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Junk is king

Branchen-Insider vermuten, dass der Autorenstreik in den USA einen neuen Schub in Richtung Reality TV bewirken könnte — mit Folgen, die selbst RTLs Dschungel-Camp noch als relativ hochwertig erscheinen lassen. Der Absturz ins Bodenlose scheint damit vorprogrammiert.

Beispiele gefällig? Auf dem amerikanischen Kanal VH1, der zum MTV-Imperium Viacom gehört, läuft derzeit die Serie »Celebrity Rehab with Dr. Drew«. Dabei kann man C-Promis der Kategorie »Bruder eines berühmten Schauspielers« beim Absolvieren einer Entziehungskur beobachten: mit allerlei Unwürdigem und Ekelhaftem, das man sich in diesem Zusammenhang vorstellen kann.

Die europäischen Spezialisten für solcherlei TV-Kost sitzen bekanntermaßen in Holland. Dort setzt Endemol mit »Baby te huur«, also »Babyverleih«, eher auf »Familienthemen«: Dabei werden Paare beobachtet, denen Kleinkinder auf Probe ins Haus geliefert werden. Die Sendung wird bei Interesse natürlich auch in andere Länder exportiert.

Es ist absurd: Auf der einen Seite wird in Japan schon am Nachfolger von HDTV entwickelt, mit noch schärferen, detailgetreueren Bildern und beeindruckenderem Surround-Ton. Auf der anderen Seite werden im Fernsehen Tag für Tag Sendungen, Shows, Dokus und Magazine ausgestrahlt, deren inhaltliche Qualität immer mehr in den Keller geht.

Bedrückender als einzelne Ausreißer nach unten ist aber die Tatsache, dass es immer mehr Sender gibt, bei denen sich das komplette Programm in der untersten Schublade abspielt.

Bei solchen gravierenden Fehlentwicklungen fällt es schon kaum mehr ins Gewicht, wenn zudem die technische Qualität massiv abstürzt und auch bei denen immer mehr geschlampt wird, die sich als Bollwerke der Qualität gerieren — obwohl sie es schon lange nicht mehr sind: Offenbar hat etwa ein Großteil der Teams, die für das öffentlich-rechtliche Fernsehen Nachrichtenbeiträge produzieren, immer noch nicht begriffen, dass die Nachrichten jetzt in 16:9 gesendet werden. Gestauchte oder breitgezerrte Bilder einerseits und abgeschnittene Köpfe andererseits sind hier an der Tagesordnung — nicht nur bei international zugekauftem Agenturmaterial, sondern auch bei Eigenproduktionen. Und das scheint auch gar niemanden zu stören, denn es ist keine Besserung zu bemerken, obwohl die Nachrichten nun schon etliche Monate in 16:9 laufen.

Der Weg zum Fernsehen der Zukunft steht derzeit unter einem schlechten Stern. Im Internet gilt für viele die Devise »Content is king«, beim Fernsehen scheint derzeit hingegen zu gelten: »Junk is king«. Tatsächlich wird es einen Shake-Out geben und es ist im TV-Geschäft eine grundlegende Neuausrichtung erforderlich: Reine Abspielstationen für Serien und Spielfilme haben im Fernsehgeschäft langfristig keine Zukunft, hier wird das Internet schon in naher Zukunft für breite Gesellschaftsschichten mehr Optionen bieten und mit Video-on-Demand-Lösungen auch gute Bildqualität bieten. Das Internet wird in vielen Feldern neben das klassische Fernsehen treten — und das keineswegs nur bei jungen Nutzern. Also muss sich das Fernsehen auf seine Stärken konzentrieren: Live-Events aus Sport und Unterhaltung, Shows, Nachrichten, exklusiver, eigener Content, der anderweitig nicht verfügbar ist. Die Abwärtsspirale des Reality-TV führt ganz sicher in die Irre, denn in puncto Trash, Absurdität und Wahnsinn ist das Internet ohnehin nicht zu toppen. Aber dass es auch in einem solchen Umfeld möglich ist, Qualität zu bieten und damit erfolgreich zu sein, versucht auch die Redaktion von film-tv-video.de zu beweisen.

Sie werden sehen.

Autor: C. Gebhard, G. Voigt-Müller

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