativität, Virtual Reality, neue Konzepte und Lösungen im Bereich der künstlichen Intelligenz notwendig seinen, wenn die deutschen Medienunternehmen im Wettbewerb gegen Google, Amazon, Netflix und Co. bestehen wollten. Dabei stünden die Player künftig vor der entscheidenden Frage, ob sie branchenübergreifend Kollaborationen und Allianzen mit nationalen Wettbewerbern eingehen oder einen eigenen Weg einschlagen wollten. Dem linearen TV räumt der Kongress eine Zukunft ein, wenn es kombiniert werde mit Inhalten, die im On-Demand-Bereich zur Verfügung stünden. 

Media Tasting
Das »Media Tasting 2018« stand unter dem Leitthema »Change becomes Culture«.
Virtual Reality

Virtual Reality ist für Keynote-Speaker Michael Neidhöfer von der Digital Devotion Group die technische Innovation, die in den Startlöchern steht und vieles verändern wird. In der Industrie spielen VR-Anwendungen aus seiner Sicht bereits heute schon eine wichtige Rolle. Virtual Reality und die jüngste Erscheinungsform Mixed Reality werden, so Neidlingers Einschätzung, im Zuge besserer Technologien sowie sinkender Hardware- und Einstiegskosten immer mehr auch in unseren Alltag einziehen. Für ihn besitzt Virtual Reality viele Potentiale, deren Entwicklung erst am Anfang stehen. Stories können in VR neu und anders erzählt werden und das von der Werbung, über die Produkterklärung bis hin zum Infotainment:»Wer heute bereits mit mobilen Apps arbeitet, wird bald auch virtuelle Apps anbieten.«       

Rundfunkrat für Facebook
Media Tasting
Bereits zum dritten Mal in Folge fand Media Tasting statt.

Beim Media Tasting ist die Regulierung immer ein großes Thema. So würde Thomas Laufersweiler von ARD.de beispielsweise Facebook gerne einen Rundfunkrat gönnen. Auch über das Kartellamt und dessen strikte Haltung im Bezug auf eine deutsche Zusammenarbeit im Plattform-Bereich wurde diskutiert. Hier dürfte sich schon in nächster Zeit zeigen, wie es weitergehen wird. Anlass ist das Konzept eines senderübergreifenden kommerziellen deutschen Streamingportals von Discovery mit der Sendergruppe ProSiebenSat1, das Susanne Aigner-Drews (Eurosport, DMAX und Discovery) vorstellte. Die »Super-Mediathek« will Sport-Liveevents und attraktive lineare TV-Inhalte nutzen, um einen starken OTT-Brand in Deutschland zu schaffen. 

Durchaus Sympathien für die neue Plattform hegt Thomas Laufersweiler von ARD.de und verweist mit Blick auf das Kartellamt auf »viel vertane Zeit und blutige Nasen« beim Aufbau einer entsprechenden Plattform. Für die ARD müssten allerdings vor einer möglichen Zusammenarbeit einige grundlegende Fragen geklärt werden, wie etwa das Verhältnis von Pay-Angeboten und mit Rundfunkgebühren finanzierten Inhalten oder der Umgang mit Empfehlungen.    

Mut zur Zusammenarbeit 
Media Tasting
Stephan Zech, Funke Mediengruppe.

Stephan Zech von der Funke Mediengruppe forderte alle Marktteilnehmer mit Blick auf Netflix auf, viel selbstbewusster aufzutreten. Eine Plattform alleine müsste nicht unbedingt die richtige Antwort sein. Plattformen sollten jedoch grundsätzlich überall nutzbar sein. Die große Herausforderung liegt für ihn im Wandel des Denkens: »Wir müssen Awareness für Produkte schaffen, anstatt auf Quoten zu schauen.« Zudem müsse der Aufbau übergreifender Plattformen als Kollaboration beginnen und sollte sich erst im zweiten Schritt mit den gesellschaftsrechtlichen Beteiligungsfragen befassen. Dabei seien typische Fehler bei Kollaborationen unbedingt zu vermeiden, rät Ester Petri von der MFG Baden-Württemberg, mit Fokus auf die Kreativwirtschaft. Aus ihrer Sicht sind bei jungen Leuten gute Inhalte immer gefragt – gleichgültig, ob es sich um Dokumentationen oder Serien handle und unabhängig davon, auf welcher Plattform sie angeboten würden.

Stephan Zech, Funke Mediengruppe.Thomas Laufersweiler von ARD.de ergänzt, dass er sich den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Empfehlungen und On Demand Planungen durchaus vorstellen kann. Hier stünden die Sender allerdings erst am Anfang. 

Wie Medienhäuser und Unternehmen Wandel angehen 

Anhand einiger konkreter Beispiele wollte der »Media Tasting-Kongress zeigen, wie Unternehmen, aber auch Medienhäuser den vielbeschworenen Wandel erfolgreich umsetzen können. 

Europa Park – von der Holzachterbahn zum VR-Erlebnis

Michael Mack, Chef des familieneigenen Europa-Park, erweitert die Realität für die Besucher des Freizeitparks durch computeranimierte Virtual-Reality-Inhalte. Nach Tests auf der Achterbahn Blue Fire kam die VR-Anwendung Coaster 2015 auf den Markt. Dabei hatte er sich erfolgreich zunächst gegen interne Widerstände durchgesetzt und ein neues Geschäftsfeld erschlossen. Die Anwendung begeistert mittlerweile weltweit in 60 Vergnügungspark die Besucher.  

Playmobil erobert die digitalen Kanäle

Lars Wagner, Vorstand Marken- und Produktmanagement und ehemaliger Chef des deutschen Disney Channel, ist heute für den Spielzeug-Produzenten Playmobil auf vielen digitalen Kanälen unterwegs. Neben eigen- und fremdproduzierten Inhalten auf YouTube wird es demnächst den ersten animierten Playmobil-Film geben. Zudem werde gibt es in Kooperation mit Disney Channel sechs weitere TV-Serien. 

Einfach machen 

Wie sich Facebook, YouTube und Co. für eigene Zwecke kommerzialisieren lassen, zeigte Simon Walter, Leiter Digitales der Pforzheimer Zeitung. Die eigenentwickelte App »Sobble« sortiert die Inhalte von Social Media-Kanälen personalisiert nach den jeweiligen Interessen der Leser. Dabei profitieren die User von einem deutlich geringeren Suchaufwand für Inhalte, Werbekunden von passgenauer Ansprache und das Verlagshaus von einer höheren Leserbindung und neuen Einnahmen – etwa auch als White Label-Lösung. 

Resümee
Media Tasting
Frank Apfel, Geschäftsführer von Apfel Programm Marketing.

Veranstalter Frank Apfel, Geschäftsführer von Apfel Programm Marketing, zieht ein positives Resümee der Veranstaltung und ist sich sicher, dass sich Media Tasting als Kongressformat etabliert habe. Dabei hebt er insbesondere die Kombination aus Präsentationen, Vortragenden und dynamischen Formaten positiv hervor.