Branche, Interview, Top-Story: 01.02.2005

Bernd Schulze und Jan Kruse: HD-Jahr 2005?

50 Insider aus verschiedenen Bereichen der Film-, TV- und Videobranche haben die Fragen von www.film-tv-video.de zum Thema HD beantwortet. Eine Zusammenfassung analysiert die Stimmung in der Branche, zudem stehen auch die Antworten der einzelnen Befragungen in voller Länge zur Verfügung. In diesem Beitrag lesen Sie die Antworten von Bernd Schulze und Jan Kruse. (Zum Download bitte auf den Dateinamen am Ende des Artikels klicken.)

**Welche Bedeutung hat HD heute in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wie und wann wird sich das aus Ihrer Sicht ändern?

Bernd Schulze: HD ist bei Pictorion Das Werk zu einem wesentlichen Bestandteil im täglichen Produktionsalltag gewachsen. Bei uns wird HD neben seiner Verwendung als Akquise- und Masterformat auch als Postproduktionsformat für Kino- und Filmproduktionen genutzt.
Jan Kruse: HD wird von uns auch als Medium zwischen Film-abtastung/Filmscanning und dem Filmrecording genutzt, also im bereich Digital Intermediate. Weiterhin ist HD mit den Formaten HD-D5 und HDCAM SR als Mastering-Medium sehr wichtig, da wir hiermit den nordamerikanischen Markt bedienen – vom digitalen Filmmaster ausgehend, werden damit alle denkbaren Video-Deliverables abgedeckt.

**Beim Thema HD wird in Deutschland oft von der Signalwirkung gesprochen, die von der Fußball-WM 2006 ausgehen werde. Wie beurteilen Sie dieses Thema?

Bernd Schulze: Auch wir versprechen uns eine erhebliche Signalwirkung, vor allem für die Werbeschaffenden. Wer möchte schon zur Halbzeitpause seine Werbung für Premium-Produkte in PAL-Qualität sehen?
Darüber hinaus gibt es inzwischen eine sehr erfreuliche Entwicklung in unterschiedlichen Produktionsbereichen, die völlig unabhängig von dieser Signalwirkung die Zeichen der Zeit erkannt haben.
Jan Kruse: Sobald HDTV auf breiterer Basis eingeführt wird und der Consumer-Markt mit entsprechenden Wiedergabegeräten abgedeckt ist, wird es für die gesamte Bearbeitungskette noch interessanter.

**Welches Hindernis hemmt derzeit die Verbreitung von HD im Markt am meisten? Wie könnte man dem begegnen? Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit HD in Deutschland alltägliche Realität wird?

Bernd Schulze: Ein wesentlicher Faktor ist die Unsicherheit über Formate und einzelne Produktlinien der Hersteller. Dies wird vor allem durch die Vielzahl an möglichen Aufnahmemodi bedingt. Des Weiteren wird immer wieder die Frage gestellt, ob man auf HD oder doch lieber auf Film drehen sollte. An dieser Frage sollte aber eine Produktionsentscheidung für HD nicht ausgerichtet werden. Vielmehr an den Auswertungswegen und Produktionsstandards, die man erreichen will.

**Wann werden die Zuschauer in Deutschland regelmäßig bei mehreren Sendern HDTV sehen können? Spielt das für Ihren Tätigkeitsbereich eine Rolle? Was erwarten Sie beim Thema HDTV von den öffentlich-rechtlichen Anbietern, was von den privaten?

Bernd Schulze: Die Öffentlich-Rechtlichen sollten vielleicht ihrer Führungsrolle gerecht werden und mit HDTV auf Sendung gehen. Natürlich will die Mehrkosten dafür niemand bezahlen.
Im Bereich der Privaten wird es wahrscheinlich nur gemacht werden, wenn konkret jemand dafür bezahlt: entweder der qualitätsbewusste Konsument oder die Werbeindustrie, die so eine kaufkräftigere Kundschaft ansprechen kann.
Jan Kruse: Dies wird vermutlich spätestens 2010 der Fall sein. Technisch sind wir schon jetzt vorbereitet. Von den Anbietern erwarten wir eine standardisierte Unterstützung.

**Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht der Consumer-Markt mit Technologien wie HDV in der Aufzeichnung, mit HD-DVD und der zunehmenden Verbreitung von Plasma- und LC-Displays?

Bernd Schulze: Der Consumer-Markt könnte mit schnell wachsenden technischen Möglichkeiten die Entwicklung beschleunigen oder sogar dafür sorgen, dass HD-Content im Wohnzimmer Alltag wird, bevor die TV-Sender die Zeichen der Zeit erkannt haben.

**Wie sollte aus Ihrer Sicht ein europäischer HDTV-Standard aussehen? Nennen Sie uns bitte die Eckwerte und ergänzen Sie diese mit einer kurzen Begründung.

Bernd Schulze: Qualität geht vor, somit sollte man jetzt nicht halbherzig auf die Formate mit 720 Linien setzten. Die allermeisten hochwertigen Produktionen liegen in 1080 vor. Gegen eine Bildfrequenz von 25p oder 50i werden sich in der Summe letztlich schwer Argumente finden lassen.
Jan Kruse: 1920 x1080 mit der Bildrate 24p/25p. Dieses Format entspricht den Sehgewohnheiten der Kinobesucher und Spielfilmzuschauer.

**Was wollen Sie uns noch zum Thema HD mitteilen?

Bernd Schulze: Pictorion Das Werk ist seit Jahren führender Dienstleister im Bereich HD, sowohl was Qualität als auch Quantität und Verfügbarkeit angeht. Wir werden diesen Weg konsequent fortsetzten.
Jan Kruse: HD ist bei Pictorion Das Werk in einigen Bereichen längst Alltag. Der HD-Zukunft sehen wir gelassen entgegen und sind bestens gerüstet und vorbereitet. Bis sich HDTV auf breiter Basis durchsetzt, wird es vermutlich noch etwas dauern.

Downloads zum Artikel:

T_0105_HD_Pic_Schulze_Kruse.pdf

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Autor
C. Gebhard, G. Voigt-Müller
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