Report, Top-Story: 12.04.2012

Stereo-3D-Produktion in der Unternehmenskommunikation

Christian Klimke und Torsten Schimmer beschreiben anhand der Produktion eines Stereo-3D-Werbespots für eine Manager-Tagung, wie Stereo-3D in der internen Unternehmenskommunikation eingesetzt werden kann.

Die Produktion war vornehmlich für interne Zwecke bestimmt – und aufgrund dieser Vorgabe wurde schnell klar, dass die größte Herausforderung der Produktion darin bestehen würde, mit dem vorhandenen Budget zurechtzukommen. Umfangreiche Stereo-Korrekturen waren von vornherein ausgeschlossen, was direkten Einfluss auf die Produktionsweise hatte: Christian Klimke und Torsten Schimmer entschieden sich für eine angulierte Drehweise, um so bereits während der Produktionsphase die Nullebene vorgeben zu können.

Die spätere Projektion des Werbespots war für eine 7 m x 4 m große Leinwand geplant. Auch das hatte unmittelbare Auswirkungen, etwa auf mögliche Stereobasen, die Anforderungen an das Stereo-3D-Rig und die Kameratechnik insgesamt. Darüber hinaus waren rund 19 Bilder geplant und es gab 60 Komparsen, sowie mehrere Kinder am Set. Schnelle Umzugszeiten von Bild zu Bild waren daher – neben einer guten Vorbereitung – ein Schlüsselfaktor, um das hohe Pensum an einem Drehtag zu schaffen.

Während der Pre-Production-Phase erstellten die Stereographen auf Basis des Drehbuches ein S3D-Storyboard. Die daraus resultierenden S3D-Videos und anaglyphen Screenshots halfen dem Team, die verschiedenen Vorstellungen von Regie, Kamera und Produktion zu visualisieren und die Herausforderungen der Stereo-3D-Produktion zu erkennen. Den Stereographen wurde aufgrund der detaillierten Pre-Production klar, dass zwar ein Spiegel-Rig benötigt wurde, aber keine Motorisierung notwendig war. Zudem stellte sich relativ schnell heraus, dass es mit kleineren Kompromissen möglich war, alle erforderlichen Einstellungen mit einer Brennweite zu realisieren. Das war für das Team ein großer Vorteil, denn so konnte das zeitintensive Wechseln von Brennweiten während des Drehtags entfallen.

Kamera

Kleinere, modulare HD-Kamerasysteme eignen sich aus vielerlei Gründen ganz besonders gut für Stereo-3D-Produktionen — und so plante auch Christian Klimke frühzeitig den Einsatz einer SinaCam. Der Prototyp der SinaCam wurde bereits in der Stereo-3D-Doku »Huberbuam« des ZDF eingesetzt. Da bereits gute Kontakte zum Vertrieb der SinaCam und der Firma Pure4c aus München bestanden, konnten Christian Klimke und Torsten Schimmer die SinaCam für weitere Tests nach Berlin holen.

Die beiden Kameras wurden beim Rental-Haus Camelot in Berlin in einem Testraum aufgebaut und ausprobiert. Dabei kristallisierte sich heraus, dass die SinaCam etliche Anforderungen der Produktion erfüllte: So musste etwa weitgehend mit verfügbarem Licht gearbeitet werden – die Lichtempfindlichkeit der Kamera war also ein entscheidendes Auswahlkriterium. Trotz Lichtverlust durch den Spiegel bot die SinaCam aber genügend Spielraum im Dynamikumfang.

Die Einstellungen der Kameras wurden zentral über die Base-Unit HDC1-200 vorgenommen. Von hier aus bestehen zahlreiche Zugriffsmöglichkeiten auf Menüpunkte wie beispielsweise Aufnahmeformat, Shutter, Gamma und White Balance. Die Bildqualität der SinaCam überzeugte das Team ebenso, wie ihre kompakten Baumaße und die Base-Unit. Da zum Zeitpunkt des Drehs S-Log noch nicht zur Verfügung stand, wurde mit extended Rec709 in 1.920 x 1080 25FpS aufgezeichnet.

Schwierigkeiten gab es bei der Justierung der Kameras auf dem Spiegel-Rig. Da die SinaCam nur ein Schraubgewinde aufweist, verschoben sich die Kameras gelegentlich leicht zueinander, sodass während des Drehtages die Kameras nachjustiert werden mussten. Die mittlerweile vorhanden Baseplates BP-20 und BPA-1 standen dem Team leider nicht zur Verfügung. Interessant wäre auch ein Käfig für den Einbau einer SinaCam: Damit könnte die Minikamera leichter an einem Rig montiert oder auch bei einer 2D-Produktion beliebig konfiguriert werden.

Um jederzeit schnellen Zugriff auf die Kameraeinstellungen zu haben, wurde die Base-Unit auf dem Magliner der Stereographen aufgestellt. Zwischen Base-Unit und Kameraköpfen gab es eine BNC-Verbindung. Während einer längeren Dollyfahrt stellten die Stereographen allerdings fest, dss es bei einer Länge von 40 m zu Signalproblemen kam und eine synchronisierte S3D-Aufzeichnung nicht mehr möglich war. Bei der Aufzeichnung mit einer Kabellänge von 20 m gab es hingegen keine Probleme.

Objektive

Aus Budget-Gründen sollten die mitgelieferten 8,5-mm-C-Mount-Objektive genutzt und zusätzlich noch zwei 12-mm-Objektive beschafft werden. Nach den ersten Tests mit dem Stereo3D-Rig stellte sich allerdings heraus, dass die 8,5-mm-Objektive bei Schärfeverlagerungen extrem pumpten. In weiteren Test erwiesen sich die 12-mm-Objektive als stabiler, so dass schließlich nur diese genutzt wurden.

Die unterschiedlichen Verzeichnungen am Rand des Bildes waren zwar sichtbar, hielten sich jedoch im Rahmen und wurden in die Stereotiefe miteingerechnet. Es störte allerdings, dass die 12-mm-Optiken selbst keine Markierungen für Blende und Fokus aufwiesen. Dadurch musste man beim Arbeiten an den Optiken die Blenden immer mit Hilfe des Waveform-Monitor überprüfen, und auch die Schärfe erforderte nach Umbauten oder optischen Veränderungen eine intensive Kontrolle mit Hilfe des 47-Zoll-Monitors.

S3D-Spiegel-Rig

Bereits während der Pre-Production wurde klar, dass mit einem Spiegel-Rig gedreht werden musste. Die wichtigsten Anforderungen an das Rig waren die Justierungsmöglichkeiten. Das Stereoteam wollte sicherstellen, dass beide Kameras perfekt aufeinander eingestellt werden können, um so unnötige 3D-Korrekturen in der Postproduction vermeiden zu können. Da zum Zeitpunkt der Produktion das Heavy-Duty-Rig von P+S in Berlin zur Verfügung stand und man auf eine Motorisierung verzichten konnte, war es naheliegend, dieses Rig einzusetzen. Das größte und auch einzige Problem des Rigs bestand im fehlenden Roll. Letztendlich ließ sich dieses Problem ab er dank der kompakten Maße der Kameras lösen: Indem mit Lassoband eine leichte Korrektur unter die Keilplatte geklebt wurde, konnte der fehlende Roll fast komplett und auch schnell ausgeglichen werden.

Aufzeichnung

In Absprache mit allen Beteiligten fiel die Entscheidung für einen file-basierten Workflow. Dieser sollte eigentlich mit dem externen Cinedeck-EX-Recorder realisiert werden. Da das Stereo-3D-Upgrade aber beim Rental-Haus noch nicht vorhanden war, kam ein 3D-Nanoflash zum Einsatz. Dessen 8-Bit-Aufzeichnung war akzeptabel, weil ja schon eine fertige Stereographie aufgezeichnet werden sollte und die Location keine extremen Lichtsituation beinhaltete.

Die beiden Nanoflashs wurden mit einem gesplitteten Start/Stopp-Kabel verbunden, um so die Aufnahme für beide Geräte zeitgleich zu starten. Allerdings kam es häufig vor, dass beim Betätigen des Schalters mal nur der eine, mal nur der andere der Recorder auslöste. Erneuter Tastendruck stoppte dann den laufenden Recorder und löste beim anderen die Aufzeichnung aus. Dadurch entstanden eine Vielzahl von Clips. Christian Kimke und Torsten Schimmer entschieden sich daher, eine Shotliste mitzuschreiben, in der die Namen der zusammengehörigen Clips pro Take aufgeschrieben wurden. Die Clips wurden in den Recordern auch pro Bild benannt.

S3D Monitoring & Stereoanalyse

Das Stereographer-Team entschied sich, das Monitoring und die Stereoanalyse mit einem 12-Zoll-Stereo-3D-Monitor von Transvideo sowie mit dem Stan-System (Stereoscopic Analyzer) des Heinrich-Hertz-Instituts, einem 6-Zoll-Astro und einem 47-Zoll-Stereo-3D-Monitor von LG zu realisieren. Der Transvideo-Monitor sollte immer direkt am Rig stehen und auf diese Weise eine schnelle portable Möglichkeit bieten, um das Rig und die Optiken direkt zu justieren.

Stan war als Hauptwerkzeug für das Monitoring und die Stereographie eingeplant. Am zweckmäßigsten erwies sich Stan allerdings im Zusammenspiel mit dem 47-Zoll-Monitor für die Stereographie, während sich der Astro-Monitor vor allem gut für die Blendenkontrolle eignete

Die Location hatte viele Vorteile: Man konnte schnell mit dem Aufbau (Magliner mit Stan, 47-Zoll-Monitor, Aufzeichnung, CPU der SinaCam, Astro und MacBook mit Festplatten) am nächsten Ort sein und Strom war ebenfalls schnell gelegt. Ein weiteres Plus bestand darin, dass Stan klar anzeigen konnte, ob die vom Stereographer-Team gesetzten Parameter eingehalten wurden. Das Monitoring, inklusive Stereoanalyse und Waveform, funktionierte schon während des Tests wie auch beim Dreh problemlos.

GFM PrimoDolly mit GF-3D Combi Rig

Zusammen mit dem DoP Christoph Griep entschieden Torsten Schimmer und Christian Klimke, mit dem GFM Primo Dolly und dem GF-3D Combi Rig zu arbeiten. Dadurch konnten sie sich zügig innerhalb der Location fortbewegen und waren schnell am nächsten Set.

Bei der ersten Fahrt wurde noch mit einer reinen Luftbereifung gearbeitet. Durch die hohe Kopflastigkeit des GFM Primo Dolly, des GF-3D Combi Rig inklusive des Standard Rigs von P+S wurden die weiteren Fahrten trotz des guten Untergrundes jedoch mit Schienen durchgeführt. Grundsätzlich zeigten sich die großen Vorzüge, bei einem Stereo-3D-Dreh einen Dolly einzusetzen. Arbeitet man mit einem Stereo-3D-Rig auf einem Stativ und verändert man die Position, kann es passieren, dass schon allein wegen des Umzugs das Rig neu kalibriert werden muss. Wenn man einen Dolly an eine andere Position schiebt, verändert sich hingegen nur wenig.

Trotz der hohen Mobilität des Dollys gab es immer wieder Situationen, in denen das Rig entweder sehr hoch oder sehr niedrig am Dolly angebracht werden musste. Diese Umbauten kosteten Zeit, da das P+S Standard Rig mit dem OConnor-Kopf komplett abgebaut werden musste. Hier würde ein zweiter Ausleger am GF-3D Cobi Rig wahrscheinlich Zeit sparen. Ein Jib-Arm hätte vermutlich auch geholfen.

Resümée

Die SinaCam hat sich als vielversprechende Alternative zu den großen Lösungen am Stereo-3D-Set erwiesen. Zukünftig soll sie auch eine logarithmische Gamma-Gurve bieten. Wenn man dann noch mit B4-Mount und Digiprimes arbeitet und ein kleines motorisierbares Spiegelrig nutzt, gibt es nur noch wenig Gründe, größere Systeme zu nutzen. Mit diesem Setup wäre auch eine Steadicam oder eine Handheld-Kamera weitaus leichter umzusetzen als zuvor.

Was die Aufzeichnung betrifft, so eignen sich andere Systeme mit Sicherheit besser für die Stereo-3D-Aufzeichnung. Der 3D-Nanoflash bietet eine bedeutend höhere Stabilität, wenn man Timecode-getriggert arbeitet – das Auslösen über den Auslöseknopf ist hingegen nicht ideal. Der Cinedeck EX oder der Convergent Gemini scheinen sich für solche Einsätze besser zu eignen.

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27.08.2011 – »Die Huberbuam« in Stereo-3D

Autor
Christian Klimke, red
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