Editorial, Kommentar, Top-Story: 09.09.2010

Schon totgeritten?

In der Consumer-Elektronik prognostiziert die Geräteindustrie derzeit mal wieder fantastische Wachstumsraten: Stereo-3D soll bei den TV-Geräten neuen Schub bringen.

Unter tatkräftiger Mithilfe der Publikumsmedien haben es die Hersteller in den vergangenen Monaten geschafft, einen kräftigen Hype um das Thema Stereoskopie zu erzeugen: Selbst die »Bild«-Zeitung ging erst vor wenigen Tagen mit einer 3D-Druckausgabe inklusive Anaglyphen-Brille an den Kiosk — natürlich ohne dieses schwierige Wort.

Auch in den TV-Magazinen, die über die IFA in Berlin berichteten, drängten sich in den IFA-Beiträgen 3D-bebrillte Menschen vor Riesen-Displays. Dass die nun anstehende Broadcast-Messe IBC von Stereo-3D dominiert sein wird, kann ebenfalls schon als sicher gelten.

Dabei gibt es auch schon die erste Schockmeldung für die euphorisierten Stereo-3D-Enthusiasten: »Toy Story 3« spielte in den USA am Eröffnungswochenende mit der herkömmlichen 2D-Fassung mehr Geld ein, als mit der Stereo-3D-Variante des Films. Ein Ausreißer unter den Blockbustern der letzten Monate? Oder erstes Anzeichen einer beginnenden Sättigung und eines schon nachlassenden Neuheiteneffekts? Grund genug jedenfalls für Stirnrunzeln bei den Filmbossen in Hollywood, die große Hoffnungen in die neue Technologie setzen.

Wenn Stereo-3D auf der Ertragsseite doch nicht so viel bringen sollte wie erhofft, stellt sich erst recht die Frage, wo das Geld für Stereo-3D-Produktionen herkommen soll, die nun mal aufwändiger und teurer sind. Setzt Sky mit der Ankündigung, ab Oktober 2010 auch in Deutschland 3D-Fernsehen anzubieten, aufs richtige Pferd?

Die IBC wird jedenfalls den aktuellen Stand der nach wie vor jungen Stereo-3D-Technologie auf der Produktionsseite des Fernsehbereichs zeigen — aber (zum Glück) nicht nur das: Erste Vorankündigungen geben schon eine Ahnung davon, dass das file-basierte Arbeiten in HD nach wie vor zu den realen, greifbaren Topthemen der Branche gehört.

 Sie werden sehen.

Autor
Christine Gebhard, Gerd Voigt-Müller
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