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Logic-Roadtrip 2026: Software, aber nicht ohne Orchestrierung
Bereits zum vierten Mal richtete Logic den Roadtrip aus: Eine Veranstaltung, die in verschiedenen Städten Station macht(e) und sich mit aktuellen Trends und Tendenzen in der Broadcastwelt beschäftigt. Jens Gnad begrüßte in München ein interessiertes Publikum.
Die IT-getriebenen Entwicklungen stellen die Sender gleich auf mehreren Ebenen vor Herausforderungen, sagt er.
Dieser erste Programmpunkt schuf Orientierung, ordnete ein, warum softwarebasierte Architekturen in der Medienbranche an Bedeutung gewinnen, welche Anforderungen heute relevant sind und welche Rollen die beteiligten Akteure einnehmen.
Praxis zwischen Cloud und Rechenzentrum
Im nächsten Programmpunkt ging es darum, wie das Konzept softwarebasierter Architekturen in der Praxis umgesetzt wird. Logic sowie die Partner Grass Valley, Matrox und Sony gaben Einblicke in reale Einsatzszenarien. Im Fokus standen Zusammenspiel, Betrieb und Erfahrungen aus laufenden Projekten.
Daniel Scherer von Logic Media Solutions zog Bilanz: Der Wechsel von festen Verbindungen zu IT-Infrastrukturen funktioniert, die Integration bleibt aber eine Herausforderung. Fehlerquellen sind falsch gesetzte PTP-Einstellungen, unvollständig implementierte NMOS-Spezifikationen und fehlende Verschlüsselung. Sein Rat an Kunden: früh starten, Erfahrungen austauschen, eine Laborumgebung aufbauen und Automatisierung und Security von Beginn an einplanen.
Grass Valley setzt in der Liveproduktion auf Software, nur die Bedienpulte für Bildmischung und Replay bleiben Hardware. Kevin Hein zeigte live in einer Demo, wie einfach Remote-Produktion sein kann: Das Publikum öffnete per QR-Code einen Kaleido-IP X Multiviewer im Browser, der auf einem Server im niederländischen Breda lief. Hein änderte Layout und Quellen. Bremsklötze sind laut Hein die durch den KI-Boom steigenden GPU- und Speicherpreise.
Matrox bietet mit Origin einen asynchrone Media-Fabric auf COTS-Hardware an, der per TCP/IP transportiert. Donal Sievewright nannte einen kanadischen Broadcaster, der mit Webentwicklern in sechs Monaten einen FAST-Channel-Workflow baute und die Betriebskosten nach eigenen Angaben um 60 Prozent senkte – mit Hilfe von Origin.
Nevion hält VideoIpath weiterhin offen – auch nach der Übernahme durch Sony. Über ein SDK binden Hersteller ihre Software direkt an, ohne auf Nevion-Releases zu warten. Die erste Version des Workflow-Editors ist verfügbar, ein Dev-Kit für Software-Defined Broadcast steht Interessenten offen, so Haci Cengiz.
MAM, Monitoring und Newsroom
Im nächsten Part des Events zeigten Octopus, Citeloop, Dalet und Telestream ihren Beitrag zur Gesamtarchitektur und teilten Einblicke aus der Praxis.
Dalet stellte seine Plattform Flex und den KI-Agenten Dalia vor. Dalia dient als neue Bedienoberfläche, plant Workflows, startet sie und überwacht den Status. Flex orchestriert die Systeme der übrigen Partner, über 30 Best-Practice-Workflows liegen bereit. Kunden schreiben eigene Plugins und Skripte. Tobias Stößel bremste den MCP-Hype: Das Protokoll sei »nicht immer« die Lösung für alle Probleme. Der Mensch bleibt im Loop.
Telestream versteht sich als Gatekeeper vor der Dynamic Media Facility(DMF) und prüft Signale, bevor sie dort ankommen. Das IP-Monitoring läuft als containerbasiertes Microservice-System. In der Cloud schreibt Telestream SRT-Streams redundant nach S3 und übergibt sie ans MAM. Für Remote-Produktionen genügten laut Tobias Claus 35 Mbit/s in H.264 oder HEVC, weil TAMS nicht ständig neu kodiert. Zudem verschiebe der Cloud-Betrieb Kosten von CAPEX zu OPEX, die Spitzenlast muss nicht mehr vorgehalten werden.
Octopus Newsroom entwickelt seit rund 30 Jahren ausschließlich Redaktionssysteme, aktuell in Version 13, mit Kunden in über 70 Ländern. Gabriel Jankó nannte Flexibilität als Überlebensfaktor. Was aktuelle Projekte gezeigt hätten: Vorhandene Strukturen bei einem Sender müssen respektiert werden, Integration ist essenziell und die Mitarbeitenden sind Teil des Change-Prozesses – denn niemand liebt Veränderung, so Jankó.
Citeloop, gegründet in Stockholm, löst ein Alltagsproblem von Redaktionen: Mit dem CiteLoop Workflow können Redaktions-, Community- und Kampagnenteams kurze Videoclips von echten Menschen einsammeln. Die Antworten werden per Browser aufgezeichnet, in einem gemeinsamen Postfach gesichtet, und ausgewählte Clips werden zu untertitelten Videos im eigenen Branding verarbeitet. Das Unternehmen will diesen Prozess auf wenige Minuten verkürzen.
Ausblick: Pool statt Pult
Daniel Scherer von Logic erwartet, dass sich Hardwareräume immer mehr zu Rechenzentren wandeln. Container verschiedener Hersteller sollen sich auf einem gemeinsamen Server-Pool verteilen, automatisch umverteilen lassen und pro Container abgerechnet werden. Als Kontrollebene setzt er auf NMOS, für MXL ist eine Spezifikation bereits veröffentlicht. Er warnte zudem, dass große IT-Integratoren Broadcast als gewöhnliche IT-Infrastruktur sehen könnten. Die Branche müsse deshalb definieren, was Broadcast ausmacht.
Telestream kündigt TAMS für die Cloud zeitnah an. Bis Jahresende sollen alle Produkte als Microservices laufen, auch in der Kunden-Cloud und on-prem, dort MXL-basiert. Dazu entwickelt das Unternehmen Metriken für das Monitoring innerhalb der DMF. Das Motto: Funktion statt Produkt.
Octopus priorisiert Automatisierung, KI und MCP. Jankó wünscht sich das Story Object Model als Standard, damit Kunden storyzentrierte Workflows ohne Einzelintegrationen bauen können.
Nevion nennt Workflow-Designer und KI in der Orchestrierung als nächste Schritte. Video iPath bleibe projektgetrieben und »Open by Design«.
Matrox erwartet, dass der Umstieg auf Software in den nächsten zwölf Monaten Fahrt aufnimmt. Langfristig mieten Produktionen Software-Module nur für die benötigte Zeit, etwa Grafiksysteme. Sievewrights Formel: »Building blocks, not boxes«.
Dalet sieht den KI-Agenten als Kollegen. Das MAM müsse mitdenken und Inhalte vorschlagen, der Mensch bleibe im Loop.
Erik Åhlin von Citeloop betonte, wie wichtig Vertrauen als Wettbewerbsvorteil in einer Welt KI-generierter Inhalte sei. Redaktionen sollten Publikumsreaktionen auswerten, um Journalisten bei der Suche nach abweichenden Meinungen zu unterstützen.
Grass Valley hält maximale Flexibilität für erreicht, Einfachheit nicht. Interoperabilität und Security müssten wachsen. Software sei nicht immer die beste Wahl, hybride Ansätze seien der Weg für die mittelfristige Zukunft.
Resümee
Jens Gnad zieht nach dem Münchner Auftakt eine positive Zwischenbilanz. »Die Besucher sollen mit einem guten Gesamtverständnis nach Hause gehen«, so Gnad. Man habe das Konzept des Events über die Jahre weiter optimiert, wohlwissend, dass die Zuhörenden Abwechslung wünschen, aber auch einen roten Faden.
Nach München macht(e) der Roadtrip noch Station in Leipzig, Köln und Mainz.








































