Branche: 13.09.2003

IBC2003: Thomson baut Marktposition aus und unterstützt Panasonics Solid-State-Technologie

Thomson will Panasonics Solid-State-Technologie zunächst im News-Editing- und Server-Bereich unterstützen. Weiter kündigt das Unternehmen an, digitale Broadcast-Lösungen mit aggressiven Preisen an zu bieten: »Making digital affordable« heißt dabei Thomsons Motto.

Thomson gab in seiner Pressekonferenz unter anderem bekannt, dass das Unternehmen mit Panasonic ein Entwicklungsabkommen zum Thema SD-Speicherchip-Technologie für den Einsatz im Broadcast-Bereich geschlossen hat. Dabei handelt sich aber nicht um ein OEM-Abkommen, wie Thomson und Panasonic es etwa bei DVCPRO abgeschlossen haben. »Das Agreement, das wir mit Panasonic getroffenn haben, ist wesentlich mehr als ein OEM-Vertrag. Es geht um gemeinsame Entwicklungen und um Workflows«, erläuterte Marc Valentin, Präsident von Thomson Broadcast & Media Solutions.

Im Rahmen der Vereinbarung mit Panasonic wird Thomson zunächst die Produkte der M-Serie mit SD-Card-Laufwerken ausstatten. Auf diese Weise werden sich künftig Aufnahmen auf einer SD-Card direkt mit dem M-Server lesen und weiter verarbeiten lassen. Es soll künftig auch möglich sein, Material von der SD-Card direkt in das NewsEdit-System von Grass Valley zu laden und damit weiter zu bearbeiten.

Thomson betont, dass Panasonics Solid-State-Technologie gerade auch im US-Markt auf große Aktzeptanz stoße und von etlichen Sendern wie etwa Fox und CBS unterstützt werden. Zudem sehe man in der Technologie ein großes Potenzial, weil sie kompatibel zu DV sei, praktisch keine Wartungskosten mehr entstünden, auch eine Migration zu HD denkbar sei und vor allem unmittelbarer Zugriff aufs Material möglich sei.

Die Unterstützung der SD-Card bedeutet für Thomson allerdings keine alleinige Konzentration auf diese Akquisitions-Technologie. Man werde weiterhin auch Sonys Optical-Disc-Entwicklung verfolgen. Dazu Broadcast-Chef Marc Valentin: »Wir werden Optical Disc natürlich in bestimmten Bereichen ebenfalls unterstützen, schon allein deshalb, weil auch unsere Kunden damit arbeiten und deshalb auch hier Interfaces notwendig sind.« Ein Entwicklungsabkommen mit Sony gibt es demnach allerdings nicht.

Neben dieser Ankündigung gab Thomson im Rahmen seiner Pressekonferenz auch strategische Pläne und erste Infos zu neuen produkten bekannt.

Welche generelle Bedeutung Thomson dem Bereich »Media & Operators« beimisst, zu dem auch die Broadcast-Sparte gehört, machte Ghislain Lescuyer, Executive Vice President des Firmenbereichs Thomson Broadband Access Products, an Zahlen deutlich: er macht mit 45% den größten Anteil am Umsatz des Gesamtkonzerns aus und er wurde demnach in den vergangenen fünf Jahren stetig ausgebaut und dramatisch erweitert. Lescuyer führt das unter anderem auf das starke und enge Zusammenspiel der vier Bereiche Thomson, RCA, Technicolor und Grass Valley zurück, die er in der »Entertainment Value Chain« verbunden sieht. Unter den größten Kunden im Bereich »Media & Operators« finden sich große Namen: BSkyB, Fox, ABC/Disney, Warner, Vivendi, DirecTV, France Telecom und Telefonica. Schlagworte, mit denen Lescuyer die Strategie von Thomson während der IBC2003 und darüber hinaus beschrieb waren: »making digital affordable«, »is tapeless the way of the future«, »working in HD, protecting SD« und »cable marches towards digital«.

Großes Potenzial sieht man Thomson auch in der Verbreitung von Programmen über neue Verteilwege. »Enabling mass market digital broadcasting in cable and terrestrial«, hieß das bei Baudouin de la Tour, Vice President DSL-Business, den Thomson als Redner für diesen Marktaspekt präsentierte. Thomson geht davon aus, dass getrieben von den Telekom-Anbietern, auch immer mehr Broadcast-Programme über DSL-Anschlüsse verteilt werden. Weil Thomson nach eigenen Angaben die meisten DSL-Receiver und DSL-Modems verkauft hat, sieht man sich hier in einer guten Position. Fernsehprogramm, Web-Browsing, E-Mail und Spiele in einem Gerät mit DSL-Anschluss, das ist aus Sicht von Thomson die Zukunft der Distribution.

Marc Valentin, Präsident von Thomson Broadcast & Media Solutions, führte weiter aus, dass Thomson sich den Anforderungen des Marktes stelle und die lauten aus Sicht von Thomson: Unterstützung offener Standards, Multi-Format-Support und SD/HD-Umschaltbarkeit.

Die Umsetzung sieht Valentin bei Thomson optimal realisiert und er nennt als Beispiele für die Multiformat-Strategie, dass zentrale Produkte durchweg SD- und HD-fähig seien, etwa die Kamera LDK6000, der Server PVS30000, die Trinix-Kreuzschiene sowie die Filmprodukte Spirit, Specter und Shadow. Auch die auf HD aufrüstbaren Produkte LDK5000 und Kalypso illustrieren aus Valentins Sicht, was damit gemeint ist.

Weiter hob Valentin hervor, dass es besonders wichtig sei, dem Kunden eine sinnvolle Vernetzungs- und IT-Strategie bieten zu können, was Thomson nun auch mit Paketangeboten umsetzen will. Hier sieht er einen der Vorteile Thomsons: »Wir bringen die Preise nach unten und die Leistungsfähigkeit der Produkte nach oben. So haben wir etliche Pakete im Angebot, die sich um den M-Server herum aufbauen und dem Kunden letztlich ein TV-Studio in einer Box bieten inklusive weiterer Komponenten wie etwa der neuen kostengünstigen Kreuzschiene Concerto 64«. Diese Kreuzschiene ist zwar multiformatfähig, sie liegt aber im Preis vergleichsweise niedrig und soll ab Dezember für einen Nettopreis von 4.000 Dollar angeboten werden. Die Pakete, die Thomson für verschiedene Einsatzgebiete schnürt, werden zu Nettopreisen ab 60.000 Euro für den Newsbereich udn 160.000 Euro für den Studiobereich angeboten.

Weitere Produktneuheiten:
Den zur NAB2003 erstmals präsentierten, kleineren Mischer KayakDD gibt es nun auch in einer 2-M/E-Version.
Gleich zwei neue SD-Kameras stellt Thomson mit der LDK-300 und der LDK-500 vor. Die 300er ist eine 12-Bit-Kamera zum Nettopreis von rund 25.000 Euro, die sich mit einem Triaxadapter oder einem DVCPRO50-Dockrecorder kombinieren lässt. Die LDK-500 liegt in der Preisgegend von 75.000 Euro, sie bietet 14-Bit-Signalverarbeitung.
Die Server der M-Serie geben ihr Europadebüt, hier zeigen sich massive Fortschritte im Vergleich zur NAB2003.
Auch im Digital-Film-Bereich gibt Thomson etliche Neuerungen bekannt. So soll es etwa für Specter FS Virtual Data Cine nun Multiresolution-Timeline-Support und einige weitere Optionen geben. Spirit 4K wird ab Oktober 2003 ausgeliefert und bis zum Jahresende sollen auch alle Optionen verfügbar sein.

Ein aktuelles Interview mit Wilfried Wüst und Uwe Ritter von Thomson, das diese ersten Thomson-Messeinfos ergänzt, finden Sie hier.

Autor
red
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